Liebe Frau Seewald,
vielen Dank für ihre sehr aussführliche Antwort. Ich hatte schon befürchtet, dass es zu dieser Symptomatik noch keine neuen Erkenntnisse gibt. Das AB wurde nach Konsultation unserer TÄ gegeben, sicherlich auf Verdacht, aber wie Sie schon sagten, wir können beim Igel oft nur versuchen Rückschlüsse aus den Erfahrungen mit anderen Tierarten zu ziehen. Es war ein Versuch, leider ohne Erfolg.
Ein Trauma kann ich mit fast hundertprozentiger Sicherheit ausschließen. Er war zwar in Freiheit, ist aber in den letzten Wochen nur die Strecke von 2m zwischen Schlaf- und Futterhaus gependelt. Auffällig war, dass er sich trotz gutem Gewicht, erst im Januar und nur durch Futterentzug in den Winterschlaf begeben hat. Nach 3 Wochen war er wieder wach und kam trotz starker Minustemperaturen wieder jede Nacht ins Futterhaus. Vielleicht auch ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt, vielleich hat es aber auch nichts mit diesem Phänomen zu tun. Ingrid kann ein Trauma auch absolut ausschließen, die Symptome sind aufgetreten, während der Igel sich in ihrer Obhut in der Wohnung befand.
Die Leiterin einer großen Igelstation in meiner Nähe (die Sie sicherlich kennen werden - Frau Sw...), hat mir letztes Jahr berichtet, dass sie die gelenkschädigenden Auswirkungen von Baytril bei Jungtieren beobachten konnte. Die anhaltenden (wahrscheinlich irreversiblen) Bewegunsstörungen traten einige Zeit nach Baytrilgabe auf. Seither behandelt sie nur noch ausgewachsene Tiere mit diesem Medikament. Da mir diese Nebenwirkung bei jungen Hunden bekannt war, habe ich es bei jungen Igeln nur im Notfall, bzw. wenn die Tiere bereits damit anbehandelt waren als sie mir gebracht wurden, gegeben. Bei meinem hinkenden Igel kann also auch ausgeschlossen werden, dass die Bewegungsstörung durch Gyrasehemmer verursacht wurde.
Wie Sie vorgeschlagen haben, werden Ingrid und ich den Verlauf dokumentieren und an Pro Igel schicken. Hoffentlich läßt sich die Ursache für dieses Phänomen bald finden.
Da der Igel hier im Haus sehr unruhig wurde und es ihm sonst gut ging habe ich in wieder in unseren Garten gelassen. Über die Kamera konnte ich ihn noch 4 Nächte beobachten und hatte den Eindruck, dass sich die Symptome etwas verstärkt haben - er zog das Bein beim Laufen noch weiter hoch. Evtl. tut die Kälte nicht gut. Gerade an dem Abend an dem ich mich entschlossen hatte ihn wieder rein zu holen, tauchte er nicht mehr auf und ich vermute, dass die Minusgrade ihn nun doch nochmal in den Winterschlaf getrieben haben. Nun muß ich warten bis er wieder wach ist.
Die Tierärztin werde ich in den nächsten Tagen mal anrufen, vielleicht hat sie ja wirklich schon Erfahrungen damit gesammelt und kann uns weiterhelfen.
vielen Dank für Ihre Hilfe und herzliche Grüße,
Winnie