Jungigel verhaltensgestört

  • Hallo zusammen,


    wir haben seit 2 Wochen einen Jungigel in Pflege, welchen wir halb erfroren tagsüber zwischen unseren Pferden gefunden haben. Damals wog er 140 g und war sehr apathisch. Keinerlei Fliegeneier, nur ein paar Flähe, die wir per Hand eliminiert haben. Da alle Igelstationen in unserer Umgebung voll waren, haben wir von der Igelhilfe genaue Instruktionen bekommen und diese auch befolgt. Großer Pappkarton mit Schlafhäuschen, Kittennassfutter und Wasser. So hat er die erste Woche in einem leerstehenden Zimmer bei uns gelebt und täglich auch etwas zugenommen. Dann fing er an im Karton zu randalieren, deswegen haben wir ihm nach einer Woche in unseren Vorraum zwischen Keller und Garten (Tageslicht) ein ca. 4 qm Gehege gebaut, dieses mit seinem Schlafhäuschen, einer Kiste mit trockenem Laub und einer ausgestochenen Grassode ausstaffiert. Leider ist er hyperaktiv, läuft Achten, ist manchmal morgens um 8 noch draußen und die Bahnen, die er läuft, sind blutig (mal mehr, mal weniger). Ansonsten ist er hellwach, feuchte Nase, nimmt stetig etwas zu (wir sind jetzt bei ca. 280 g). Ich habe ihm die Pfoten mit Zinksalbe eingeschmiert, das klappte ganz gut. Ich denke, er fühlt sich absolut unwohl in Gefangenschaft, aber zum Auswildern ist er doch noch viel zu leicht? Was kann man tun? Wir wohnen in NRW, und heute Nacht war es 6 Grad kalt.


    Liebe Grüße

  • Liebe Igelfreundin Lilla15,


    es ist zu vermuten, dass "Ihr" Igel nicht verhaltensgestört ist, sondern zu den Igeln gehört, die als sog. "Renner" in der Igel-Literatur auftauchen.


    Zunächst einmal wäre es nur gut, den Igel wieder ins Haus zu holen, bei den Nachttemperaturen wird der Igel zu langsam zunehmen und wahrscheinlich nicht vor Wintereintritt noch in die Freiheit können. Darauf sollten wir aber unbedingt hinarbeiten - für den Igel ist die Freiheit das beste, was man ihm geben kann. Dazu muss er allerdings genügend Gewicht haben und gesund sein. Im Karton sollte unter dem Zeitungspapier ein altes Handtuch gelegt werden, damit der Untergrund weicher ist. Da, wo die ACHT gelaufen wird, Hindernisse z.B. Ast o.ä. hinlegen. Nur mit Papier arbeiten, keine Blätter, kein Moos.


    Sie schreiben, dass Sie den Igel 14 Tage haben, bei einer Gewichtszunahme von 140 g wären das pro Tag 10 g - das ist viel zu wenig, hängt vermutlich mit der geringen Umgebungstemperatur zusammen. Unser Ziel sollte sein: 450g, um noch vor Wintereintritt rauszukönnen.


    Für mich sind folgende Fragen offen:

    • Ist irgend eine Medikation (z.B. Entwurmung) erfolgt? (Wenn ja, welche und wann?)
    • Wurde der Kot im Labor untersucht? (Wenn nicht, dann bitte den Kot von 3 Tagen sammeln, ins Schraubglas und in der Tierarztpraxis abgeben)
    • Kratzt sich der Igel mehr als normal?
    • Was füttern Sie genau?

    Dann stimmen wir die weitere Vorgehensweise ab.


    Vermutlich wird sich im Ergebnis der Kotuntersuchung eine Teillösung finden. Haben Sie eine igelkundige Tierarztpraxis in der Nähe - evtl. könnten Sie eine solche in einer der umliegenden Igelstationen erfragen, diese werden ja auch mit Tierärzt*innen zusammenarbeiten.


    Auf jeden Fall sollten Sie "Ihrer" Tierarztpraxis das Fachbuch "Igel in der Tierarztpraxis" empfehlen, das im WebShop bei Pro Igel bezogen und online gelesen werden kann. (http://www.pro-igel.de).


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de


  • Hallo und danke für die Antwort. Der Igel war eine Woche bei Zimmertemperatur in einem Karton. Jetzt ist er in dem Vorraum, der immer ungefähr 10 Grad hat. Der komplette Auslauf ist mit Zeitung ausgelegt, die Kisten mit Laub und Gras haben wir erst gestern Abend dazu gestellt. Hindernisse werden stets so umlaufen, hin ... Achse kehrt, andere Seite das Gleiche. Das macht für mich doch einen sehr gestörten Eindruck. Nimmt Man das Hindernisweg, läuft er enge Achten an der Wand. Mir wurden von mehreren Seiten gesagt, dass 10 g pro Tag gut wären, da ansonsten die Gefahr besteht, dass das Stachelkleid zu Licht wird. Er bekommt Kittennassfutter mit 70 % Fleischanteil, dann noch etwas Kalk, Ganz wenig Haferflocken und alle 2 Tage ein Rührei. Futtermenge langsam steigernd (aktuell ca. 60 g). Kratzen tut er sich überhaupt nicht. Kot wurde nicht untersucht, er macht kleine feste Würstchen. Ein paar Tage war der Kot weicher, da gab es nach Profianweisung etwas schwarzen Tee und dann war es wieder gut. Aber kann ja noch nachgeholt werden.


    Liebe Grüße

  • Liebe Igelfreundin Lilla15,


    die Umgebungstemperatur muss dringend erhöht werden - 10° C sind definitiv zu wenig. Es kann durchaus sein, dass die viel zu niedrige Temperatur die Unruhe produziert. Ein Igel in dieser Größenordnung braucht Zimmertemperatur, mindestens 18-20°, lieber ein paar Grad mehr als weniger.


    Das Futter muss angereichert werden, Rührei ist o.k. alle 2 Tage, gern darf gebratenes Rinderhack (Tartar), etwas Weizenkleie UND Maiskeimöl oder Olivenöl, Hanföl, Leinöl dazugeben bzw. Rührei oder Rinderhack darin kurz anbraten und stocken lassen. Sie können unter das Ganze auch das Kittennassfutter untermischen. Das Gewicht darf und muss pro Tag 20-30g sein. Wenn die Umgebungstemperatur warm genug und das Futter reichhaltig genug - vorausgesetzt, es sind keine Parasiten im Kot (auch das kann Unruhe produzieren) - könnte das Tier in 10 Tagen raus, Ende Oktober wäre das eine gute Zeit.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Liebe Igelfreundin Lilla15,


    eines habe ich noch vergessen: Wegen des momentanen Kälteeinflusses aus dem Norden würde ich grundsätzlich Igelgehege nicht auf den Fußboden stellen (Kälte fällt immer nach unten - auf dem Fußboden sind die Temperaturen immer ein paar Grad niedriger als in der Mitte oder unter der Decke). Vielleicht können Sie den Igelkarton auf einen Tisch stellen? Trotzdem muss der Raum geheizt sein, in dem der Igel untergebracht ist. Ein dickes Einpacken hilft nichts, der Igel verbraucht zuviel Energie für die Wärmeproduktion und kann nicht alles Futter in Gewicht umsetzen, was aber jetzt gewünscht ist.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de



    P.S. Vorsichtshalber sollten Sie im Garten schon ein oder mehrere Winterschlafunterkünfte herstellen. Das ist schnell gemacht: Einfach Blätter-, Reisig- oder Asthaufen in einer ruhigen Ecke aufschichten, gerne 1 m hoch!


    Eine Holzobstkiste auf den Kopf gestellt geht auch. Oben Dachpappe drauf und eine Tür von 8 x 8 cm einsägen, mit Blättern füllen.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!