igel atmet schwer,

  • Hallo Forum, einer meiner Igel, 660 Gramm, sollte längst in den Winterschlaf gehen. Es war immer problemlos und wurde mit 235 Gramm abgegeben. Seit geraumer Zeit aber atmet er sehr schwer. Die letzten 5 Tage hat er Flubenol und Bisolvon erhalten. Was könnte ich tun um ihm seine Atmung zu erleichtern und was könnte die Ursache sein ? Ansonsten macht der Kleine einen fitten Eindruck.


    Schönen Gruß aus Straubing

    Igelhilfe Straubing

    Peter Druschba

  • Hallo Herr Druschba,


    gab es für den Igel, bevor er Flubenol und Bisolvon bekam, noch andere Medikamente außer Flubenol und Bisolvon? (z.B. Levamisol).


    Kann ausgeschlossen werden, dass ein Fremdkörper im Hals steckt? Frisst der Igel normal und gut?


    Manche Igel werden kurz vor Winterschlafantritt (auch im Warmraum!) so müde,dass die Atmung schon langsamer wird - das ist natürlich nicht zu verwechseln mit einem Krankheitssymptom. In dem Fall müsste aber ein Igel alle paar Stunden wechselweise kalt und warm werden. Hier bitte alle paar Stunden die Bauchdecke mit der warmen Hand fühlen, ob sie nicht deutlich kühler ist. Ist die Winterschlafbereitschaft auszuschließen:


    Wenn es kein Kotuntersuchungs-Ergebnis gibt, würde ich das jetzt schnell nachholen (d.h.: 3 Tage Kot sammeln und ins Labor).


    Wenn es um "schwer atmen" geht, hat es meist mit der Lunge zu tun. Wenn der Igel auf den Rücken gelegt in Ihrer Handfläche liegt, spüren Sie ein feuchtes Rasseln? Wenn ja, sollten Sie die Medikation wie im Fachbuch "Igel in der Tierarztpraxis" aufgeführt, mit einem Sulfonamid (Cotrim K) oder einem Breitband Antibitotikum (Baytril 2,5 %, Duphamox LA oder Synulox RTU) fortsetzen und als Begleittherapie weiterhin Bisolvon geben.


    KU-Ergebnis abwarten und danach ggfs. weiter behandeln.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Hallo Frau Philipps,

    danke für die Antwort. Ausser schwer atmen ist mir bei dem Igel nichts aufgefallen. Ich kann ihn weiter behandeln nach Ihrem Vorschlag, aber es ist Mitte Januar und ich würde den Igel gerne in den Winterschlaf bringen. Das Gewicht wäre ja in Ordnung. Ich werde den Igel weiter beobachten und Kot sammeln. Das würde für den Kleinen aber bedeuten, daß er erst Ende Januar, Anfang Februar schlafen gehen kann ?


    Medikamente, Concurat, Bisolvon, Kotrim K hat er bereits erhalten. Flubenol und Bisolvon hat er letztmals vom 7.1. bis 11. 1. bekommen.


    Gruß aus Straubing

    Igelhilfe Straubing

    Peter Druschba

  • Hallo Herr Druschba,


    einen schwer atmenden Igel würde ich nicht in den Winterschlaf schicken, da spielt das Gewicht keine Rolle.


    Da bis zum 11.1. (also bis vorgestern) Flubenol gegeben wurde, kann es sein, dass die Symptome damit zusammenhängen. Auf jeden Fall sollte der Igel bis zum Winterschlafantritt Bisolvon bekommen.


    Wenn die Kotuntersuchung keinen oder nur geringgradigen Befund zeigt und der Igel immer noch schwer atmet, sollte - vielleicht auch nach tierärztlicher Abklärung - ein Breitbandantibiotikum in Erwägung gezogen werden.


    Zur Erleichterung der Atmung und bis zur weiteren Medikation lt. Tabelle 6.1.1.3.2 gern einen Aufguss mit

    • Emser Sole Lösung,
    • Pinimenthol oder
    • Bronchoforton machen

    und die heiße Schale so platzieren, dass sie nicht in Berührung mit dem Igel kommt. Muss mehrmals täglich aufgefrischt werden.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Hallo Frau Philipps,

    ich habe da einen INQUA INHALATOR mit einer Box. Werde den Igel da mal reinsetzen. Muss nur eine Wärmedecke oder Wärmflaschen reinlegen, damit es dem Igel nicht zu kalt wird. KU werde ich veranlassen.


    Schönen Gruß

    Peter Druschba

    Igelhilfe Straubing

  • Hallo Herr Druschba,


    das ist eine gute Idee, gut, dass Sie den Inhalator haben. Wenn Wärmflasche oder Wärmedecke - immer Handtuch noch drauflegen.


    Kriegt der Igel denn über seine Nase Luft? Kommt Sekret aus der Nase (gelb, grün, weiß)? Wenn die Nase zu ist, könnten Sie Otriven Nasentropfen für Kinder in jedes Nasenloch träufeln.


    Wie schon geschrieben, diese Maßnahmen lindern nur, Ziel muss sein, die Ursache des schweren Atmens in den Griff zu bekommen.


    Mit vielen Grüßen


    Heike Phlipps


    http://www.pro-igel.de

  • Danke Frau Philipps,

    ich werde morgen in die Apotheke gehen und die Medikamente besorgen. Dieser Igel ist aussergewöhnlich - offen, weich, zutraulich, lässt sich gerne den Bauch streicheln und hat immer die Augen weit geöffnet. Anfänglich dachte ich, der Igel hätte etwas an den Augen, da diese sehr rund und immer weit offen waren. Aber dem ist nicht so.


    Einen schönen ruhigen Abend

    Peter Druschba

    Igelhilfe Straubing

  • Hallo Herr Druschba,


    sehr zugängliche und zahme Igel sind entweder zahm, weil sie schon längere Zeit Menschenhände gewöhnt sind.


    Zugänglichkeit und extreme Zahmheit haben auch extrem kranke Igel an sich. Wenn nun dieser Igel "aus der Reihe" tanzt, wäre ein Termin in einer Tierarztpraxis, die viel Erfahrung mit Igeln hat, mehr als sinnvoll und für das Tier schneller hilfreich. Vielleicht ergibt eine Röntgenaufnahme, eine Untersuchung mit Ultraschall schon etwas, was man von außen nicht sieht.


    Auf der Deutschlandkarte mit Igelpflegestellen ist unter einer 94.... Postleitzahl eine Station genannt, vielleicht könnten Sie diese Dame telefonisch kontaktieren und nach einer igelkundigen Tierarztpraxis im Umkreis befragen:


    https://www.pro-igel.de/karte-mit-pflegestellen/


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Hallo Frau Philipps,

    die Igelstation 94... kenne ich und habe auch Kontakt dazu. Einen interessierten, igelkundigen Tierarzt, noch dazu in der Nähe, zu finden ist die Suche der berühmten Stecknadel im Heuhaufen. Tierärzte sind Unternehmer und wollen Geld verdienen. Igel bringen zu wenig Mäuse und zu viele Flöhe in die Praxen.

    Dem schwer atmenden Igel geht es mittlerweile besser. Ich habe auch in die Box mit meinem Vernebler mehrmals Kochsalzlösung verwendet. Nächste Woche geht er in den Winterschlaf, dann hat er seit 6 Tagen auch kein Flubenol mehr bekommen.


    Mit herzlichen Grüßen und vielen Dank für Ihre Hilfe

    Peter Druschba

    Igelhilfe Straubing

  • Hallo Herr Druschba,


    das Inhalieren wird für den Moment die Atmung erleichtern, aber die Ursache nicht beheben.


    Wenn Sie den Vernebler in 3-4 Tagen absetzen und der Igel wieder schwer atmet, kann er auf keinen Fall in den Winterschlaf. Da der Igel an Antiparasitika alles bekommen hat, bliebe nur noch ein Breitbandantibiotikum als Behandlungsalternative.


    Auf jeden Fall sollte ins Futter als Begleittherapie Bisolvon.


    Sie haben schon recht mit den igelkundigen Tierärzt*innen, die fallen allerdings nicht vom Himmel. Tierärzt*innen, die jahrelang mit Igelstationen zusammenarbeiten, sind igelkundig - das Zusammenspiel: Igelpflegestelle + Veterinär'in macht die perfekte Behandlung eines Igels aus. Natürlich können Tierarztpraxen nicht umsonst behandeln, sie sind zudem seit einigen Jahren verpflichtet, nach dem TÄ-Honorarkatalog auch beim Igel danach abzurechnen.


    Liebe Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Hallo Frau Philipps,

    warum sollte ein TA einen Igel nicht umsonst behandeln ? Ein TA sieht einen Igel lediglich für 10-20 Minuten. Igelstationen betreuen die Tiere oft monatelang, 24 Stunden am Tag und tun dies alles ehrenamtlich. Alle Kosten, alle Sorgen, alles Leid wird auf die Igelstationen übertragen. Warum soll ein TA auch noch an einem bedrohten, in Not befindlichen Igel Geld verdienen ? TÄ nagen doch offensichtlich nicht am Hungertuch.


    Herzlichen Gruß

    Peter Druschba

    Igelhilfe Straubing

  • Hallo Herr Druschba,


    das ist alles schon durch, Hunderte Igelstationen, die 30-40 Jahre ehrenamtlich nicht nur geschuftet, sondern auch alles privat finanziert haben.


    Dass Tierarztpraxen bei Igeln auch nach dem Honorarkatalog abrechnen müssen, gibt die Bundestierärzekammer Berlin vor. Man kann andererseits auch von Tierarztpraxen nicht erwarten, dass sie umsonst behandeln; sie sollten GUT FÜR IGEL sein, dann hat das Honorar auch seinen Wert.


    Was die Finanzierung der Wildtierschutzarbeit angeht, sind eher die Bundes- oder Landesregierungen in der Pflicht. Viele Bundesländer haben nicht einmal eigene Wildtier- oder Auffangstationen. Bei Förderanfragen von Vereinen oder größeren Stationen hieß immer, die Kassen seine leer... es gäbe schon genügend Auffangstationen... Es ist ein Politikum. Für Proteste haben ehrenamtliche Wildtierschützer*innen keine Zeit, sie sind nicht präsent - wir sind im Hamsterrad und wir wissen, wenn wir aufhören, plagt uns das Gewissen.


    Andererseits ist in der Politik längst durchgesickert, dass diese Wildtierhilfe auch ehrenamtlich bestens funktioniert.


    Mit lieben Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

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