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Tuesday, December 4th 2012, 10:44pm

Ich benötige Hilfe bei meinen kleinen Igeln!

Hallo,

da ich mit meinem Latein am Ende und ehrlich gesagt auch überfordert bin, versuche ich, hier Hilfe zu finden.

Wir versuchen es mal.

Also, ich habe letztes Jahr zum ersten Mal Igel überwintert. Es waren insgesamt fünf, und irgendwie war es total einfach. Ich habe sie nach und nach gefunden, sie sind gewachsen, haben geschlafen, wurden wach und sind dann bald gegangen. Auch dieses Jahr sind wieder kleine Igelchen aufgetaucht, und ich habe auf meiner überdachten Terrasse wieder alles für sie vorbereitet.

Aber dieses Jahr ist alles anders. Mein kleines Igelmädchen (sie wog beim Fund 415g) nahm plötzlich ab. Ich bin mit ihr zur Ärztin, und da der Kot schleimig war, entschied sie sich, Baytril zu spritzen. Ich hatte für den darauf folgenden Tag einen Termin für eine zweite Spritze. Die Kleine hat in den 24 Stunden allerdings so abgebaut, dass die Ärtzin sie eingeschläfert hat.

Dir Grammzahl ist nur ein einziges von vielen Kriterien, die uns zeigen, ob ein Igel Hilfe braucht. So kann ein über 400 g Igel ein heruntergekommenes Alttier sein oder ein topfittes Jungtier, Das Gewicht sagt nicht alles aus.

Dieser Igel hatte neben seiner Verwurmung, die wohl alle Igel haben, auch eine Sekundärinfektion.

Da Tierärzte in ihrem Studium nur im Fach Parasitologie , wenn überhaupt etwas über Igel lernen, haun sie meist ohne vorherige Bestimmung der Igelparasiten durch Kotuntersuchung gleich ein Wurmmittel rein. Es soll die Würmer im Inneren des Igels umbringen. Ist aber das Tier durch die Sekundärinfektion so geschädigt, dann bringt so ein toxisches Mittel auch den Igel um. Es kommt leider zu häfig vor.

Noch immer meinen Tierärzte, weil sie studiert haben, die Weisheit für sich gepachtet zu haben und die Igelfinder gehen dorthin natürlich, weil sie dort Kompetenz und Engagement erwarten.

Viele Igeltodesfälle wären vermeidbar, wenn Igelfinder schlauer wären und Tierärzte durch ihren akademischen Dünkel nicht so blockiert wären, Erkenntnisse aufzunehmen, die anderer Mütter schöne Kinder gemacht haben.(Was Pro Igel veröffentlicht ist auch wissenschaftlich haltbar!)

Zwei Wochen später nahm ein weiterer Igel ab (Fundgewicht: 320g). Auch mit ihm bin ich zum Arzt, und auch ihm wurde etwas gespritzt. Den Namen des Medikaments weiß ich leider nicht. Nach 48 Stunden sollte er eine zweite Spritze bekommen. Nach der ersten Spritze wurde auch er schwächer, erholte sich in den nächsten Stunden noch etwas, das nahm dann aber auch wieder ab. Ich bin mit einem sehr schlechten Gefühl zum Arzt, aber die Ärztin gab ihm die zweite Spritze. Zu dem Zeitpunkt hatte er sehr eigenartigen Kot, es war wässrig, durchsichtig, mit hellen Stückchen. Als ich mit ihm wieder zu Hause war, war er völlig verkrampft, hatte das Mäulchen geöffnet, und dann dauerte es noch fünf Minuten, in denen ich ihn auf der Hand hielt, bis er nicht mehr atmete. Da war ich an einem Punkt, an dem ich die anderen Igel am liebsten weggegeben hätte.

Klar, die Sekundärinfektion war heftig, es war Darmschleimhaut im Kot und der Igel hätte keine Entwurmung bekommen dürfen, sondern hätte erst mal antibiotisch und stabilisierend behandelt werden müssen, z. B. mit Elektrolythen, Glucose und Vit. B Komplex. Erst wenn er gesund gewesen wäre hätte man nach Kotuntersuchung gezielt entwurmen dürfen

Wenn die Tierärztin 2 mal gespritzt hat, nehme ich an -es war Levamisol gegen den Lungenwurm, das auch ein wenig gegen den Darmhaarwurm wirkt, Es ist ein heftiges Medikament und man muß es sehr genau dosieren. Zu der von der Tierärztin gewählten Dosierung kann ich nichts sagen, nur soviel - ein instabiler Igel darf nicht entwurmt werden und schon gar nicht ohne genaue Diagnostik - Kotuntersuchung.

