Auswilderungsplatz ?

  • Hallo Frau Philipps,

    Sie schreiben bezüglich eines igelgerechten Auswilderungsplatzes: Viele Igelpfleger*innen haben den Anspruch, ihrem Igel einen Auswilderungsplatz ohne Straßen in der Nähe zu suchen. Zu bedenken ist allerdings, dass Igel keine Waldbewohner sind, im Wald treffen Igel zudem auch auf ihre natürlichen Feinde, wie Fuchs und Eule. Oft werden Naturschutzgebiete als igelgeeignet angesehen, das ist differenziert zu betrachten! Man sollte wissen oder hinterfragen, ob nicht Greifvögel, Marder, Fuchs & Co. schon dort wohnen. Es gibt Naturschutzgebiete mit weitläufigen Wiesen, aber ohne Sträucher und Hecken.


    Sie haben mich da etwas verunsichert. Es ist immer problematisch wo ein Igel ausgewildert werden kann. Grundsätzlich versuche ich diese wieder an den Fundort zurückzubringen. Eine Kontrolle ob der Platz igeleignet ist, habe ich ohnehin nicht und verlasse mich auf die Angaben des Finders. Selbst wenn der Garten für einen Igel geeignet ist, wäre das Umfeld auch noch mit einzubeziehen.


    Ich möchte natürlich für meine Igel auch einen schönen Platz finden und mache mir deshalb viele Gedanken. Ich habe vom Bund Naturschutz ein Grundstück mit 20,000 qm zur Verfügung gestellt bekommen. Es ist ein Mischwald mit vielen umliegenden Wiesen, Streuobstwiese und Weihern. Dort habe ich schon viele Gartenmodule wie, Steinhaufen, Totholzhaufen, Wurzeln, Laubhaufen und Käferkeller gebaut und teilweise darin Igelunterkünfte integriert. Zumindest wird dort ein Igel nicht dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. Schauen Sie bitte mal auf meine Internetseite:

    Lebensräume (tierhilfe-straubing.de)

    Dort sind einige Bilder vom Herbst 2020.

    Meine Sorge: Können Igel dort ausreichend Futter finden und wie viele Igel verträgt das Grundstück ? Insgesamt stehen zur Verfügung 20.00 qm Mischwald und etwa 6.000 qm Sreuobstwiese und ein breiter Streifen Hecke.


    Mit freundlichem Gruß aus Bayern

    und schöne Ostertage wünscht Ihnen

    Peter Druschba

    Igelhilfe Straubing

  • Hallo Herr Druschba,


    ich kenne doch Ihre Internetseite zu "Wiesenfelden", eine hervorragende Anlage ohne Zweifel.


    Grundsätzlich sollten die Igelfinder ruhig einbezogen werden, wenn die Tiere im eigenen Garten ausgewildert werden, lässt sich sehr gut vermitteln, dass Igelfinder auch etwas verbessern, aufpeppen oder noch nachpflanzen können. In Verbindung mit dem Igel ist das erfolgversprechend. Je mehr Leute so etwas machen, je besser!


    Alternativ, wenn kein Platz vorhanden ist oder der Fundort absolut nicht geht, ist Wiesenfelden eine gute Lösung, aber auch nicht für dauernd. Berücksichtigt man die geringere Lebensdauer von Igeln heute, hätte "Wiesenfelden" + Obstwiese eine Kapazität bei genau 13 Igeln für etwa 2-3 Jahre. Zu bedenken ist auch, dass sich die ausgesetzten Igel ja auch vermehren, d.h. es gibt irgendwann Jungtiere.....


    Da Sie ja in der Station viel mehr Tiere haben, als Sie aussetzen können, sollten Sie ruhig Schwerpunkte dahingehend setzen, dass die Igelfinder eingebunden und ein bißchen gefordert werden, etwas zu unternehmen, denn von nichts kommt nichts und es kann ja nicht sein, dass Gartenbesitzer dauernd mit Katzenfutter nachfüttern müssen. Fühlen Sie den Igelfindern ruhig auf den Zahn, dass sie auch etwas tun müssen (schließlich haben Sie fast 1/2 einen anspruchsvollen Job gemacht und den Igelfindern schon sehr viel Arbeit abgenommen). Das kann man ruhig deutlich ansprechen und das Gewissen berühren.


