Jungigel 218g weiter zufüttern?

  • Guten Abend,


    ich habe vor einigen Tagen tagsüber einen kleinen Igel in unserem Garten gesichtet und daraufhin abends angefangen Futter rauszustellen (hochwertiges Katzenfutter, Hack, Ei etc.). Die nächsten Tage habe ich ihn tagsüber nicht mehr gesehen, abends jedoch regelmäßig, einmal auch einen großen. Heute haben der Große und der Kleine einträchtig nebeneinander gefressen. Heißt das, dass es Mutter und Kind sind?? Als er einen Ausflug auf die Terrasse gemacht hat , ist mir dann auch endlich gelungen ihn einzufangen und zu wiegen. Er bringt 218g auf die Waage, hat Knopfaugen und ne feuchte Nase, Geschlecht konnte ich nicht bestimmen, da er sich fest eingerollt hat.

    Wie soll ich weiter vorgehen? Weiterhin zufüttern? Welche Mengen? Wir wohnen am Ortsrand, Felder und eine unordentliche Kleingartenanlage ganz in der Nähe - also eigentlich ein brauchbares Igelumfeld.


    Vielen Dank für die Unterstützung!

  • Sehr geehrte/r Igelfreund/in MiriV,


    um einzuschätzen, ob 218g noch im grünen Bereich liegen (wir haben ja fast Mitte Oktober), wäre es gut zu wissen, in welchem PLZ-Bereich Sie wohnen. Es ist in Deutschland witterungsbedingt unterschiedlich, wann die Winterschlafzeit und die Nest-Vorbereitung dafür beginnt. Wenn dieser Igel regelmäßig die Futterstelle besucht, wäre es gut, ihn auch in regelmäßigen Abständen zu wiegen, ob das angebotene Futter auch Gewicht bringt. Dabei ist zu bedenken, dass die schon sehr kühlen Nächte auch Energie und Gewicht rauben, d.h. die Gewichtszunahme wird immer langsamer, je weiter die Jahreszeit fortschreitet. Das ideale Gewicht für Jungtiere zu Beginn des Winterschlafs sind 500g, etwas weniger ist auch vertretbar - Winterschlafbeginn je nach PLZ-Bereich spätestens Anfang Dezember. Sie sehen als, dass "Ihr" Igel das Gewicht mehr als verdoppeln muss.

    Reichern Sie das Futter noch an mit z.B. Weizenkleie und etwas Maiskeimäöl, Olivenöl oder Hanföl.

    Es kann durchaus auch sein, dass sich noch Geschwisterigel an der Futterstelle einfinden, dann die Futtermenge erhöhen.


    Gut wäre es, wenn Sie in Ihrem Umfeld eine sichere Winterschlafunterkunft anbieten, das kann ein umgedrehter, ausgedienter Einkaufskorb mit Blättern gefüllt sein, ein Blätter-, Reisig- oder Asthaufen mit gerne 1m Höhe, auch geht eine umgedrehte Obstkiste mit Dachpappe drauf und einem Eingang von 8 x 8 cm. Sie finden im WebShop von Pro Igel einiges Informationsmaterial und weitere Ideen und Vorschläge für künstliche Unterkünfte für Igel.


    Um zu beraten, was für den Igel am besten ist, warte ich jetzt Ihre Antwort ab (PLZ).


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de


  • Liebe Heike,


    vielen Dank für die Antwort. Wir wohnen in Bayern, PLZ 850xx.

    Weizenkleie und Öl hab ich schon immer mit ans Futter gemacht, wir haben vor 3 Jahren schon mal einen Igel aufgepäppelt und überwintert, daher wusste ich das noch. Ich werde mich bemühen den Kleinen regelmäßig zu wiegen, allerdings ist er (oder sie) sehr schüchtern und beim Fressen im Garten sofort wieder unter der Hecke verschwunden sobald man sich nähert. Und ich will ihn ja auch nicht unnötig stressen und evt. vertreiben in dem ich ihm da ständig auflauere.


    Aktuell habe ich immer gute 100g Futter rausgestellt - der Napf war morgens immer leer geschleckt. Da ja wohl auch ein Alttier mitfrisst die Menge erhöhen, oder?


    Viele Grüße

    Miriam

  • Ergänzung: heute war zuerst der Große da und hat reichlich zugeschlagen. Den konnte ich (vorm fressen) auch wiegen und der bringt immerhin 1025g auf die Waage, hätte also eine Zufütterung gar nicht nötig. Aber wie kann ich steuern, dass der Kleine genug bekommt? Oder einfach hoffen, dass der Große was übrig lässt oder bald schlafen geht?


    Noch eine Frage zu den Schlafhäusern: die müssten wir am anderen Ende des Gartens aufstellen, damit genug Ruhe, ich weiß aber nicht, ob die Igel die da finden, da es nicht an ihrem Wanderweg liegt. Soll man die da mal einfangen und hinsetzen und dann auch das Futter da hinstellen?