Nicht jedes Wurmmittel wirkt gegen jeden Parasiten und nicht alle Wurmmittel sind für Igel verträglich, es sind Gifte.

Ich habe nun noch sieben mehr oder weniger kleine Igel, und jetzt komme ich zu meinen akuten Problemen. Ich habe am 21.11. ein kleines Igelmädchen mit 338 Gramm gefunden. Sie nahm leider stetig ab, also habe eine Kotprobe zur meiner Tierärztin gebracht und sie stellte wohl irgendwelche Parasiten und Eier/Larven(?) fest.

Sie habe das Richtige getan, aber - hat der Tierarzt Erfahrungen in der Beurteilung von Kotproben, ist er parasitologisch geschult oder hat er die Untersuchung - ist ja nur ein Igel - einer unerfahrenen Arzthelferin überlassen?

Ich empfehle immer Kotuntersuchung beim Parasitologen oder beim staatl. Veterinär-UNTERSUCHUNGS amt

Da ich nicht wollte, dass auch sie eine Spritze bekommt, habe ich Panacur mitbekommen, welches ich ihr fünf Tage infolge geben soll. Ich bin sehr besort um die Kleine. Ist dieses Medikament überhaupt das Richtige?

Das ist fraglich. Panacur wirkt gegen die Haarwürmer, nicht gegen den Lungenwurm, der meist der führende Parasit ist und - wieder wurde die Sekundärinfektion und der Allgemeinzustand des Igels völlig außer acht gelassen

Klar, solche Schwächen sind häufig parasitenbedingt, aber ein kranker , instabiler Igel verträgt die Gifte nicht, Also muß man den Gaul von hinten aufzäumen, erst die Infektion behandeln und das Tier stabilisieren und später dann entwurmen. Gewußt wie!

Ich hatte sie vor Beginn der Medikamenteneingabe für zwei Tage aus dem Gehege reingeholt, da sie sich kühl anfühlte. Allerdings ging es ihr bei Raumtemperatur schlechter, und auch der Kot wurde plötzlich weicher und heller. Da habe ich sie nach Absprache mit der Ärztin wieder rausgesetzt. Sie ist auch tagsüber ab und zu zu sehen. Liegt daran, dass sie noch so klein ist, oder kann das mit den Parasiten zusammenhängen?

Grundsätzlich gehören kranke und frisch aufgenommene Tiere erst mal in Zimmertemperatur und nicht draußen ins Gehege. Solange Tier behandlungsbedürftig sind und nicht das erforderliche Gewicht haben, gehören sie immer in Zimmertemperatur.

Dann habe ich noch einen zweiten Problemfall, da handelt es sich um den ersten Igel, den ich Ende Oktober mit knapp 300 gefunden habe. Auch das ist ein Weibchen. Sie war von Anfang an sehr "lebaft" und hat gerne mal gefaucht. Seit zwei Wochen rennt sie leider. Ich habe auch zu dem Thema versucht, mich schlau zu machen, aber jeder sagt und schreibt etwas anderes.

Ja leider sind Papier und das Netz geduldig und jeder kann seinen Sermon unkontrolliert hinterlassen.

Bei www.pro-igel.de sind Sie auf der sicheren Seite.

Die Rennerei des Igels spricht dafür, daß in seinem Inneren Parasiten ihm Beschwerden machen -also Kotuntersuchung an der richtigen Stelle und dann versuchen Sie einen Tierarzt zu bekommen - da könnten Ihnen die Hamburger helfen vom Komitee Igelschutz, einen guten zu finden oder die Behandlung zu übernehmen.

Zuvor schaun Sie mal rein - auch wenn es viel ist, drucken Sie es aus oder bestellen das Heft von Pro Igel zum Preis von 3,75 Euro -von igelerfahrenen Tierärzten für ihre Kollegen ( aber auch für Finder sehr interessant)

Igel in der Tierarztpraxis

http://www.pro-igel.de/merkblaetter/publpdfs/tierarzt.pdf



Dass sie keine blutigen Füßchen hat liegt sicherlich daran, dass ich Zeitungspapier und Stroh auf meiner Terrasse ausgelegt habe. Ich denke manchmal, sie läuft die ganze Nacht! Abnehmen tut sie übrigens nicht. Außerdem faucht sie ständig. Auch von ihr habe ich eine Kotprobe abgegeben, und dort wurden Parasiten und/oder Eier gefunden und mir wurde Panacur mitgegeben. Das habe ich ihr nach Anordnung fünf Tage gegeben und nach zahn Tagen Pause soll sie es noch fünf Mal bekommen. Was kann ich sonst bloß noch tun, damit sie ruhiger wird?

