Habe Igel aufgepäppelt, darf er nun raus?

  • Hallo, wir haben vor drei Wochen einen Igel bei uns aufgenommen, mit 180g. Nun wiegt er über 600g. Können wir ihn jetzt ausziehen lassen oder sollten wir ihn bei uns auf der Terrasse ein Gehege bauen, damit er noch den Winterschlaf hier bei uns verbringen kann?

    Liebe Grüße

    Janine

  • Liebe Igelfreundin Janine,


    schön, dass Sie das Igelhilfe-Forum gefunden haben und mein Kompliment, dass Sie dem Igel so schnell auf die Sprünge geholfen haben.


    Ein 600g-Igel darf Ende Oktober doch gerne noch raus, mit dem Winterschlafbeginn ist es ja noch Zeit - insofern wäre es nicht gut, wenn der Igel noch wochenlang im Gehege ist. Die Freiheit ist immer die bessere Alternative und hat mehr Lebensqualität für den Igel.


    Ich sehe, Sie wohnen in Sachsen. Wie sind die Temperaturen dort momentan nachts? Die Wetterkarte zeigt ja momentan überall blau an, also überall 3-4 °C. Wenn der Igel rauskommt, sollten einige Unterschlufpmöglichkeiten schon fertig zur Verfügung stehen, die noch nicht von anderen Igeln belegt sind. Kommt der Igel an den Fundort zurück - also in Ihren Garten? Hätte er weiterhin bis zum Winterschlafantritt noch eine Futterstelle?


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Super, dann kann er ausziehen ☺️ das ist schonmal toll.


    Wir wohnen in Leipzig und haben einen ca. 7x5m kleinen Garten, jedoch im Hinterhof in der Stadt. Hier sind viele Straßen. Bei uns im Garten war er in unser kellerloch gefallen, da haben wir ihn gefunden.


    Wir können ihn also gern bei uns im Garten aussetzen inkl. seinem Häuschen, da bin ich mir aber unsicher, ob das so geeignet ist, könnten ihn dann aber über den Winter immer füttern.

    Oder

    Wir könnten ihn auch etwas weiter im Umfeld in einem Park oder Wald aussetzen und ihm dort dann das Haus und alles was er für den Start benötigt hinstellen.

    Oder

    Meine Schwiegereltern haben einen sehr schönen Garten im Umfeld. Da wohnt jedoch schon ein Igel ☺️ das wäre dann vielleicht Nicht so geeignet oder?


    Was würden sie uns empfehlen?


    Finde es übrigens super das sie hier allen mit Rat und Tat zu Seite stehen.

  • Liebe Igelfreundin Janine,


    ohje - Ihr Garten ist für iGEL wirklich zu klein. Ein einziger Igel braucht, um satt zu werden, eine begrünte Fläche von 2000qm! Ihn nur mit einer künstlichen Futterstelle am Leben zu halten, wäre nicht artgerecht, das hat für einen Igel auch keine Lebensqualität.


    Der Wald und ein Park sind auch nicht so das Richtige - im Wald wohnen die natürlichen Feinde vom Igel und im Park wird womöglich zuviel aufgeräumt, mechanisch gearbeitet, eine Futterstelle wäre da vermutlich nicht möglich und ein Haus aufzustellen schon gar nicht, das wäre erfahrungsgemäß das erste, was die städtische Grünpflege gleich wieder entfernt?!


    Aber: Wenn Ihre Schwiegereltern einen schönen Garten haben, der auch offen zugänglich für Igel ist, dann wäre das eine super Alternative! Auch wenn dort schon ein Igel wohnt, sie werden sich aus dem Weg gehen - Igel sind ja Einzelgänger, aber es bedeutet nicht, dass einer den anderen wegbeißt. An Futterstellen sieht man oft mehrere Igel an einem Napf, die dann in alle Richtungen wieder verschwinden und woanders wohnen, schlafen oder nisten.


    Empfehlenswert wäre, Ihren Igel im gewohnten Schlafhaus in der Dämmerung dort hinzubringen und das Schlafhaus samt Igel unter einer Tanne oder unter eine Hecke, einem Strauch zu verstecken. Futter und Wasser danebenstellen und noch einige Zeit zum Eingewöhnen beschicken. Die meisten Igel, die in einem neuen Areal ausgesetzt werden, schauen sich erst einmal um, um die Gegend kennenzulernen und die Landkarte im Kopf zu speichern, sie sind ja satt, wenn sie ausgesetzt werden und vergessen das Fressen ganz, weil die Freiheit wichtig und schön ist. Es kann also sein, dass der Igel erst ein paar Tage später wiederkommt, um die Futterstelle in Anspruch zu nehmen. Wäre schade, wenn es die dann nicht mehr gäbe. Aber Ende November kann man wirklich aufhören mit füttern.


    Wenn noch Fragen sind, melden Sie sich gerne wieder.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Alles klar, dann machen wir das - er zieht in den Garten der Schwiegereltern. Der ist sehr sehr groß und umliegend ist nur grün.


    Vielen Dank. :)

  • Eine Frage habe ich doch noch.

    Sollen wir ihm dann bis ca. Ende November weiterhin Katzenfutter hinstellen, oder anderes Igelfutter?

  • Liebe Igelfreundin Janine,


    Katzenfutter allein besteht nur aus Eiweiß, es fehlen das wichtige Fett und Kohlenhydrate.


    Wenn das Mischen nicht zuviel Umstände macht, wäre es gut, ein hochwertiges Katzendosenfutter zu nehmen und das mit etwas Weizenkleie zu mischen (die Zähne müssen auch etwas zu tun haben) und 1/4 - 1/2 Teelöffel Pflanzenöl mit essentiellen Fettsäuren (Olivenöl, Maiskeimöl, Hanföl, Kokosöl) unterzurühren, gerne auch mal ein in Pflanzenöl gestocktes Rührei oder Tartar. Vielleicht könnten Sie Ihren Schwiegereltern die Umstände abnehmen und schon fertig angemachtes Futter in abgewaschenen Joghurtbechern zu portionieren, dann können sie es einfrieren und jeden Tag eine Portion ausfrieren.


    Wenn Katzenfutter das Alleinfutter sein soll, dann muss es ein hochwertiges Produkt sein (das ist natürlich auch teurer, aber eben auch besser), achten Sie darauf, dass kein Getreide und keine Farbstoffe enthalten sind.


    Die Futterstelle sollte abgedeckt sein, vor Regen geschützt und vor Nachbars Katze, wenn da eine ist.


    Liebe Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

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