Der Sommer verabschiedet sich und es wird nicht mehr lange dauern, bis wieder alle Medien irgendwas vom süßen kleinen Igel bringen - leider häufig keine wirklich guten Informationen.
In der Öffentlichkeit ist immer wieder Schwerpunkt des Wissens - Igel müssen im Herbst 600 g haben, sonst sind sie untergewichtig und müssen reingeholt und gepäppelt werden.
Das ist so einfach nicht in Ordnung.
Wir haben Wurfzeit , regional unterschiedlich bis in den September hinein
Ich bekam einmal eine Mutter mit Neugeborenen an einem 26. September und auch gestern bekam ich etwa 10 Tage alte Jungtiere, wir haben nun gerade den Beginn des Septembers.
Wichtig ist es , zu wissen, wann ein Igel hilfsbedürftig ist und das ist ganzjährig, wenn er verletzt und offensichtlich krank ist.
Das heißt, er liegt ggf am Tag ungeschützt in der Sonne herum, ggf. kommen dicke Fliegen ihn schon besuchen, er rollt sich nicht mehr fest ein oder schnell wieder aus,
Die Körperform eines kranken Igels ist walzenförmig
Die Augen werden kaum oder nur schlitzförmig geöffnet
Häufig findet sich ein deutlicher Halsabsatz
Der Kot kranker Igel ist Durchfall, grünschleimig bis blutig
Und dann ist schnelle Hilfe angesagt.
Wenn ein Igel nach Frosteinbruch noch mit einem Gewicht unter 500 g. herumläuft, ist dies meist kein Untergewicht durch Nahrungsmangel, sondern ein Hinweis auf eine starke Verwurmung.
Das betrifft bes. spät im Jahr geborene Tiere. Diese haben dann keine Fettreserven, um den Winterschlaf zu überstehen.
Mit Päppeln ist es nicht getan. Da muß eine Kotuntersuchung erfolgen und eine tierärztlich gezielte Behandlung.
Gesunde Igel
sind dämmerungs-u. nachtaktiv,
sie haben die Form einer Birne , vorne spitz, hinten rund.
Die Augen sind halbkugelförmige Knöpfchen und die Nase ist feucht.
Sie laufen bei Gefahr unglaublich schnell weg oder rollen sich blitzschnell fest ein, Die Stacheln stehen kreuz und quer, der Igel rollt erst wieder aus, wenn er meint, daß die Luft rein sei.
Der Kot gesunder Igel sind dunkle feste Würstchen.
Solche Igel werden seltenst mal gefunden.
Fakt ist - Ältere Männchen sind die ersten, die in den Winterschlaf gehen - ggf. Nov-Dez. schon Sie sind auch die ersten, die wieder erwachen und leider auf den langen Wegen der Futter-u. Weibchensuche auch die sind , die am häufigsten Opfer des Straßenverkehrs werden.
Danach gehen die Weibchen in den Winterschlaf - Sie erholen sich noch ein Weilchen von Schwangerschaft, Geburt und Aufzuchtzeit.
Die Jungspunde mit wenig Lebenserfahrung und meist auch noch nicht so ausgeprägter Fettschicht laufen oft wirklich noch herum, bis der Frosteinbruch keine Nahrung mehr finden läßt. Sie sind auch noch nicht so erfahren im Winterschlafnestbau und leider hat der Igel nicht nur eine relativ hohe Vermehrungsrate, sondern auch eine hohe Verlustrate bes. unter den Jungtieren
Einen Igel ins Haus zu nehmen, nur weil der Kalender den Monat Oktober zeigt und das Tier noch keine 600 g auf die Waage bringt, ist ein Fehler u. gesetzwidrig dazu,.
Wenn man ein Tier aufnimmt, muß man sich auch schlau machen über die Bedürfnisse und Konsequenzen aus dieser Handlung. Ein in die Igelstation bringen und damit Anderen einfach Arbeit und Kosten aufs Auge zu drücken ist unfair. Igelstationen sind meist Privatinitiativen und sie bekommen keinerlei Hilfen bei der Arbeit oder finanziell.. Sie beraten gern und übernehmen die Tiere auch, wenn wirklich vom Finder diese Arbeit nicht geleistet werden kann.sie stehen mit ihrer Sachkunde für Finder zur Verfügung und helfen, wenn es Probleme gibt.
Guter Wille bei mangelnder Sachkunde kostet viel zu viele Igelleben - leider noch immer.
Karin Oehl