Da meine Ärztin meint, dass evtl. einer der anderen Igel krank ist und als Träger alle anderen angesteckt oder es noch tun könnte, soll ich allen Igeln dieses Panacur geben. Sollte ich das wirklich tun?

Nein, tun Sie es nicht.

Wichtig wäre auch die Einzelhaltung, denn Igel sind Einzelgänger, Die Gemeinschaftshaltung kann zu bösen Beißereien führen und die Igel so unruhig machen. Die Ansteckungsgefahr ist für bakterielle Infektionen gegeben. Eine Ansteckung durch Würmer kann nur über Zwischenwirte erfolgen.

Panacur wirkt gegen den Darmhaarwurm, gegen Infektionen und Schwäche der Tiere nicht und Unterkunft u.Nahrung - ich weiß nicht, was Sie füttern - hilft nicht gegen Erkrankungen der Tiere

Sie haben eine Koryphäe von Tierärztin (Ironie verlass mich nie!)

Vor allem gehören die Tiere, die Sie aufgenommen haben zunächst mal alle, bis zur Winterchlafbereitschaft in die Wärme und nicht dorthin, wo Sie sie halten, Haus hin oder her, Zeitungen u. Stroh, hin oder her, das ist so einfach nicht richtig.

Arbeiten Sie sich mal durch durch die Merkblätter von Pro Igel es ist sicher auch für Sie eine Offenbarung.


Ich hoffe, ich konnte meine Problematik einigermaßen begreiflich schildern, und ich wäre für die ein oder andere Antwort oder Anregung sehr dankbar!

Ich hoffe, wir konnten für Sie Einiges klären und es ist für den kranken Igel nicht zu spät.

Gern beantworten wir Ihnen weitere Fragen.

Das Heft - Igel in der Tierarztpraxis kann man auch ausdrucken und Sie sollten es der ach so kompetenten Tierärztin mal unter die Nase reiben. (bitte recht freundlich, denn man ist in den Kreisen gern verschnupft, wenn man kritisiert wird.)

Mit freundlichem Gruß Karin Oehl

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Dec 5th 2012, 7:13am)


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Wednesday, December 5th 2012, 6:49am

Hallo Claudia

Es ist so viel, u. damit ich nichts vergesse, versuche ich in Ihrem Bericht zu antworten.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

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Wednesday, December 5th 2012, 9:24pm

Hallo Frau Oehl,

erstmal ganz herzlichen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort!

Ich bin gerade ziemlich geschockt, wie viel bei meinen kleinen Zöglingen falsch gelaufen ist. Das kleine Sorgenkind habe ich sofort wieder in die Wohnung geholt, und auch die anderen Igel werde ich aus der Kälte holen.

Ich habe nun noch eine akute Frage. Ich habe bei der Kleinen vorgestern mit dem Panacur angefangen, ich möchte es ihr jetzt nicht mehr geben. Darf ich die Behandlung einfach absetzen? Oder richte ich dann noch mehr Schaden an?

Nochmals vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Hilfe!

Viele Grüße

Claudia

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Wednesday, December 5th 2012, 10:16pm

Ich muss mich nochmal kurz zu Wort melden.

Ich habe mich entschieden, das Mittel nicht weiter zu geben. Der Kleinen geht es gar nicht gut, sie liegt nur, sie geht nicht in ihr Häuschen, sie hat eben etwas gefressen und lag dann neben dem Teller. Haben Sie vielleicht einen Tipp für mich, was ich ihr von meiner Tierärztin geben lassen könnte, um ihr zu helfen? Ich habe gerade die Befürchtung, dass das kein gutes Ende nehmen wird...

Zu Ihren Fragen von heute Morgen:

Wie ich mitbekommen habe, hat die Helferin die Kotprobe untersucht, allersings hat die Ärztin sie sich dann unter dem Mikroskop angeschaut.

Sie hatten auch gefragt, womit ich die Igel fütter. Sie bekommen Katzen- Naßfutter, Igel- Trockenfutter, Haferflocken.

Viele Grüße

Claudia

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Thursday, December 6th 2012, 7:36am

Hallo Claudia

Auch wenn es weh tut, es könnte sein, daß dieser Igel nicht mehr lange lebt.

Man kann versuchen mit Elektrolythlösung in der auch Glucose ist u. etwas Vit. B Komplex die Lebensgeister zu wecken und ggf ein paar Tropfen eines Kreislaufmittels aus der Humanmedizin ins Mäulchen geben. Auch braucht das Tier wohl ein Antibiotikum.

Ich schrieb ja bereits - es wurden Sekundärinfektionen übersehen.

Viel Glück für Ihre Zöglinge

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl