Igel wieder aussetzen?

  • Hallo liebe Experten,


    wir haben Mitte Dezember einen Igel im Garten gefunden, der nicht wusste, wohin. (Nachbars Garten ist seit kurzem eine Baustelle, wahrscheinlich kommt er von dort).


    Sein Gewicht war 450 gr.


    Nach einem Tierarztbesuch ist er mittlerweile entwurmt und von Ungeziefer befreit.

    Er hat im Keller eine 2 m² große Box (Boden ist isoliert).


    Mittlerweile sind fast 4 Wochen vergangen, dem Igel scheint es gut zu gehen und er hat auch fleißig zugenommen (jetzt bei knapp 600 gr.)


    Jetzt unser Dilemma:

    Viele Ratgeber widersprechen sich komplett, was jetzt zu tun ist. Manche empfehlen, ihn im geschützten und warmen Keller überwintern zu lassen (ohne Winterschlaf) - andere Seiten sprechen dabei von Tierquälerei und meinen, der Igel gehört raus in den Garten mit Häuschen und Nistmaterial, damit er eine Chance hat, in seinen Winterschlaf zu gehen.


    Wie ist denn Eure Einschätzung bzw. was ist Eure Empfehlungen?


    Danke und Grüße

    Fabio

  • Sehr geehrter Igelfreund Fabio,


    zunächst einmal DANKE für Ihren Einsatz! Eine einfache Baustelle kann einem Igel schon das Leben schwer machen und Sie haben die Situation anscheinend beherzt entschärft. Sie haben den Igel bis jetzt soweit gebracht, das ist lobenswert. Dann wäre es für den Igel schön, wenn Ihre Aktion auch gut zu Ende gebracht wird.


    Das bedeutet, dem Igel sollte ein Winterschlaf ermöglicht werden. Winterschlaf gehört zum Biorhytmus eines Igels, der Körper braucht diese Pause und dazu braucht er eben ausreichendes Gewicht und einen möglichst kühlen Raum, der annähernd Außentemperaturen hat. Zunächst ist zu klären, ob es ein Jungtier oder ein Alttier ist. Wenn Sie ein Jungtier haben, wären 650g ausreichend, um das Tier von einer Stunde zur anderen in einen kalten Raum zu bringen (nutzen Sie die Kälte, die momentan herrscht), stellen Sie dann auch sofort das Futter um: max. 1 Essl. Trockenfutter - kein Nassfutter mehr.


    Auf keinen Fall wäre das Tier jetzt noch auszusetzen, das kann man im November noch machen, aber nicht, wenn draußen Winter ist. Es sollte schon ein kontrollierter Winterschlaf sein in einem Karton, einer Box o.ä. und einem Winterschlafhaus, das etwas größer sein sollte, als das jetzige.


    Zu Ihrer Beschreibung noch folgende Anmerkungen bzw. Fragen:


    Wenn der Igel vor 4 Wochen 450g wog und jetzt 600g auf die Waage bringt, hat er in 4 Wochen 150g zugenommen, das ist nicht viel und liegt vielleicht

    • an zu kühlen Temperaturen im Keller,
    • an zu wenig Futter
    • oder es sind noch Innenparasiten da, die sozusagen mitfressen und den Igel daran hindern, zuzunehmen.

    Wie ist die Temperatur im Keller - bitte messen Sie da, wo der Igel auch steht. Ein Igel, der im Warmraum gepflegt wird, braucht gut 18-20°C Umgebungstemperatur (am Boden ist es ohnehin kühler).


    Was bekommt der Igel zu fressen?


    Welche Entwurmungspräparate hat der Igel bekommen, ist der Kot normal fest geformt, hustet oder rasselt der Igel nicht, frisst er gut oder eher nicht so gut?


    Bevor wir jetzt entscheiden, wann und wo der Igel in den Winterschlaf geht, wäre es schön, wenn wir die offenen Fragen noch klären könnten.


    Wenn noch Fragen sind, melden Sie sich gerne wieder.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de


  • ...noch eine Ergänzung:


    Ich sehe gerade, Sie kommen aius dem Stuttgarter Raum. Es gibt in Baden Württemberg den "Igelschutzverein Stuttgart und Umgebung", der hervorragende Arbeit leistet. Sollten Sie evtl. über keinen kühlen Raum verfügen (z. B. Gartenhaus, Balkon, Terasse) kann vielleicht eine der angeschlossenen Igelstationen des Vereins helfen.

  • Liebe Heike,


    erst einmal vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und die ersten Tipps.


    Zu Ihren Fragen folgende Informationen:

    • Wegen der geringen Gewichtszunahme des Igels: Diese hat in der Woche, in der er die Wurmkur bekommen hat, komplett pausiert. Er hat zwar sein Feuchtfutter mit der Arznei gegessen, aber mehr nicht. Der Tierarzt hat uns auch vorab darauf hingewiesen, dass das so kommen kann. Seit dem Ende der Wurmkur nimmt er aber wieder deutlich und kontinuierlich zu.
      • Wir gehen daher davon aus, dass es ihm aktuell gut geht und ihm keine Parasiten zu schaffen machen. Auch hustet er mittlerweile nicht mehr (was er vor dem Tierarztbesuch noch gemacht hatte).
    • Das Wurmkur-Mittel haben wir in einer aufgezogenen Spritze erhalten. Handschriftlich steht da "Panacur 10%" drauf.
      Gegen die Flöhe gab es ein rein natürliches Spray vom Tierarzt.
    • Wir füttern ihn aktuell mit 1-2 Packungen Feuchtfutter am Tag (Igelmenü von Vitakraft), Trockenfutter (ebenfalls von Vitakraft für Igel) und Wasser steht immer bereit.
    • In Sachen Jungtier... puh, gute Frage. Wir sind von einem Jungtier ausgegangen, da er im Vergleich zu den anderen Igeln, die uns regelmäßig im Sommer im Garten besuchen, ein Winzling ist. Genau wissen wir es aber nicht (auch der Tierarzt ist darauf nicht eingegangen).
    • Die Temperatur im Keller ist bei uns gleich der Wohnraumtemperatur, also ca. 20 °C. Unter den Holzböden seiner Box haben wir Styropor-Platten gepackt, in seinen Häuschen liegen noch Handtücher und Zeitungen zum einkuscheln.

    Einen kühlen Raum haben wir nicht, außer der Garage (ohne Auto und sehr ruhig), in der er zwar vor der Witterung geschützt wäre, nicht aber vor den kalten Temperaturen. Ein kleiner Ein- und Ausgang zwischen Garten und Garage steht immer offen.


    Wir stehen also vor der Frage, wie wir dem Igel jetzt noch einen geeignete Winterschlafmöglichkeit bieten und wie wir den Igel überhaupt dazu bringen können, falls das im Januar noch sinnvoll ist.


    Lieben Dank für Ihren Igel-Einsatz und viele Grüße

    Fabio


    PS: Gerne würden wir den Igel im Frühjahr wieder in unserem Garten aussetzen, aber wenn wir keine artgerechte Haltung für den Winter bieten können, ist der Igelschutzverein Stuttgart natürlich eine gute Option.

  • Lieber Igelfreund Fabio,


    vielleicht könnten Sie dem Futter etwas vom hochwertigen Öl dazugeben, z.B. natives Olivenöl, Leinöl, Maiskeimöl, Kokosöl. Igel brauchen essentielle Fettsäuren und sowohl in Feucht- und Igeltrockenfuttersorten ist dieser Gehalt nicht genügend oder gar nicht vorhanden. Gerne darf der Igel auch mal ein in der Pfanne und in Öl gestocktes Rührei und/oder gestocktes Rindertartar (abkühlen lassen!).


    Wäre schön, wenn der Igel noch auf 650-680g kommt, anschließend könnte er mit samt seiner Box in die Garage umziehen, keine Angst vor kalten Temperaturen: Der Igel braucht Kälte zum Schlafen!!!! Trotzdem muss sein Schlafhaus etwas größer ausfallen und gut gefüllt sein (gerne mit Papierschnipseln, geknülltem Papier und oder nur Stroh). Deshalb gut und dick befüllt, damit der Igel vor Temperaturschwankungen geschützt ist, also nicht im Februar bei Sonnenschein immerzu wieder aufwacht.


    Wenn die Baustelle sich in der Nachbarschaft beruhigt hat, spricht doch nichts dagegen, den Igel in Ihrem Garten wieder auszusetzen. (Ist Ihr Garten schööööööööön für Igel??????? Wenn nicht, könnten Sie ja im zeitigen Frühjahr noch ein wenig nachhelfen, z.B. mit einer kleinen Hecke, ein paar Wildsträuchern....).


    Wenn Sie noch Fragen haben, melden Sie sich gerne wieder.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Heike,


    besten Dank für Ihre Ratschläge. Wir werden dem nachkommen und dem Igel ein schönes Quartier in der Garage bauen, wenn er das entsprechende Gewicht hat. Dort ist es leise und wir gehen davon aus, dass er dort gut durchschlafen kann.


    Letzte Frage: Damit der Igel nach seinem Umzug in seinen Winterschlaf findet, werden wir dann die Feuchtnahrung einstellen und nur noch wenig Trockenfutter bereitstellen (natürlich immer mit ausreichender Trinkmöglichkeiten).

    Ist das richtig?


    Danke nochmals für Ihre Hilfe aus der Ferne, den Igel freut das bestimmt..!


    Viele Grüße

    Fabio

  • Lieber Igelfreund Fabio,


    das ist so richtig - wenn der Igel mit dem Gewicht soweit ist, dass er schlafen gehen kann, sollten Sie eine möglichst niedrige Außentemperaturphase abpassen und den Igel von 20°C auf 0°C setzen und mit dem Tag auch nur max. 1 Essl. Trockenfutter und Wasser hinstellen. Wichtig ist, dass das Schlafhaus so fest eingekeilt ist, dass ein Igel es nicht umwerfen oder verschieben kann. Wichtig ist auch, dass der Igel aus seinem Gehege nicht raus kann - also festsetzen, wie im Warmraum. Wenn Sie einen Karton oder eine Holzkiste haben, können Sie diese auch als Winterschlafgehege verwenden.


    Igel fallen nicht gleich um, das dauert einige Zeit, eine Woche sollten Sie schon warten. Wenn der Igel nicht schläft, nur randaliert und auf Futter wartet, melden Sie sich nochmal bitte.


    Sonst natürlich auch, wenn Sie noch Fragen rund um den Igel und seinen Lebensraum haben.


    Viele Grüße


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

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