Clara 368g

  • Liebe Anke Anke S.


    Es tut mir so leid um Caro. Wieder eine kleine Igelseele, die viel zu früh gegangen ist.

    Was tun wir Menschen ihnen nur an? Mit welchem Recht gehen wir hin und zerstören ihren Lebensraum, entziehen ihnen die Lebensgrundlage, machen sie krank?

    Und gerade Igel sind doch so "anspruchslos". Sie sind zufrieden mit Sträuchern, Wildblumenwiesen, ein bisschen Totholz, Steine und Wasser. Warum versuchen wir nicht, die Natur durch die Augen ihrer Geschöpfe zu sehen?


    Ich bin übrigens keine Igelpflegerin mit sehr viel Erfahrung.

    Es stimmt zwar, dass ich jetzt seit genau 2 Jahren 14tägig in der Wuppertaler Igelstation helfe und dort auch schwer kranke Igel sehe. Es ist aber noch mal etwas ganz anderes, ob man so ein krankes, hilflosen Wesen bei sich zu Hause pflegt.

    Clara war mein bisher schwerster Fall.


    Ich habe erst 2019 mit der Igelpflege angefangen. Alles was im Internet über Igel und ihre Pflege zu finden war, habe ich gelesen und einen dicken Ordner angelegt. So konnte ich bald erkennen, welche Informationen zur Igelpflege stimmig sind. Was macht Sinn und was nicht, auch auf das Bauchgefühl zu hören ist wichtig.


    Dieses Igelhilfe-Forum ist eine tolle Sache. Man lernt viel durchs Mitlesen und ich finde es gut, dass auf die Fragen der Igelfinder*innen nur Heike Philipps antwortet. Sonst steht man nämlich wieder vor dem Problem, dass man viele verschiedene Antworten bekommt und genauso hilflos und unsicher ist wie zuvor.


    Liebe Anke,

    ich fände es sehr schade, wenn du mit der Igelpflege aufhören würdest. Die Igel brauchen engagierte und mitfühlende Menschen wie wir es hier alle sind.

    Gerade die besonders kranken und schwachen Stachelnasen sind unter Umständen in der privaten Pflege besser aufgehoben als in einer großen Igelstation, wo der Igel nur einer von über 100 ist. Schließlich haben sie bei uns oft eine 1:1 Betreuung.

    Das heißt natürlich nicht, dass man sich nicht professionelle Hilfe holen muss, wenn es dem Tier schlecht geht und man alleine nicht mehr weiterkommt.

    Es ist auch so, dass man mit jedem Igel den man aufnimmt, viel dazu lernt. So hat jeder in der Igelpflege angefangen. Ich habe am Anfang Fehler gemacht, die ich heute nicht mehr mache.


    Der Nachwuchs in der Igelpflege ist übrigens sehr wichtig, denn viele von den erfahrenen Pflegern und Stationsbetreiberinnen sind weit über 70 Jahre und hören langsam auf.... Gefühlt werden es immer mehr Igel, die von immer weniger Menschen versorgt werden müssen.


    Die Zeit der Trauer um ein verloren gegangens Igelleben ist wichtig und steht uns allen zu.

    Doch dann denkt man an den nächsten kleinen oder alten und hilflosen Igel, der ohne uns keine zweite Chance zum Leben hat.

    Fühl dich umarmt und verstanden.


    Herzliche Grüße


    Dorothee

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