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1

Tuesday, October 16th 2012, 12:12pm

Hochgepäppelte Igelbabys noch auswildern?

Hallo Frau Oehl,

ich habe Ende September 2 Igel übernommen. Sie waren am 10. September in
einer Igelstation abgegeben worden, da die Mutter überfahren wurde.

Das Fundgewicht der kleinen Igelmänner: 80 und 90g. Bei einem wurden
Kokzidien festgestellt. Ich habe beide mit Cotrim behandelt und sie
wiegen jetzt etwas über 600g. Beide Igel sind getrennt in Gehegen von
ca. 3m² im Souterrain untergebracht, das Fenster ist immer offen.

Sie könnten eigentlich noch ausgewildert werden. Das geht allerdings
nicht am Fundort durch die vielen stark befahrenen Straßen!!!



Jetzt meine Frage:

Kann man die beiden jetzt noch in einer für sie fremden Gegend
auswildern? Sie müssen sich ja erstmal zurechtfinden und dann noch ein
Winternest bauen. Ist das nicht schon zu spät? Igelmänner gehen ja
bereits oft schon ab Oktober in den Winterschlaf.

Ich könnte sie natürlich auch in ein kaltes Winterquartier bringen und kontrolliert winterschlafen lassen. Was raten Sie?



Grüße Weidenzweig

2

Tuesday, October 16th 2012, 1:37pm

Hallo Weidenzweig

weil wir nur wenige Tage in diesem Jahr einen goldenen Oktober zu erwarten haben u. Sie keine Möglichkeit haben, die Tiere wenigstens 2 Wochen in einem Auswilderungsgehege unterzubringen , würde ich vorschlagen, daß diese Tiere den Winter bei Ihnen verbringen. Ruhig jetzt schon in einen Kaltraum mit viel Isoliermaterial für den Nestbau.

Wenn es noch schön wird - ruhig unter Aufsicht mal im Garten spazieren gehen und schnüffeln lassen.

Die zwei werden sicher noch eine Weile brauchen, bis sie wirklich winterschlafen.

Sie wissen es ja - zuerst die Männchen -sie sind auch die ersten, die wieder unter den Autos landen im Frühjahr!

Dann die erfahrenen Weibchen, die sich von der Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht noch erholen müssen - erst wenn es in Richtung Dauerfrost geht, gehen die Jungtiere.

Das heißt für Sie - im Kaltraum ruhig weiter füttern, aber nicht mehr rasant zunehmen lassen, bis die Tiere von allein ihre Bereitschaft für den Winterschlaf zeigen.

Wundern Sie sich bitte nicht, wenn die Tiere scheinbar erst üben, das heißt ein paar Tage verschwinden im Nest, dann Tage wieder zum Fressen kommen - irgendwann packen sie es, und wenn es Januar darüber wird.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

3

Tuesday, October 16th 2012, 2:34pm

Hallo Frau Oehl,
vielen Dank für die schnelle Antwort.

Ich habe zwischenzeitlich das Angebot bekommen, am kommenden WE die beiden Igel über ein Außengehege auszuwildern.
Sie könnten dort noch 1-2 Wochen in der kleinen Freiheit "üben" und dann wird die Tür geöffnet. Es soll dort überall gute Versteckmöglichkeiten geben und die Zufütterung ist auch gesichert. Letztes Wochenende wurden 2 weibliche Tiere aus diesem Gehege in die Freiheit entlassen. Das würde ja passen.

Ich kann mir das auch am Wochenende selbst ansehen und dann entscheiden.....

Hört sich doch eigentlich gut an, oder?
Ich will natürlich kein Risiko eingehen aber .... ein Risiko gibt es ja immer, besonders für Igel.

LG

4

Tuesday, October 16th 2012, 5:03pm

Hallo Weidenzweig

Ja das hört sich sehr gut an, bitte schaun Sie sich die Angelegenheit genau an.

Das Wetter soll ja auch noch mal gut werden für kurze Zeit

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

5

Wednesday, October 17th 2012, 9:27am

Danke,
ich werde dann in der nächsten Woche mal ein feedback geben.
LG

6

Wednesday, October 17th 2012, 9:56am

Hallo Weidenzweig

Achten Sie aufs Wetter . Die Zeit läuft uns davon!

Draußen werden die Igelkinder zunächst noch wieder abnehmen! Die Nahrung wird knapp u. wenn sie sich dann noch einen Unterschlupf bauen und suchen müssen, könnte es sein, daß das zuviel für sie ist.

