Angriffe durch Raubtier oder Kannibalismus

  • Hallo,


    Heute morgen habe ich die Kadaver von vier toten Jungtieren im Garten aufgefunden. Ich wollte Sie fragen, ob man erkennen kann ob diese einem Raubtier oder gar Kannibalismus zum Opfer geworden sind. Gestern Abend bin ich noch in unmittelbarer Nähe von dem Fundort im Garten einem größeren Igel begegnet. Ich habe hier noch nie die typischen Fressfeinde Uhu oder Dachs gesehen. Üblicherweise kommen nur Katzen in den Garten. Ein Marder könnte auch unterwegs sein.


    Viele Grüsse

  • Lieber Igelfreund Hans,


    Ihre Berichterstattung ist ein tragischer Fall.


    Tatsächlich kommt es vor, dass ein Muttertier in Stress-Situationen die eigenen Kinder totbeisst - passiert dieses im Nest, werden sie jedoch mit Haut und Haar gefressen. Es gibt auch die Situation, dass ein Muttertier einen oder mehrere Igel aus ihrem Wurf aus dem Nest wirft, wenn sie z.B. nicht richtig trinken oder sie ein anderes Problem haben. Nur die stärksten Tiere sind auch überlebensfähig. So ein Überlebenskampf von einem gerade geborenen Igel ist schon hart - aber das ist es bei anderen Wildtierarten auch.


    Das, was Sie beschreiben, deutet eher darauf hin, dass ein Nest erspäht und zerstört wurde. Nicht nur natürliche Feinde, wie Marder, Fuchs oder Uhu und Dachs, sondern auch Hunde können erheblichen Schaden anrichten und die noch zarten Jungtiere so verletzen, dass sie das nicht überleben. Hätten Fuchs, Marder & Co. die Igel als Futter entdeckt, wäre nichts mehr übriggeblieben, außer dem Stachelkleid, bei einem Uhu wird bestenfalls das nicht mehr als Igel zu erkennende Gewölle am Boden liegen.


    Man muss nicht davon ausgehen, dass der große Igel, den Sie gesehen haben, zu diesen Jungtieren gehört. Säugende Igelweibchen sind eher kleiner und natürlich während und nach der Jungenaufzucht völlig ausgezehrt. Die großen Igel sind meistens männliche Tiere, die sich zwar sehr engagiert um die Produktion von Nachwuchs kümmern, aber nicht um den Nachwuchs, das macht das Muttertier allein.


    Wir erfahren von allen Seiten, dass dieses Jahr recht früh schon selbständige Jungigel gesehen wurden, in manchen Gegenden der BRD werden Igelbabys erst im August/September geboren. Sie verlassen das Nest für die ersten Ausflüge mit annähernd 200g - obwohl Igel eigentlich nachtaktiv sind, wird man noch lernende Jungtiere bei ihren ersten Ausflügen auch tagsüber beobachten können. So könnten die Verletzungen auch von motorisierten Gartengeräten herrühren. Halten Sie das für möglich? Werden in Ihrer Nachbarschaft z.B. selbstfahrende Mähroboter (auch nachts) eingesetzt? Waren solche Geräte z.B. einen Tag, bevor Sie die toten Igelkinder entdeckten, im Einsatz?


    Können Sie denn in etwa die Größe (Länge) in cm der Igelkinder beschreiben? Dann kämen wir vielleicht der Sache näher.


    Mit vielen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de



  • Hallo, können Sie mir vielleicht eine private Nachricht hier im Forum schicken sodass ich Ihnen Fotos als Antwort schicken kann. Dann können Sie es vielleicht besser als ich beurteilen.

  • Alle 5 Igel gehörten zu einem Wurf, sie waren knapp 8 cm lang, hatten teilweise noch ihre weißen Babystacheln. Die Gartenbesitzer vermuten, dass das Nest unter dem Gartenhaus war. Die Nachbarn haben zwar einen Hund, aber dieser hat keinen Zugang zum Garten, er verbellt auch nur Igel, wenn einer durch den Garten läuft.


    Igel in dieser Größenordnung laufen alleine noch nicht außerhalb vom Nest herum, es ist zu vermuten, dass das Muttertier von der Futtersuche nicht zurückgekehrt ist. Erfahrungsgemäß warten die Kleinen und rufen einige Tage nach dem Muttertier, bis sich das stärkste auf den Weg und auf die Suche nach der Wärme- und Milchquelle macht, die Geschwister folgen. Nach mehreren Tagen ohne lebenswichtige Milch und Wärme dürften die Kleinen nicht mehr lange gelebt haben. Den kleinen Verletzungen nach zu urteilen, könnten Rabenvögel, Elstern oder Eichelhäher die Verursacher gewesen sein. Fuchs, Dachs und Marder hätten so kleine Igel gleich mitgenommen oder vor Ort aufgefressen. Kleine Löcher in der Igelhaut locken schnell Schmeissfliegen an, die schon nach 24 Stunden mit Maden besiedelt sind und die Wundlöcher größer fressen.


    Igelfreund Hans hat der Veröffentlichung aller Fotos zugestimmt. Trotzdem ist hier nur eines eingestellt.


    Dieses ist eine wirklich tragische Geschichte, die auch dem Forummitglied Hans schwer zugesetzt hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Kleinen nicht lange gelitten haben. Es ist schon hart, was sie aushalten müssen.


    Liebe Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de



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