Die Igel-Kommune im Garten

  • Hallo allerseits,


    mein Name ist Erik, wohne im schönen Schwarzwald und bin seit zwei Wochen stolzer Igelhaus-Vermieter.

    Ursprünglich begann meine erste Erfahrung damit, dass meine Frau und ich auf einen Zeitungsartikel aufmerksam wurden, in dem aufgrund von Zweitwürfen durch den warmen Winter viele Jungtiere unterernährt durch die Gegend streifen und Futter sowie Wasser benötigen. Darauf habe ich - nachdem wir Kontakt zur nahegelegenen Igelstation aufgebaut haben - ein Igelhaus (Bauplan über Station erhalten) gezimmert und im Garten platziert. Wir wohnen in einem kleinen befriedeten Ortsteil mit einem recht großen Garten. Eigentlich wollten wir einen auswilderungsreifen Igel aufnehmen, der aktuell in Pflege ist.


    Stand jetzt: Das Häuschen wurde knapp vier Tage von einem Igel aus der Nähe bezogen. Wir dokumentieren das Geschehen über eine Wildtierkamera und haben das Kerlchen "Peanut" getauft. Etwa drei bis vier Tage später ließ sich auf den Videos erkennen, das noch ein zweiter Igel ein und ausgeht. Hierbei handelt es sich um ein 1011gr schweres Weibchen (wissen wir, da wir die Dame zur Igelstation gebracht haben, weil sie gestern am helllichten Tag über die Terasse torkelte).

    Lange Rede, kurzer Sinn:

    Aktuell sitze ich auf dem Balkon, zähle den dritten Igel und es scheinen sich die ersten Unstimmigkeiten zu regen.

    Seit etwa 20 Minuten schnauft Peanut (man erkennt ihn mittlerweile an Gang und Größe) entweder die schwere Igeldame oder den dritten Artgenossen (liebevoll "Zecki" getauft, da er eine bald abfallende Zecke hinter dem Ohr trägt) lautstark an. Es ist eine Mischung aus Schnaufen und Fauchen, die beiden starren sich für einige Zeit an, bis Peanut einen halben Meter zurück weicht und Zecki folgt. Das Ganze wiederholt sich schon einige Male. Mich und mein gedämpftes Taschenlampenlicht beachtet man jedenfalls gar nicht.


    Hierzu mein kleiner Fragenkatalog:


    Handelt es sich hier um einen Revierkampf? Wird um die Vorherrschaft am Napf im Igelhaus gekämpft? Sollten wir vorest die Zufütterung einstellen? Oder handelt es sich hier gar um ein Paarungsspiel? Macht ein zweites Haus Sinn? Können sich die Igel gegenseitig vertreiben?...


    Ich beobachte fleissig weiter, das Schnaufen hat zumindest noch nicht abgerissen. ;)


    MfG, Erik

  • hallo Erik

    Sie beobachten in dieser Zeit in Ihrer Region ein Paarungsverhalten, auch Igelkarussel genannt, Dann ist im August mit Nachwuchs zu rechnen.

    Dennoch -ja es wäre ratsam ein zweites Igelhaus zu errichten.

    Igel sind normalerweise Einzelgänger und lassen ein Partnertier nur zur Paarung zu (Es könnte also durchaus Kämpft ums Futter geben.) Nach der Paarung muß der Igelmann das Feld räumen. einmal wäre er Nahrungskonkurrent für die zu erwartenden Jungtiere und er muß sein Erbgut auch an viele Igeldamen weiter geben. Igelmütter sind standorttreuer und immer allein erziehend.

    Sie schreiben von einer Nachricht zu Zweitwürfen, die im Herbst unterernährt sind usw.

    Es spielen sich in den Medien viele sogenannte Experten mit Halb-oder Viertelwissen auf.

    Zweitwürfe wurden noch nie wirklich nachgewiesen. Igel werfen einmal im Jahr und die Wurfzeit ist je nach Region und klimatischen Bedingungen von Mai (hier im Rheinland) bis in den September hinein.

    Es wäre theroretisch denkbar, wenn in einem sehr frühen milden Frühjahr Igel früh werfen und nach einem Schlechtwettereinbruch der 1. Wurf verloren geht, daß möglicherweise dann noch ein zweites Mal geworfen wird,

    Denkbar, heißt nicht bewiesen.

    Je nach klimatischen Bedingungen erwachen die Igel früher oder später aus dem Winterschlaf. Zunächst mal die Männchen, das sind auch die ersten, die man platt gefahren auf der Straße findet, Sie sind noch sehr umtriebig, weil sie noch weite Wege zum Futter zurück legen müssen, um satt zu werden und dabei ist es denkbar, daß sie schon mal nach den Damen schaun. Diese erwachen etwas später aus dem Winterschlaf, sind dann auch längst nicht sofort paarungswillig, sie müssen sich erst mal ein Ränzlein anfuttern, Dann nach der Paarung dauert es über einen Monat bis zur Geburt ihrer Jungen. Die Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht der Jungen verlangt den Igelinnen einiges ab.

    So gehen die Männchen auch viel früher nach verrichteter Arbeit in den Winterschlaf, während die Damen noch etwas Zeit brauchen sich zu erholen und ein Ränzlein anzufuttern.

    Die Jungtiere sind noch unerfahren zum Thema Winteschlaf, Winterschlafnest bauen und sie haben , je später sie geworfen sind, auch um so mehr Mühe, noch ein Ränzlein anzufressen für den Winterschlaf. .Sie laufen gelegentlich noch bis Frosteinbruch rum und suchen nach Futter.

    Igel haben eine relativ hohe Vermehrungsrate aber im ersten Jahr auch eine hohe Verlustrate. Nicht alle Kleinen schaffen es , den Winterschlaf zu überstehen, viele werden krank, verunglücken.

    Es sind also nicht die Zweitwürfe, die verelenden, sondern meist spät geborene Jungtiere.

    Die Sache mit den Zweitwürfen ist so schwer auszurotten wie das Schälchen Milch für die Igel.

    Vielleicht kann ich nun dazu etwas beitragen. Fehler werden nämlich nicht zu Wahrheiten, wenn man sie nur oft genug wiederholt

    Also -wenn Sie so ein tolles Igelhabitat haben, gerne ein zweites oder drittes Häuschen bauen, Da Igel aber ihre eingen Vorstellungen von Heimeligkeit haben, sollten Sie überlegen ob sie es sich nicht einfacher machen können und Strauchschnitt lilegen lassen, mal einen alten DAchziegel angelehnt stehen lassen in so einer Kruschtecke. Igel lieben die Unordnung und Naturbelassenheit und ihre Ruhe, also nicht groß stören, von Ferne beobachten und sich dran freuen bitte Schaun Sie doch mal in die Merkblätter unter http://www.pro-igel.de finden sie tolle Anregungen dafür

    Mit freundlichem Gruß

    Karin Oehl

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