Igelfamilie ist tagsüber aktiv, wirkt aber gesund

  • Hallo,


    wir haben vor ein paar Tagen in unserem kleinen Garten unter einem bodennahen Gebüsch eine Igelfamilie (Mutter mit vermutlich 3 Kindern) entdeckt.

    Heute haben wir bemerkt, dass die Mutter mit einem der Jungtiere am hellichten Tage unterwegs war. Die anderen Jungtiere blieben unter dem Busch. Das eine Jungtier ist dann wohl durch den Maschendrahtzaun zum Nachbarn geschlüpft, woraufhin die Mutter sehr aufgeregt erfolglos versucht hat ebenfalls durch den Zaun zu kommen. Irgendwann kam das Jungtier wieder zurück, woraufhin die Mutter es erst ein wenig im Maul umhergetragen hat und sich dann wieder zu den anderen in den Busch begeben hat. Das eine Jungtier ist jetzt immer noch alleine auf der anderen Seite des Gartens in der Hecke.

    Alle Igel sehen erstmal gesund aus, laufen normal, haben keine auf Anhieb sichtbaren Wunden oder Parasiten.

    Das die Igel aber eben mitten am Tag durch unseren Garten laufen macht uns etwas stutzig.

    Hier nochmal ein kurzes Video der Mutter mit einem Jungen: Video


    Sollen wir etwas unternehmen, und wenn ja, was?


    Danke schonmal!


    Gruß

    Tobias

  • Kalle

    Approved the thread.
  • Lieber ighelfreund Tobias,)


    danke für das Video und die gute Beschreibung der Situation. Die Igelkinder sind schon relativ groß. Die Gründe für die Tagaktivität könnten:


    1. das Nest ist zerstört (Aufräum, Garten- oder Abrissarbeiten, Hund (?), Bauarbeiten) oder

    2. die Kleinen entdecken ihr Umfeld - das machen sie in der ersten Zeit tagsüber, bis sie merken, dass die Welt nachts weniger gefährlich ist, es dauert einige Zeit (es ist quasi die Entdeckungslust, es ist alles neu und spannend, etwa vergleichbar, wenn Jugendliche die Nacht zum Tag machen)


    Auf dem Video erscheint mir das Igelkind etwas verloren, behäbig, nicht schnell genug, normalerweise hätte es dem Muttertier folgen müssen. Deshalb hat das Muttertier das Kleine so energisch gepackt und woanders hingeschleppt - man konnte erkennen, dass es gar nicht so einfach war (zu schwer), sie schleift das Kind eher, normalerweise werden Igelkinder getragen. Irgend etwas stimmt da nicht.


    Empfehlung wäre: Kleine Futterstelle einrichten in einsehbarer Zaunnähe (mit einer guten Sorte Katzenfeuchtfutter und etwas Weizenkleie oder ein gestocktes, erkaltetes Rührei mit Rindertartar). Igel haben eine sehr gute Nase, bei ihrem Aussehen haben sie durchaus Zähne, taucht das betr. Igelkind auf, bitte näher betrachten (Augen zu? Knopfaugen? Verletzung? Blut? Alle 4 Beine dran und Füße o.k.? Unangenehmer Geruch (Igel riechen normalerweise nicht), krabbeln irgendwo Maden herum? Vielleicht können Sie es vor Ort einmal wiegen und das Gewicht durchgeben? 150 g Tiere, die tagaktiv sind, sind nicht die Norm - da stimmt etwas nicht. Weit über 200 g wäre vertretbar zum draußen bleiben, wenn nichts anderes auffält. In welchem Teil Deutschlands wohnen Sie? Wie sind da momentan die Temperaturen (nachts und tagsüber).


    Für den "Notfall" einen Karton bereitstellen, mit Zeitung auslegen und ein altes, aber sauberes Handtuch einlegen. Den Karton mit Igel mit ins Haus nehmen, fliegenfrei halten (Gaze oder Gardine drüberlegen). Dann könnten wir weiter verabreden, was zu tun ist.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Sehr geehrter Igelfreund Tobias,


    im Nachhinein noch die Anregung, den Zaun an der Stelle zu öffnen, wenn Maschendraht, zwei oder vier Maschen ausschneiden, so dass eine 8 x 8 cm Öffnung entsteht. Dann kann auch das Muttertier durch.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

  • Hallo Heike,


    danke für die ausführliche Antwort.

    Das Kleine hat bei anderen Begegnungen einen gesunden Eindruck gemacht, alles dran, gute Proportionen, keine sichtbare Verletzung, agil, Augen normal.

    Es ist mehrfach vor den Augen der Mutter durch den Zaun geschlüpft, was der Mutter offenbar gar nicht gefiel, da sie selbst nicht durch den Zaun kam.

    Mittlerweile haben wir hier für sie einen kleinen Tunnel unter dem Zaun gegraben.

    Die Temperaturen hier in Berlin lagen Nachts zwischen 10-15°C.

    Das Nest wurde von uns nicht angerührt.

    Das mit dem Beifüttern stelle ich mir gerade etwas schwierig vor, da würden sich vermutlich die vielen Katzen aus der Nachbarschaft drüber freuen.

    Beim nächsten Einkauf wird aber trotzdem etwas Katzenfutter dabei sein und wir werden uns etwas einfallen lassen.

    Unser Eindruck deckt sich mit Deinem Punkt 2. Die Kleinen entdecken die Umwelt, und eines davon ist wohl gerade etwas in der Trotzphase.

    Wir haben die Igel weiter im Auge, dank Videoüberwachung auch nachts, eine Kiste für den Notfall liegt bereit. Und wenn ich einen der Kleinen das nächste Mal tagsüber sehe, versuche ich ihn zu wiegen.


    Nochmals vielen Dank und ich werde berichten...

    Gruß

    Tobias

  • Sehr geehrter Igelfreund Tobias,


    gute Idee mit dem Tunnel! Temperaturen nachts sind o.k. für September.


    Das mit der Futterstelle hatte ich deshalb vorgeschlagen, um das Kleine wieder anzulocken. Wegen des Tunnels ist das nun offensichtlich nicht mehr nötig. Aber Wasser sollten Sie in jedem Fall anbieten.


    Sie haben recht, Katzen werden eine Igelfutterstelle auch benutzen. Sie können verhindern, dass Katzen an das Futter kommen, wenn man das Futter überdacht (mit einer auf den Kopf gestellten Obstkiste, Dachpappe draufheften und eine halbrunde Tür 8 x 8 cm einschneiden/einsägen), noch einen Stein auf das Dach legen und den Futterteller ganz nach hinten schieben.


    Wenn noch Fragen sind, melden Sie sich gerne wieder.


    Mit freundlichen Grüßen


    Heike Philipps


    http://www.pro-igel.de

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