2 ca. 200 Gramm schwere Igel

  • Liebes Forum,

    ich habe mich heute hier aus der Not heraus angemeldet. Ich habe versucht die Suchfunktion zu benutzen, aber auf die schnelle nichts gefunden. Sollte eine entsprechende Frage hier also schon beantwortet sein, tut es mir leid sie nochmal zu stellen.


    Aber dennoch:
    Seit einigen Tagen taucht im Garten von meiner Mutter ein kleiner Igel auf. Am Samstag wog er 195 Gramm. Sie füttert ihn seitdem. Nach reichlich Recherche im Internet, entschied meine Mutter, dass es wohl richtig wäre den kleinen ins Haus zu nehmen. Und ich durfte für sie ein Gehege im Gästezimmer bauen. Mittlerweile wiegt er gut 230 Gramm. Nachts sind es bei uns gegenwärtig so ca 7 Grad.


    Überraschenderweise hat sie mir soeben mitgeteilt, dass ein zweiter kleiner Igel im Garten aufgetaucht ist. Augenscheinlich ist er nicht größer als der erste.
    Auch ist ihr eingefallen, dass letzte Woche mal ein großer Igel vorbei schaute.
    Wir haben versucht vorher gut zu recherchieren, fanden aber immer nur die Info, dass ein Igel unter 200 Gramm bei den jetzigen Temperaturen innen aufgepeppelt werden sollte.


    Ich würde mich freuen, wenn ihr mir einen Ratschlag geben könntet. War es richtig den Kleinen in Obhut zu nehmen? Haben wir hier unbedacht eine Familie zerissen? Sollten wir ihn wieder raus setzen? Oder muss der zweite ebenso rein?


    Liebe Grüße!

  • Liebe Igelfreundin Lobata,


    Ihre Mutter hat richtig gehandelt und der zweite Igel ist ganz sicher aus ein und demselben Wurf, es könnte sogar sein, dass Nummer 3 und 4 auch noch auftauchen....was nicht heißen muss, dass Sie alle ins Haus nehmen müssen. Machen Sie das, was Sie können - mehr geht eben nicht.


    Im Gästezimmer sollte gern die Heizung an sein und ein Karton stehen, nicht den Igel im Raum herumlaufen lassen - das kostet viel zu viel Energie und die Igel nehmen zu wenig zu.


    Auch sollten die Igel, wenn Sie nun beide aufnehmen getrennt gehalten werden. Die Familie ist ganz sicher momentan schon dabei, sich zu trennen, das Muttertier wird für sich selber sorgen müssen, damit sie wieder zu Kräften kommt, so ein Wurf mit 5-6 kleinen Rackern kann ganz schön Gewicht rauben.


    Die Nächte sind schon sehr kalt, auch wenn es nur kurzfristig kalt ist, Igel mit 195g haben auch mit Muttertier kaum noch eine Chance auf annähernd 500g Gewicht zu kommen, es wird ja nicht wärmer, sondern kälter, d.h. Immer mehr Energie geht für Wärme verloren, aber nich für den Gewichtsaufbau. Wenn Sie jetzt alles richtig machen und es schaffen, in 4 Wochen die Igel auf 500g zu bringen, können sie noch vor dem Winter wieder raus.


    Wir begleiten Sie gerne und beraten Sie, wenn es ein Problem gibt, wenn z.B. eine Entwurmung ansteht und wo u.U. eine igelkundige Tierarztpraxis zu finden ist.


    Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich gerne wieder.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de


  • Hallo,


    vielen lieben Dank für diese schnelle Antwort!
    Tatsächlich haben wir ein 1,2x1,2m großes Gehege gezimmert. Ich hoffe, dass ist von der Größe noch in Ordnung?


    Das ganze haben wir mit Zeitung ausgelegt und noch ein Haus in die Ecke gestellt. Die Heizung ist auch an. Tatsächlich ist damit der einzige für Igel nutzbare Raum im Haus schon voll. Ich wüsste nicht, wo sie noch mehr Platz findet. Ich prüfe das morgen aber mal.


    In jedem Fall werden weiterhin draußen soviel füttern, wie sie nur fressen können.


    Aber tatsächlich haben wir Probleme mit Parasiten. Einen Floh konnte ich schon finden.
    Meine Mutter hat außerdem mehrere Hunde im Haus. Die haben zwar keinen Kontakt zum Igel, wir würden aber vorsichtshalber bei unserer Tierärztin eine Kotprobe auf Parasiten untersuchen lassen. Normalerweise macht unsere Tierärztin Kotuntersuchungen selber in der Praxis. Mein Plan war dort morgen anzurufen und mich zu erkundigen, ob sie auch auf die typischen Igel-Parasiten testen kann.
    Ist es möglich bei Ingel in dieser Gewichtsklasse etwas gegen Flöhe zu unternehmen, ohne ihnen Schaden zuzufügen? Und wie ist es mit Darmparasiten?


    Und wirklich vielen Dank für die schnelle und detaillierte Antwort. Sie haben mir schon sehr geholfen!

  • Liebe Igelfreundin Lobata,


    Sie könnten das Igelgehege teilen, dann hätten Sie 2 Boxen und könnten beide Igel getrennt in einem Raum halten. Jede Box sollte ein Schlafhaus haben, alternativ geht auch einfach eine Rolle Toilettpapier, sozusagen als Blätterersatz, worunter sich der Igel verkriechen kann. Allerdings muss alles Papier täglich getauscht und neu angeboten werden.


    Futter- und Wasserteller auf die gegenüberliegende Seite, Sie könnten es mit Hundefeuchtfutter versuchen, für Igel ist jedoch Katzenfeuchtfutter verträglicher, gern auch mal ein Rührei. Damit die Zähne auch etwas zu tun haben, auch Weizenkleie oder ein paar grobe Haferflocken mit ins Futter rühren.


    Zu den Flöhen: Sie müssen natürlich elemeniert werden, wenn Sie eine Tierarztpraxis für die Hunde haben, könnten Sie fragen, ob Frontline dort verfügbar ist als Spray (kein Spot-On-Präparat bei igeln anwenden). Wenn Frontline nicht verfügbar ist, dann etwas ohne Pyrethrumhaltige Substanzen. Notfalls geht auch Neu-Ballistolöl-Spray, das Sie in der Apotheke bekommen und auch später für anderes aufbrauchen können. Also keine Angst: Wenn die Hunde nicht in den Raum kommen, wo die Igel sind, können die Flöhe auch nicht überspringen.


    Natürlich haben die meisten Igel auch Innenparasiten - wenn die Hunde nicht mit dem Kot in Verbindung kommen und diesen nicht fressen, kann nichts passieren. ABER: Eine Entwurmung sollte erst frühestens nächste Woche anstehen, man kann nicht einen Igel aufnehmen und gleich mit der Entwurmung beginnen. Die Tiere müssen erst einmal einige Tage gefressen haben, damit sie die Tortour auch schadlos überstehen, es sind ja Jungtiere, die eben von der Mutter weg sind. Also eines nach dem anderen. Lassen Sie sich von der Tierarztpraxis Kotprobenröhrchen mitgeben, worin Sie den Kot von 3 Tagen sammeln sollten, der dann über die Praxis sicher in ein Labor geschickt oder vor Ort untersucht wird. Kotproben von einem Tag machen wenig Sinn, weil nicht täglich Parasiten ausgeschieden werden, außerdem werden meistens erst 3 Wochen nach der Aufnahme der ersten natürlichen Nahrung (Käfer, Schnecken, Würmer) Parasiten im Igelkot nachgewiesen, aber es ist auch möglich, dass über die Igelmuttermilch schon Innenparasiten übertragen werden. Wenn in der Tierarztpraxis nicht viele Igel vorgestellt werden und die Praxias wenig igelkundig ist, verweisen Sie auf das Fachbuch "Igel in der Tierarztpraxis", in dem man auch online blättern kann (http://www.pro-igel.de).


    Wichtig ist, dass die Tiere fressen und dass Sie den Rest aus dem Wurf, gern auch das Muttertier noch eine Weile draußen füttern, bis das Muttertier den Winterschlaf antritt, evtl. sind bis dahin die beiden schon soweit, dass sie auch wieder ausgewildert und den Winterschlaf in Freiheit machen können. Darauf sollten wir hinarbeiten.


    Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich gerne wieder. Ich habe morgen einen Auswärtstermin, kann deshalb erst nachmittags antworten.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Hallo,

    vielen Dank für die wieder ausfühliche Antowrt. Tierschutz ist nicht neu für mich, Igel aber schon. Sie haben jetzt schon geschafft mir viele Sorgen zu nehmen.


    Ich ging auch erstmal davon aus, dass wir noch etwas anfüttern, bis wir eine entwurmung durchführen. Gibt es etwas wonach wir den richtigen Zeitpunnkt dafür bestimmen können? Können wir uns da nach einem bestimmten Gewicht richten?


    Liebe Grüße!

  • Liebe/r Igelfreund/in Lobata,


    zu lange mit der Entwurmung zu warten, ist auch nicht gut. Aber Alarmzeichen sind:


    • dünner, grüner, und oder schleimiger Kot, Blut im Kot, ständig Durchfall
    • Fressunlust
    • Gewichtsabnahme trotz gutem Fressverhalten
    • Husten, Röcheln, Rattern (man hört das, wenn man im Igelzimmer ist, es ist, als wenn Menschen starke Brochitis haben)

    Diese Dinge kriegt man natürlich meistens nur mit, wenn die Tiere verfügbar und in einer Box sind, draußen sieht oder hört man die "Bescherung" oft zu spät.


    Es ist eben wichtig, zu wissen, was im Kot zu finden ist, wenn Sie z.B. ab Ende der Woche anfangen mit Sammeln (3 Tage), das einschicken lassen über die Tierarztpraxis - daraus ergibt sich schon, was zu tun ist. Sie könnten sich hier auch nochmal melden, wenn es ein Ergebnis gibt.


    Mit vielen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Hallo,

    erneut vielen Dank für diese Hinweise! Wir werden das genau so berücksichtigen. Bis jetzt konnte ich keines dieser Alarmzeichen sehen, werde aber wachsam bleiben.


    Jetzt stellt sich uns aber tatsächlich eine neue Frage:
    Igel 2 kam heute wieder vorbei und wir haben ihn/sie gewogen. Er/Sie bring 351 Gramm auf die Wage. Wie handeln wir nun richtig: Ihn/sie in Obhut nehmen oder weiterhin draußen gut füttern? Bei letzteren würden wir weiterhin regelmäßig das Gewich kontrollieren und die Temperaturentwicklung im Auge behalten.


    Liebe Grüße!

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