  • Sehr geehrte/r Igelfinder/in MiriV,


    der große Igel wird sich vermutlich schon bald in den Winterschlaf zurückziehen - es ist zu vermuten, dass es ein männliches Alttier ist. So ein tolles Gewicht haben Alttier-Weibchen selten, weil sie durch die Jungenaufzucht natürlich im Gewicht erheblich zurückfallen. Die Tiere haben vor Schlafantritt Heißhunger, deshalb kann man nicht nur Jungtieren zusätzliches Futter zugestehen.


    Wenn Sie in Bayern wohnen, ist damit zu rechnen, dass dort schon früher der Winter eintritt. Deshalb mein Rat, das kleine Tier mit 218 g aufzunehmen, dann ersparen Sie sich auch das Auflauern und Abwarten. Das Tier hat sicher sein Futter und kann schneller zunehmen, weil es im Haus wärmer ist.


    Ein Schlafhaus anzubieten, ist immer gut, gerne auch mehrere Möglichkeiten. Die Igel finden diese Unterkünfte selbst. Man muss sie nicht reinsetzen.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Update:


    es kommen immer noch regelmäßig der kleine und der große Igel zum fressen, leider ist es mir bislang nicht gelungen den kleinen einzufangen, da er bereits die Flucht ergreift, wenn man sich auf 5-10m nähert. Ich stelle den Napf schon jeden Tag weiter von der Hecke weg um eine Chance zu haben ihm den Weg abzuschneiden :saint: Gibt es noch irgendeinen Trick, wie man so schreckhafte Igel erwischt?


    Der große hat in der einen Woche gute 100g zugenommen, der ist also auf jeden Fall gut gerüstet für den Winterschlaf. Kann der durch das Zufüttern auch zu dick werden?:/ Wir wohnen in einer Ecke von Bayern, wo es i.d.R. nicht so kalt ist, d.h. es kann noch dauern bis der schlafen geht...


    Ein Schlafhaus haben wir inzwischen am Ende vom Garten auch aufgebaut, bislang sieht es aber noch unberührt aus.

  • Sehr geehrte Igelfinder/in MiriV,


    sobald die Nachttemperaturen unter 7°C bleiben werden sich Alttier-Männchen verabschieden, das ist meistens gegen Ende Oktober der Fall.


    Es ist gut, dass Igel sich schnell verkrümeln, wenn Menschen ihnen zu nahe kommen - sie wissen ja nicht, dass die Zweibeiner helfen wollen. Wenn man erst hinlaufen muss, um den Igel einzufangen, wird man kaum Chancen haben. Sie müssten die Futterstelle auf der Terasse haben, um gleich zur Stelle zu sein. Alternativ geht auch ein Futterhaus, das man einfach hochhebt (und eine dritte Hand müsste dann zugreifen) oder man hat ein Futterhaus, das man von oben öffnen kann, alternativ die Tonröhre mit Futter bestücken, die man an einer Seite an die Hauswand lehnt. Das hat den Vorteil, dass nur ein Igel fressen kann und man von hinten sieht, wer gerade am Futter sitzt. Aber auch Tonröhren müssen wie Futterteller regelmäßig gerinigt werden (in den Eimer stellen und mit heißem Wasser abbürsten).


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Guten Abend,


    der Tipp mit Fütterung auf der Terrasse war goldwert, irgendwie kommt man manchmal selbst nicht auf die einfachsten Sachen :S


    Ich habe den Kleinen jedenfalls eingesammelt, leider wiegt er immer noch nur 227 g. Er hat jetzt erstmal eine Kartonunterkunft im Waschkeller bekommen und Kot werde ich in den nächsten Tagen sammeln.


    Das Schlafhaus im Garten wurde zumindest inspiziert (Reisig vor dem Eingang ist weggeschoben), ob es auch tatsächlich genutzt wird, habe ich noch nicht mitbekommen. Es könnte aber sein, da der Große heute zum Essen da war, kaum dass es auf der Terrasse stand ^^


    Viele Grüße

    Miriam



  • Sehr geehrte/r Igelfreund/in MiriV,


    prima, dass es geklappt hat, den Winzling ins Haus zu nehmen. Es ist unglaublich wichtig und von wesentlichem Vorteil, wenn die Temperatur um die 20° C im Umfeld dere Box ist. Wenn der Karton auf dem Boden steht, ist es mit Sicherheit auch noch im Keller zu kalt (Kälte fällt immer nach unten). Dann bitte die Box auf einen Tisch o.ä. stellen und die Heizung anstellen.


    Wenn die Wärme stimmt, wird auch der Igel schnell zunehmen, ist die Außentemperatur zu gering, haben Sie und der Igel eine unendliche Geschichte und der Igel muss womöglich den ganzen Winter auch im Haus bleiben. Ziel sollte sein: Möglichst schnell wieder raus, d.h.: effektiv und effizient den Parasiten auf den Grund gehen, diese behandeln und gutes Futter bei warmer Umgebung anbieten.


    Bei der Kotsammlung sollten Sie besonders die kritischen Teile mit einsammeln (dünnflüssiges, grünes, glibbriges....).


    Ich drücke die Daumen, dass der Igel gut mitmacht.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

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