Also bitte gut beobachten und ggf an der Stelle kontrolliert überwintern lassen und erst im Frühjahr auswildern!

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

7

Wednesday, October 17th 2012, 10:15am

Hallo Frau Oehl,
die Übergabe der Igel ist von seiten der Gartenbesitzer leider erst am kommenden Montag möglich.
Eine eventuelle kontrollierte Überwinterung ist dort jedoch nicht möglich. Es gibt hier nur ein entweder - oder. Entweder ich bringe die Igel dorthin (dann mit allen Konsequenzen) oder nicht.
Laut 16-Tage Wetterbericht wird es ab 26.10. nachts Fröste bis -3 Grad geben, tagsüber natürlich noch wesentlich drüber.
Ich bin doch verunsichert.

Grüße Weidenzweig

Hab noch eine sehr spezifische Frage zu Kokzidien, sende Ihnen dazu eine PN.

8

Wednesday, October 17th 2012, 11:56am

Hallo Weidenzweig

Wenn es nur so geht, würde ich persönlich auf diese Übergabe der Igel verzichten - das ist so nicht gut. es wird jetzt zu schnell zu kalt, dann finden sie nichts mehr und alle Mühe wäre vergeblich gewesen

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

9

Thursday, October 18th 2012, 8:01pm

Hallo Frau Oehl,
ich hatte heute am späten Nachmittag für die beiden Igel auf der Wiese ein riesiges Areal mit Außengehege-Gittern eingezäunt und die Igel dort reingesetzt.
Es war wirklich sehr interessant, zu beobachten, wie sie sich verhalten. Mehrere Minuten dauerte es schon, bis sie die Nasen hoben aber dann... Es war ein Riechen, ein Belecken und Schmatzen. Ich weiss gar nicht, was sie da überhaupt gefunden haben. Es lagen viele Blätter auf der (nicht geschnittenen) Wiese und immer wieder wurde daran gerochen und geschmatzt. Gelaufen sind sie ganz vorsichtig und immer am Gitter lang.
Als sie sich begegneten, begannen sie wie verrückt zu fauchen, sich zu bedrängen und wegzuschubsen. Also, die beiden zusammen in einem kleinen Außengehege, das geht gar nicht!!!
Ich werde am Montag trotzdem mit den Tieren zu der Auswilderungsstelle fahren und mir alles ansehen. Es werden jetzt überall noch 500g-Igel ausgewildert, ich denke, da werden die beiden (wiegen am Montag sicher 700g) es doch schaffen. Sie haben ja Reserven und es gibt Futterstellen und Reisighaufen. Ich habe eigentlich ein gutes Gefühl. Wenn es mir nicht gefällt, nehme ich sie wieder mit.
Auf alle Fälle werde ich sie jetzt täglich am Nachmittag in den Auslauf im Garten setzen, die Zeit steigern. Heute war es eine 3/4tel Stunde. Und ich werde auch das Gebiet wechseln, damit sie viele neue Erfahrungen machen und nicht so ganz neu in der Natur sind.

Ich habe jetzt gesehen, wie wichtig Außengehege doch sind, um Igelbabys, die man hochgepäppelt hat, an die Natur zu gewöhnen. Sie brauchen dafür doch etwas Zeit, wenn auch nicht so viel, wie gedacht.
Hab schöne Fotos gemacht. Mal sehen, ob ich einige schicken kann, weiss noch nicht, wie es geht.

Einen schönen Abend!

10

Friday, October 19th 2012, 6:21am

Hallo Weidenzweig

Dann hoffen wir mal, daß das Wetter gut mitspielt

Dann könnte es gelingen

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

11

Saturday, October 20th 2012, 8:53pm

Hallo Frau Oehl,
Ihr Ratschlag, die Igel auf der Wiese "trainieren" zu lassen war so super!!!

Während sie am 1. Tag (von 17-18.0 Uhr) noch sehr zaghaft und ganz vorsichtig das Areal erkundeten, waren sie am

2.Tag (18-19.00 Uhr)
schon etwas kühner aber noch immer vorsichtig zu Fuß. Einer der beiden wälzte sich und fing an, sich zu bespeicheln. Er war wie in Trance und wollte gar nicht aufhören. Als aufgeklärter Igelfreund weiß ich natürlich, dass das mit dem Jacobschen Organ zu tun hat (Meine Tochter, die vor einigen Jahren von mir mal einen Igel in ihrem Garten auswilderte, rief mich abends ganz aufgeregt an und meinte, ich solle den Igel wieder abholen, denn der hat Tollwut... Ich hatte leider vergessen, ihr zu erzählen, dass das Einspeicheln normal ist.). Ich hatte, wieder auf der Wiese, einen großen Laubhaufen mit Reisig in der Mitte des Geheges platziert und einer der beiden hat sich dort schon gut versteckt. Beide Igel hatten aber Probleme, die bereitgestellte Futtertellerchen zu finden. Einer packte es dann doch. Sie gingen sich diesmal beim Aufeinandertreffen aus dem Weg.

Heute war der 3 Trainingstag (17-20.00 Uhr). Das Gehege war diesmal so aufgebaut, 3/4 Wiese mit Blättern, 1/4 Erde. In der Mitte 2 Laubhaufen mit Reisig.
Beide Igel waren flink zu Fuß, haben versucht, in der Erde zu graben, sich manchmal in den Laubhaufen versteckt, sind sich aus dem Weg gegangen und haben die Futternäpfe gefunden. Man merkt, dass einer der beiden, pfiffiger ist, als der andere. Na, es ist halt, wie bei den Menschen!

Es ist schon erstaunlich, wie schnell die Igel lernen und ich bin sehr glücklich, dass ich ihnen dabei etwas helfen kann, dank Ihrer Ratschläge.

Morgen will ich bis 21.00 (notfalls mit ner Tasse Glühwein) durchhalten und am Montag ist dann der Auswilderungstag. Ich mache mir schon große Sorgen aber es soll nach einigen kalten Tagen dann wieder temperaturmäßig aufwärts gehen.

LG Weidenzweig

12

Sunday, October 21st 2012, 6:02am

Hallo Weidenzweig

Ich bin sowas von begeistert und drücke für die Kleinen ganz fest die Daumen.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

13

Sunday, October 21st 2012, 10:44pm

Ich will heute noch schnell über den letzten Trainingstag (18-21.00 Uhr) vor der Auswilderung berichten.
Das Gebiet umfasste diesmal ca. 22 m² (Ich hatte noch Gitter auf dem Dachboden gefunden), 1/3 Wiese mit Blättern, 2/3 Gelände mit Gebüschen und Bepflanzung. Hab wieder 2 Laubhaufen mit Reisig gebaut und diesmal Futter unter eine Holzkiste (wie für Fütterung draußen verwendet) gestellt.
Beide Igel waren ordentlich flink, haben alles erkundet und alles mögliche gefressen. Nur der "Pfiffikus" der beiden hat das Futter gefunden. Ich habe dann die Kiste entfernt, damit der andere auch was fressen konnte. Diesmal hat leider keiner von beiden die schönen Haufen inspiziert. So gegen 20.30 Uhr liefen die Igel ständig nur noch am Gitter lang. Das tat mir etwas leid. Na, obwohl der Auslauf ziemlich groß war, es ist eben trotzdem keine richtige Freiheit.
Lustig war, als die Katze angerannt kam, wurde im Duett um die Wette gefaucht. Der kleine "Dödel" ist sogar mehrmals hochgesprungen.

Negativ ist mir aufgefallen, dass beide Igel seit ihrem 1. Ausgang dunkelgrüne Anteile im Kot haben. Meistens gleich, wenn ich sie (getrennt) in einer kleinen Transportbox wieder reinhole. Das scheint wohl normal zu sein? Im Kot sind auch viele Anteile von irgendwelchen Teilchen (?) drin. Sie kauen ja auch ständig. Hoffentlich sagt ihnen ihr Instinkt, was gut für sie ist. Ich habe da so meine Zweifel.
Morgen wird es nochmal spannend. Hoffentlich gefällt mir der Auswilderungsgarten. Ich werde mich auf alle Fälle nochmal melden.

LG Weidenzweig

14

Monday, October 22nd 2012, 6:16am

Hallo Weidenzweig

Zunächst mal - die Igel kommen jetzt mit allerlei Kram in Kontakt, das kann schon mal, weil das Immunsystem nicht trainiert ist, zu Irritationen führen, die wieder zu grünem Kot. Solange es dunkelgrün , geleeartig und wenig bei normalem Kot ist, sollten wir es beobachten. Wird es türkisfarbig blaugrün -dann ist Alarmstufe ROT

Klar, sie erkunden jetzt alles, kauen alles durch, speichern in ihrem Gedächnis Geruch und Geschmack.

Eigentlich haben Igel sehr gesunde Instinkte und wissen genau, was sie fressen dürfen und was nicht. Ihre Mutter leitet sie ja auch nicht an.

