140 g Igelkind - sehr dünne Mama - Kind ins Nest zurück oder aufnehmen

  • Hallo liebe Frau Philips,


    Kinder haben gerade ein Igelkind mit 140 g gefunden mit sehr vielen Zecken und Flöhen. Ich selbst hatte letzte Woche einen Jungigel mit 170 g gefunden auf der Spielwiese und nach Absprache in die Wildtierauffangstation gebracht, da er kein Futter anrührte und ich kein Nest finden konnte. Er ist aber soweit in Ordnung. Die Wildtierstation ist gerade nicht erreichbar.


    Zwichenzeitlich hatte ich das Nest gefunden mit weiteren 2 Jungigeln und einer Mama, die sehr dünn aussah. Diese habe ich vor 2 TAgen gewogen, 780 g. Die Kleinen wollte ich nicht anfassen, um sie nicht zu stören. Ich habe das ganze mit Wildkamera beobachtet und alles wart soweit in Ordnung. Heute waren sie aber den ganzen Tag nicht mehr im Nest. Ich habe nichts gesehen und gehört bis die Kinder den einen Kleinen gefunden haben. Von dem Dritten keine Spur bisher.


    Jetzt meine Frage. Ich habe den Kleinen jetzt seit einer Stunde bei mir und die Mutter vorhin gerade in der Nähe des Nestes gesehen. Soll ich den Kleinen wieder dazu setzen oder doch in die Wildtierstation geben, weil er mit 140 g tagsüber auf dem Kinderspielplatz unterwegs war und die Mama sehr dünn ist.


    Ich bitte um Ihren Rat.


    Vielen lieben Dank!


    Herzliche Grüße,


    Vera

  • Liebe Igelfreundin Vera,


    wenn ein Igelkind schon draußen herumläuft mit diesem niedrigen Gewicht, ist es entweder verstoßen oder aber das Muttertier hat nicht mehr genügend Milch, um die Kleinen satt zu bekommen.


    Ist ein Igelkind erst einmal aufgenommen, sollte man es auch da lassen - das hin- und her bringt es nicht. Wenn Sie das Muttertier auch aufnehmen können, das sicher eine Erholungspause braucht, wäre es prima. Oder bringen Sie alle in die Wildtierstation???? Ist diese nicht schon überbelegt? Sie schaffen das auch alleine daheim - wir begleiten Sie gern dabei und Sie könnten, wenn alle wieder gesund und wohlgenährt sind, die Tiere in Ihrem Garten wieder auswildern.


    Wichtig ist für das Kleine auf jeden Fall eine Wärmflasche, etwas Katzenfutter, Rührei und zu trinken Wasser, gern auch Fencheltee.


    Das Muttertier separat in einem Karton unterbringen, alles sauberhalten und mit Katzendosenfutter, Rindertartar gestockt oder Rührei gestockt, etwas Weizenkleie untermischen, satt füttern und auf ein akzeptables Gewicht bringen. Ganz sicher wird auch eine Entwurmung nötig sein, aber erst einmal muss das Muttertier einige Tage sich satt fressen, damit es die Medikation übersteht.


    Frisst einer oder fressen beide nicht, in der Tierarztpraxis eine Infusion und ein Vitamincocktail geben lassen - auf keinen Fall Spot-On-Präparate.


    Wenn noch Fragen sind, immer wieder gerne. Melden Sie sich gern wieder.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de


  • Liebe Frau Philipps,


    Vielen Dank für Ihre Nachricht. Könnten Sie mich vielleicht kurz anrufen? Meine Nummer ist 0162 4504919.


    Vielen lieben Dank.


    Herzliche Grüße,


    Vera Tiefbrunner

  • Liebe Igelfreundin Tiefbrunner,


    leider kann ich Sie nicht anrufen - meine Ohren sind fast taub - ich kann nicht mehr telefonieren, ich höre nahezu nichts. Nach über 35 Jahren Igelschutzarbeit sozusagen "an der Front" haben mehrere Hörstürze diese Situation verursacht.


    Nun bin ich sozusagen im "Un"-Ruhestand, möchte aber meinen Erfahrungsschatz in diesem Hilfe-Forum wenigstens noch online vermitteln dürfen.


    Sie können mich gern privat kontaktieren: pigsi@mailbox.org.


    Liebe Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Frau Philipps,


    oh, das tut mir sehr leid... und ich bin sehr, sehr froh, dass Sie Ihr Wissen so hilfreich weitergeben.


    Ich war vorher noch en bißchen panisch, weil es so viele Baustellen waren, der Kleine, die Mutter, der dritte Igel und die Ungewissheit, ob vielleicht noch einer da ist und ich die Mutter wegnehme, obwohl noch einer zu versorgen ist.


    Ich habe vorhin noch eine Dame, die eine private Igelpflegestelle hat, gesprochen und sie hat mir auch sehr wertvolle Tips gegeben. Ich habe mich jetzt erstmal auf den kleinen Igel gestürzt und versucht, die größten Zecken und möglichst alle Fliegeneier, die er bei näherer Betrachtung auch hatte, und ein paar Maden, die scheinbar erst vor kurzem geschlpft waren, zu entfernen. Die Flöhe haben wir uns jetzt geteilt. ;-) Wie bekomme ich die denn am Besten in den Griff? Es sind wirklich viele...


    Er ist ein bißchen wund an den Oberschenkelinnenseiten und ich habe überall, wo ich die Fliegeneier gesehen habe, Babyöl draufgegeben. Ich habe noch nicht alle Zecken runter bekommen, aber ich wollte ihn für heute nicht noch mehr stressen. Katzenfutter wollte er nicht, aber Rührei hat er mit Appetit gegessen.


    Ich werde jetzt mal schaun, wie es ihm morgen geht und wenn es ihm gut geht, werde ich ihn vielleicht selbst weiterpäppeln. Wenn er kränkelt, geb ich ihn in die Wildtierstation.


    Wenn ich weitere kleine Igel sehe, werde ich erst mal schaun, ob sie auch Fliegeneier haben und dann entscheiden. Mit der Mama würde ich noch ein bißchen warten, ob nicht doch noch ein weiteres Kind unterwegs ist.


    Was meinen Sie?


    Vielen lieben Dank nochmal für Ihre schnelle Reaktion vorhin und Ihren Rat!


    Herzliche Grüße


    Vera Tiefbrunner


    Vielen Dank

  • Liebe Frau Tiefbrunner,


    der erste Schritt war schon gut - schön, dass das Kleine Rührei mag. Schnuppern Sie mal an den wunden Stellen in den Achseln, riecht es evtl. nach Urin???? Oder kommen die wunden Stellen von den Zecken/Flöhen?


    Massenhaft Flöhe und auch Zecken deuten darauf hin, dass das Kleine schon länger nicht mehr beim wärmenden Muttertier war. Also war die Entscheidung richtig, es aufzunehmen.


    Haben Sie ein Flohmittel da?????? Gibt es einen Tierfuttermarkt bei Ihnen in der Nähe (z.B. Fressnapf), von Beaphar gibt es ein mildes Flohspray, das könnten Sie gut anwenden. Flöhe gehen eigentlich nicht auf Menschen - aber es gibt Menschen, die allergisch aud Flohbisse reagieren. Der Floh beißt, geht aber wieder weg....das ist unangenehm und muss nicht sein. Also: Die Flöhe müssen weg, aber bitte nicht mit einem Spot-On-Präparat. 'Vielleicht hat Ihr privater Kontakt noch Flohmittelreste? Bolfo geht auch, aber bitte nur 1 x kurz sprühen, weniger ist mehr bei solchen Sachen. Und Sie müssen die Augen zuhalten. Am besten den Igel auf ein Handtuch setzen, einmal sprühen, Handtuch kurz zumachen, dann haben Sie alle Flöhe im Handtuch, das Sie ausschütteln können.



    Weitere Kleine kann man locken mit einer winzigen Futterstelle am Fundort oder in Nestnähe, trotzdem würde ich dazu raten, das Muttertier aufzunehmen - es ist anzunehmen, dass sie krank ist und deshalb nicht mehr in der Lage war, die Kleinen vernünftig zu versorgen. Da kommt immer alles zusammen, Schwangerschaft, Wochenbett, Hunger - das schwächt und macht auch krank.


    Ist die Wildtierstation weit weg von Ihnen? Könnten Sie evtl. von dort Medikamente bekommen - dort muss es doch eine tierärztliche Betreuung geben. Es ist immer so, wenn die Stationen so voll sind, hat man natürlich nicht die Möglichkeit, zu beobachten, als wenn man nur 1-2 oder 3 Tiere hat. Es kommt dem Tier zugute, wenn man durch Beobachtung schon viel weiß, das hilft auch bei der Entscheidung, was weiter zu tun ist.


    Wenn Sie die Möglichkeit hätten, wäre das toll - wenn wir uns hier austauschen, helfe ich so gut ich kann.


    Liebe Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Frau Philipps,


    Viele lieben Dank für Ihren ausführlichen und wertvollen Rat.


    Ich habe den Kleinen gestern in die Wildtierstation gebracht. Er hatte, obwohl er auch morgens nochmal Rührei gegessen hatte, 10 g abgenommen und auch der Kot, der am Samstag Abend noch braun und gut geformt war, war nun hellgrün weich. Ich hatte zu große Bedenken, dass hier etwas im Gange ist, das sich ein Profi ansehen sollte. Er wurde in der WIldtierstation dann sofort nochmal nach Fliegeneiern abgesucht und leider wurden noch ein paar Maden gefunden, obwohl ich ihn gründlichst abgesucht hatte.


    Ich bin froh, dass er jetzt unter Profis ist und hoffe inständig, dass er es übersteht. Wenn es ihm hoffentlich besser geht, hole ich ihn wieder, genauso wie sein Schwesterchen von letzter Woche und werde sie, wenn nötig, auch kontrolliert überwintern.


    Die Igelmama war heute Nacht mehrfach an der Futterstelle, die ich nun neben Katzenfutter/Haferflocken, noch um Rührei und KItten-Trockenfutter erweitert habe, um nicht nur sie, sondern auch das dritte Igelkind anzulocken. Das Kind war leider nicht da. Ich warte jetzt noch ein paar Tage, nicht dass die Igelmama nicht doch noch ein Kind versorgt und wenn sie nicht zunimmt, werde ich sie auch noch zum "Medizincheck" bringen.


    Jedenfalls habe ich jetzt viel gelernt, was Erstversorgung angeht. Das mit den Fliegeneiern ist wirklich schrecklich, aber auch gut zu wissen, dass es allerhöchste Eisenbahn ist, wenn man ein Igelchen entdeckt, das entsprechend befallen ist, obwohl es (noch) keine sichtbare Verletzung hat. Es war mir nicht bewusst dass sich die Maden auch ohne Verletzung den Weg in das arme Tier suchen.


    Jetzt hoffe ich erstmal, dass Hermine und Herby wieder gesund werden, der dritte auch noch auftaucht und auch die Igelmama (ggf. mit Unterstützung) wieder zu Kräften kommt. Ich werde berichten.


    Vielen lieben Dank nochmal für alles. Es ist wirklich so hilfreich, eine so kompetente Anlaufstelle zu haben. Danke!


    Herzliche Grüße,


    Vera Tiefbrunner

  • Liebe Frau Tiefbrunner,


    Fliegeneier sind immer auf "kaltem" Fleisch, solange eine Igelmutter ihre Kleinen wärmt, werden sie schon allein deshalb von Außenparasiten wenig bis gar nicht geplagt. Wird ein Igelkind aber mich reichlich Außenparasiten und sogar mit Fliegeneiern gefunden, bedeutet es immer, dass es längere Zeit NICHT versorgt wurde.


    Das dünne Igelmuttertier wird nicht mehr viel Zeit haben, ihr aufgezehrtes Gewicht aufzubessern und sich zu erholen, auch ein Igelkind mit 100g wird selbst mit Versorgung durch das Muttertier nicht vorankommen, weil alle gefressene Energie in Wärme verpufft, aber kein Gewicht produziert wird, das wiederum die Wintermonate ohne Nahrung kompensieren kann. Dann haben beide keine Chance. Wenn man den Wettervorhersagen glauben kann, tritt in diesem Jahr der Winter schon im Oktober ein und es soll ein kalter Winter werden. Sobald es richtig kalt wird, schlafen Igel ein nd dann erwischen Sie das Muttertier und das Kleine nicht mehr.


    Es ist gut, dass zwei der Kleinen in der Wildtierstation sind. Ich drücke die Daumen, dass sie es schaffen.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Frau Philips,


    Ich habe gerade in der Wildtierstation angerufen. Der kleine Herby hat es leider nicht geschafft. Er ist gestern gestorben. Der arme kleine Kerl. Da bricht einem echt das Herz, so ein kleines Kerlchen...


    Hermine, das Igelchen aus der Woche davor scheint sich gut zu entwickeln. Gott sei Dank!


    Die Mama und das dritte Igelchen waren heute Nacht auf der Wildtierkamera. Der Kleine um halb 4. Sie fressen beide wie die Scheunendrescher und der Kleine schaut auf den Fotos sehr rund aus.


    Ich werde mich jetzt auf die Lauer legen, um sie doch noch zu erwischen. Soll ich sie beide "einkassieren" oder ab welchen Gewicht/Zustand würden Sie sagen dass man sie draussen lassen kann?


    Herzliche Grüße,


    Vera Tiefbrunner

  • Liebe Frau Tiefbrunner,


    selten überlebt ein ganzer Wurf (5-6 Igeljunge) die Wochenbettzeit unbeschadet, 1-2, manchmal 3 bleiben hier schon auf der Strecke und ein einziger aus dem Wurf wird den ersten Winterschlaf antreten können und auch überstehen, so dass er weiter selbständig überlebensfähig ist. Wenn Menschen zugreifen und in Not geratenen Igeln helfen, kann es schon mal sein, dass es ein kompletter Wurf schafft. In Ihrem Fall war es bei dem Igeljungen einfach zu spät - wenn schon Maden auf dem Igel sind, ist es schon fast 5 nach 12.


    Wenn aufgenommene kleine Igel doch nach der Aufnahme sterben, kann es auch Hilfe sein - gut behütet auf einer Wärm-

    flasche einschlafen ist angenehmer, als tagelang draußen irgendwo herumzuliegen oder angeknabbert zu werden.


    Wenn das Muttertier weiterhin gut frisst, muss es auch an Gewicht zulegen - Sie sollten sie 1 x die Woche wiegen. Wenn ihr Gewicht bei 780 g stagniert, fressen Innenparasiten garantiert mit, da könnte eine Entwurmung ganz sicher helfen, die Lebenszeit etwas zu verlängern.


    Das Kleine sollte um diese Zeit 250-300g auf die Waage bringen, sonst wird es auch bei dem Kleinen eng, wir haben Ende September - es sind nur noch knappe 8 Wochen bis zum Winterschlafantritt und das natürliche Futterangebot wird immer weniger. Auch wenn Menschen Futter hinstellen, die nötigen Fett- und Kohlenhydratwerte kriegen Menschen schlecht auf den Teller gepackt. Wiegt das Kleine nur 100-150g besteht jetzt ohne menschliche Hilfe keine Chance, es auch mit einer Futterstelle draußen annähernd 450-500g Gewicht zu bringen.


    Mit vielen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Frau Philipps,


    Vielen Dank für Ihre Nachricht.


    Ja, es ist natürlich die Natur, verschärft durch den schwindenden Lebensraum. Man kann nur versuchen zu helfen so gut es geht. Trotzdem tut es mir so wahnsinnig leid.


    Was das Kind und die Mutter angeht, werde ich versuchen, sie zu erwischen und entsprechend zu handeln wie sie es beschrieben haben. Vielen Dank!


    Nur eine Frage hab ich noch... Nachdem ich vor 10 Tagen das erste Junge gefunden hatte mit 170 g, (wenigen) Fliegeneiern und ansonsten kaum Aussenparasiten und 4 Tage später das Nest mit 2 weiteren Jungen, aber auch beobachtet habe, dass die Mutter sich noch kümmert, hätte ich die Jungen trotzdem aus dem Nest nehmen und untersuchen sollen? Ich dachte, die Mutter kümmert sich und ich würde Schaden anrichten, wenn ich die Jungen rausnehme, dass die Mutter dann vielleicht das Nest wechselt oder die Jungen verläßt, wenn ich sie wieder zurücksetze. Hätte ich das Nest trotzdem untersuchen sollen?

    Nun mit dem jetzigen Wissen weiss ich, dass es ein schlimmer Fehler war, nicht einzugreifen, den ich nicht noch einmal wiederholen will, aber wo ist die Grenze?


    Vielen lieben Dank!


    Herzliche Grüße


    Vera Tiefbrunner

  • Liebe Frau Tiefbrunner,


    zu Ihrer Frage, wann man eingreifen soll - das ist immer nicht einfach, zu entscheiden.


    • Grundsätzlich ist Tagaktivität ein Grund zur Einstufung als "Notfall"
    • Grundsätzlich Igel näher anschauen außerhalb des Nestes
    • Im Nest NUR, wenn es einen Anlass zur Sorge gibt (Muttertier kommt nicht zurück, Muttertier verletzt oder krank)


    Das beste ist, wenn Sie unsicher sind, beim nächsten Mal gleich hier im Forum nochmal zu fragen.


    Liebe Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Frau Philipps,


    Ich habe heute das Igelkind aus der Wildtierstation geholt, das ich als erstes gefunden hatte, um es über ein Gehege auszuwildern. Es hat sich in 2 Wochen verdoppelt und wiegt jetzt 340 g.


    Nun meine Frage. Als ich es aus der Transportbox geholt hatte, hatte es hellgrünen schleimigen Kot abgesetzt. Kann es sein, dass das Igelchen noch nicht gesund ist? Kann ich es heute draussen lassen oder lieber doch reinholen und morgen wieder in die Station bringen? Was meinen Sie? Eine Mitarbeiterin der Station meinte, ich solle bis morgen abwarten und wenn es abgenommen haben sollte, das Igelchen wieder bringen. Dann wird es nochmal entwurmt.


    Herzliche Grüße,


    Vera Tiefbrunner

  • Liebe Frau Tiefbrunner,


    hellgrüner und schleimiger Kot kann auch von einer kürzlich beendeten Wurmkur herrühren. Jetzt stellen sich folgende Fragen,


    • Welche Entwurmungspräparate hat der Igel bekommen?
    • Wann wurden die Entwurmungspräparate gegeben?


    Auf keinen Fall würde ich diesen Igel schon im Gehege unterbringen, solch ein Kot würde das gesamte Gehege verunreinigen und massenhaft mit Parasiten und Bakterien im wahrsten Sinne des Wortes verseuchen. Sie müssten komplett den Boden austauschen, wenn Sie es jemals wieder für einen Igel o.a. benutzen würden.


    Auch sind 340 g - so erfreulich das Gewicht auch ist im Vergleich zum Fundgewicht - zu wenig für eine Auswilderung Anfang Oktober. Da sollten es schon 450-500g sein, damit es sich der Igel leisten kann, einige Gramm abzunehmen. Die Gewichtsabnahme wird schon durch das Herumlaufen und suchen nach Futter passieren.


    Hinterfragen Sie in der Wildtierstation, mit welchen Präparaten behandelt wurde und ob es ein Kotuntersuchungsergebnis gibt. Manche Auffangstationen für Wildtiere untersuchen óder lassen nicht jeden ot von Neuzugängen untersuchen (es ist ja auch eine Geldfrage), viele behandeln einfach prophylaktisch. Da wäre es gut, zu wissen, mit was.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Frau Philipps,


    Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Dann werde ich das Igelchen heute reinholen und mal sehen wie es morgen aussieht und morgen mit der Station nochmal telefonieren, um die Fragen zur Entwurmung beantwortet zu bekommen. Welche Schlüsse würden Sie daraus ziehen, wenn sie wissen, was er bekommen hat und wann?


    Die Auswilderung sollte übrigens erst noch 2 Wochen im Gehege stattfinden, so dass das Igelchen noch zunehmen kann bevor es ganz in die Freiheit geht. Dann hätte sie ca. 500 g, wenn sie weiter so zunimmt wie bisher.


    Hubsi, das dritte Igelkind, das es auch ohne menschliche Hilfe geschafft hat, hat übrigens zwischenzeitlich schon 411 g, also in 6 Tagen 120 g zugenommen. Die Mama hat heute 852 g, also in knapp 2 Wochen 70 g zugenommen. Da geht es etwas langsamer, aber sie macht einen guten Eindruck. Sie futtern jede Nacht zu Dritt (es ist noch ein weiterer Igel da) 600 g Katzenfutter mit Haferflocken, 2 Rühreier und eine Hand voll Kittentrockenfutter. Das entwickelt sich also gut.


    Vielen lieben Dank einstweilen.


    Herzliche Grüße,


    Vera Tiefbrunner

  • Liebe Frau Philips,


    Kurzes Update... nachdem der grüne Kot immer noch da ist, das Mädchen nur wenig frisst und zwischenzeitlich abgenommen hat (324 g), habe ich einen Tierarzt ausfindig gemacht, der sich mit Igeln auskennt und Kot vorbeigebracht.


    In der Wildtierstation wurde sie nicht entwurmt, weil sie dort unauffällig war und gut zugelegt hatte. Das scheint erst ausgerechnet an dem Tag umgeschlagen zu sein, als ich sie geholt habe.


    Wie Sie schon vermuteten, hat sie v.a. Kokzidien und aber auch (wenig) Haarwürmer.


    Mir wurde Cotrim K mit gegeben. Davon soll ich ihr 5 Tage lang 2 x 0.2 ml täglich gebe. Dann soll ich sie für eine Spritze gegen die Würmer vorbeibringen, dann nochmal 5 Tage Cotrim K.


    Sie wird also die nächsten mind. 15 Tagen bei mir verbringen. Erst hatte ich Bedenken, weil ich nur eine 2 Zimmer Wohnung habe und nicht wußte, wo ich sie hinstellen soll, damit sie nicht gestört wird, aber ich wollte sie nicht mehr in die Wildtierstation bringen.


    Hoffentlich wird sie nun ganz gesund.


    Herzliche Grüße,


    Vera Tiefbrunner

  • Liebe Frau Tiefbrunner,


    so ist es recht - hoffen wir, dass es noch nicht zu spät ist. Bei Kokzidien ist es immer ein Problem, wenn die Tiere weniger bis nicht mehr fressen, das Cotrim K in den Igel hineinzubekommen. Am ersten Tag wird übrigens doppelt dosiert - also 0,2 ml pro 100g Igel, dann 4 Tage 0,1/100g Igel. Den Igel unbedingt warmhalten, also Heizung an oder Wärmflasche anbieten.


    Es ist schade, dassnur nach Auffälligkeiten behandelt. Dann ist viel Zeit verloren und Rückfälle sind vorprogrammiert.

    Sind die Igel da einzeln untergebracht? Positiv ist, dass man den Igel wieder zuordnen konnte.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Frau Philips,


    Soll ich das Cotrim auf 2 Portionen aufteilen (morgens/abends) wie mir gesagt wurde oder würden Sie besser 1 x täglich (morgens oder abends) alles geben? Insbesondere jetzt am ersten Tag die ganze doppelte Menge auf einmal?


    Hermine sitzt jetzt im Käfig im geheizten Wohnzimmer. Ich lege ihr noch eine Wärmflasche hinein.


    In der Igelstation sind die erwachsenen Tiere einzeln untergebracht. Die Jungigel aber in Gruppen von 2 bis 3 Tieren, die markiert werden. Es ist eine sehr große Station. Ich weiss, dass die Pfleger dort ihr Bestes tun, aber derzeit werden sie überrannt. Deswegen habe ich mich trotz aller Unsicherheit, etwas falsch zu machen und den auch nicht ganz optimalen Bedingungen bei mir in der Wohnung, jetzt auch entschlossen, Hermine selbst zu versorgen und ich hoffe, dass ich alles richtig mache.


    Herzliche Grüße,


    Vera Tiefbrunner

  • Liebe Frau Tiefbrunner,


    Sie machen bestimmt alles richtig - bis jetzt ist alles gut!


    Eine gute Idee, gerade die doppelte Dosis Cotrim K morgens und abends aufzuteilen, das können Sie auch bei den nächsten Tagen machen, wenn die ganze Menge nicht aufgenommen wird.


    Wenn der Igel nicht frisst, wäre Futterbrei aus der Spritze gut, angereichert mit Vit. B (Komplex), die Lebenserhaltungsdosis sind 10-15 ml.


    Es ist überall in den Wildtierstationen und Igelpflegestellen so, dass es buchstäblich Igel regnet, ich kenne das seit 30 Jahren nicht anders und es wird immer schlimmer. Deshalb hatte ich ja von vornherein dafür plädiert, dass Sie den Igel nicht weggeben.


    Liebe Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!