    Man geht davon aus, dass 2000qm Grünfläche (nicht nur Rasen natürlich) für einen einzigen Igel ausreichen, damit er sich selbstndig ernähren kann. Jede Schnecke, jeder Regenwurm muss ja nachproduziert werden....das braucht alles seine Zeit.


    Es wird nie einen sicheren Platz für Igel geben, entweder sind Autos eine Gefahr, Gartengeräte oder andere zahlreiche Unfallgefahren in menschlicher Nähe, abseits von Straßen sind es natürliche Feinde, wie Eule, Dachs und Fuchs, Marder .... Diese ursprünglichen Lebensräume werden immer kleiner, sorgen wir also dafür, dass die Haus- und Kleingärten aufgewertet werden.


    Liebe Grüße und auch Ihnen schöne und vor allem ruhige Ostertage (ohne stachelige Notfälle)


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Hallo Frau Philipps,

    danke für die Antwort. Als erstes werde ich natürlich alle Igelfinder anrufen und die abgegeben Igel wieder zurückgeben. Es wird auch vorkommen, daß ein Igelfinder zwei Igel nimmt. So gesehen werden viele Igel in einem Privatgarten ausgewildert. Ich habe auch viele Adressen von Grundstücksbesitzern die einen oder zwei Igel aufnehmen werden.


    Ich möchte halt, daß es den Igeln, die ich nach Wiesenfelden bringe, auch weitgehendst gut geht und sie sich selbstständig ernähren können. Mehr als 10 Igel würde ich ohnehin nicht nach Wiesenfelden bringen. Meine Igel liegen mir halt sehr am Herzen und ich möchte daß sie ein igelgerechtes Leben haben. Deshalb meine Sorge.


    Ich arbeite eng mit dem Hortus-Netzwerk zusammen und die Gartenbesitzer sind sehr aufgeschlossen bezüglich eines igelfreundlichen Gartens.


    Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend

    Peter Druschba

    Igelhilfe Straubing

  • Hallo Herr Druschba,


    dass Sie mit dem Hortus-Netzwerk zusammenarbeiten, ist schon eine prima Sache. Wenn es mal ganz eng wird und zu viele Igelfinder ihre Tiere nicht wieder zurücknehmen, könnte ein vorsichtiger Aufruf in der Zeitung oder bei Facebook helfen, gute Plätze zu finden. Alternativ geht auch eine kleine Annonce (die allerdings wieder Geld kostet). Im Text sollte gleich, um Missverständnissen vorzubeugen, stehen, wie ein igelfreundlicher Garten auszusehen hat (besonders bei kleinen Gärten: durchlässige Zäune, heimische Sträucher, Hecken, Bäume, Wasserstellen, bei vorhandenen Teichen eine flache Uferzone oder eine Rettungstreppe, kein Gifteintrag im Garten, Igelunterschlupfmöglichkeiten wie Holzschober, Reisig- oder Asthaufen, im Herbst Blätterhaufen - alternativ künstliche Igelunterschlüpfe und in den ersten 1-2 Wochen Futterstelle.


    Viele Ostergrüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • noch eine Ergänzung:


    Wenn Sie neue Igelpaten mit Auswilderungsmöglichkeit (Haus- oder Kleingarten) gefunden haben, die "neu" in der Igelscene sind und ihren Garten noch igelgerecht aufwerten möchten, ist es immer gut, Anregungen, Broschüren oder Empfehlungen parat zu haben, um sie mitzugeben.


    Hier bietet es sich an, auf folgende Links zu verweisen:


    https://hortus-netzwerk.de/selber-machen/


    https://www.pro-igel.de/produk…ten-igelwissen-kompakt-7/



    Noch besser ist natürlich das Ganze fix und fertig auf Papier, die sehr gut gestalteten Hortus-Broschüren inkl. Bauanleitungen kosten ca. € 3,-- + Porto. die Sie sich bei Interesse evtl. auch wiedergeben lassen könnten. Vielleicht überlässt man Ihnen einen Schwung dieser Broschüren in Kommission - es wäre eine Anfrage wert (baudirnatur@gmx.de).


    Das kleine von Pro Igel herausgegebene Büchlein "Igelfreundlicher Garten" ist für € 5,-- zu bekommen, bei Abnahme von mehr Exemplaren gibt es sicher auch Rabatt (zu erfragen: verlag@pro-igel.de).


    Viele Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

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