Igel begleiten ihre Mutter, die frißt einfach was sie findet und die Kleinen müssen selbst zusehen, was es gibt. Solange sie der Mutter folgen, trinken sie ja auch noch bei der Mutter, nehmen aber auch schon selbstständig Nahrung auf.

Nun, wir sind nie so gut wie die Mutter - dennoch, ich denke Ihre Pfleglinge sind auf einem guten Wege.

Wenn jetzt noch längere Zeit das Wetter mitspielt, dürfte es klappen, wie gewünscht und gedacht.

Achten Sie mal darauf, ob in dem vorgesehenen Auswilderungsgebiet gespritzt und gedüngt wird - das könnte noch ein Problem werden.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

15

Thursday, October 25th 2012, 1:14pm

Hallo Frau Oehl,
hier nur noch das Feedback zur Auswilderung der beiden Igel am vergangenen Montag.
Da sie schon fast 700g hatten wurde beschlossen (nicht von mir), sie nicht nochmal in ein Freigehege zu geben.
Die Familie, der der Garten gehört, hat einen sehr großen, kompakten Schuppen mit 3 Einzelboxen und großem angrenzenden (auch nach oben abgesicherten) Freigehege. Meine Igel-Freundin meinte, das wäre ihr bester Platz.
Klar, für Igel, die hochgepäppelt werden müssen, ist es dort wunderbar aber das ganze Gebiet dort hat mir gar nicht gefallen. Ich scheine da aber offensichtlich die einzigste zu sein, die das so sieht und erntete nur Kopfschütteln damit.
Flaches Land. Auf einer Seite Felder und Wiesen. Auf der anderen Seite, durch einen unbefestigten, breiten Weg getrennt, die riesigen Grundstücke, oft mit Koppel für Pferde, Hühner usw. Alles eingezäunt (gegen Füchse), überall Hunde (die sollen allerdings durchweg igelfreundlich sein). Weil dort auch alle Katzen haben und abends Futter rausgestellt wird, finden sich (wurde gesagt) auch immer Igel ein.
Leider sind diese riesigen Gärten selten und nur mit wenigen Bäumen, fast nie mit Sträuchern bewachsen, dafür riesige, kurzgeschnittene Wiesen. An den Auswilderungsgarten grenzt ein größeres Stück Mischwald. Dort sind "wilde" Laubhaufen und Komposthaufen von etlichen Anwohnern. In den Zaun hat die Familie 2 nebeneinanderliegende Löcher geschnitten, damit die Igel in den Wald gelangen können. Von dort sollen auch immer einige zum nahen Futterplatz kommen.

Wir haben die beiden Kartons auf eine große Holzplatte nebeneinander gestellt und mit einer noch größeren Platte abgedeckt, so dass sie regengeschützt standen.
Die Kartonausgänge zeigten in Richtung Loch im Zaun, Richtung Wald. Hoffentlich finden sie die Lücke auch.
Ich hatte kein so gutes Gefühl, denn ich hatte mir irgendwie das Gebiet so, wie meinen Naturgarten vorgestellt und war darum sehr enttäuscht.
Man tröstete mich dann, dass die Igel dort weder verbrannt, überfahren noch in Teichen ertrinken können oder in Baugruben fallen.
Trotzdem habe ich 2 Tage gebraucht, um diese Auswilderung zu verarbeiten und hoffe sehr, dass die beiden "Nasen" es packen.
Mit dem Wetter scheint es ja doch nicht so schlimm zu werden.

Vielen Dank nochmals für Ihre Ratschläge und Ihre Mühe!

LG Weidenzweig

16

Thursday, October 25th 2012, 1:49pm

Hallo Weidenzweig

Ganz ehrlich - auch ich hätte etwas Bauchweh, vor allem , weil es so spät im Jahr ist und die Igel sich erst mal einen Lebensraum erarbeiten müssen.

Nun, wenn in der Nähe Futter steht und sie sich irgendwo verstecken können, sollte es möglich sein, daß sie sich dort zurechtfinden.

Hoffen wir das Bester - für eine andere Entscheidung ist ja jetzt auch zu spät oder sollten die Igel möglicherweise noch im Gehege sein?

Dann sollten sie absolut dort bleiben und weiter versorgt werden bis zum Winterschlaf und erst im Frühjahr ausgelassen werden

Vielleicht finden Sie ja bis dahin Besseres.

Igel sind notgedrungen Kulturfolger geworden - eine Käseglocke können wir nie über sie halten.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl