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Tuesday, October 22nd 2019, 1:19am

Jungigel-Grenzfall? Aufnahme oder Zufüttern erforderlich?

Ich bin vorhin im dunklen Garten rückwärts über etwas gestolpert, das sich im Schein der Taschenlampe als eingekugelter Jungingel entpuppte. Ich habe ihn schnell mitgenommen, um zu sehen, ob ich ihn verletzt habe. Scheint zum Glück nicht der Fall zu sein. Zur Sicherheit habe ich ihn zur weiteren Beobachtung auf der Terrasse in einen Kaninchenkäfig gesetzt, mit einem Karton mit Zeitungspapier als Versteck.

Bisher benimmt er (oder sie) sich recht normal, wenn man den Stress bedenkt. Wasser und das Rührei mit Igeltrockenfutter, das ich ihm hingestellt habe, hat er zwar noch nicht angerührt. Aber er läuft, schnüffelt, und wenn man ihn greift, kugelt er sich fest ein. Die Augen sind rund und klar, der Bauch fühlt sich auch relativ warm an.
Kot hat er bisher nicht abgesetzt, ich weiß also nicht, ob er Durchfall hat. Das einzige sichtbare Problem sind eine Menge Flöhe.

Mutter oder Geschwister konnte ich weder in unserem, noch in den Nachbargärten entdecken. Ich denke, er war allein unterwegs. Nun steht im Merkblatt Herbstigel, man muss auch einzelne Jungigel nicht zwingend aufnehmen, wenn sie gesund wirken. Und das tut er ja eigentlich.

Allerdings ist er sehr klein, und zwar nicht mager, aber doch eher schlank. Er wiegt bei einer Körperlänge von 14-15cm nur 205 Gramm.

Was tu ich nun weiter mit diesem Igelchen? Freilassen, und versuchen, im Garten zuzufüttern? Ich habe natürlich keine Ahnung, ob er sich nach dem Unfall noch einmal in unseren Garten trauen und das Futter finden würde.
Hat er denn eine Chance, im Zweifelsfall auch ohne Hilfe das Winterschlafgewicht rechtzeitig zu erreichen, oder wäre es besser, ihn in einem Gehege zu "inhaftieren" und dort zu päppeln?

Viele Grüße,
Kathrin Vogler

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Tuesday, October 22nd 2019, 7:37am

Hallo Frau Vogeler

Das ist ein absoluter Grenzfall -einerseits möchte ich sagen, lassen Sie das Tier draußen bei Zufütterung, nur erscheint er mir wirklich sehr spät geboren, Ich kenne ihr Umfeld nicht, ob es so beschaffen ist, daß ein Igel Lebensraum genug hat, um noch genügend zu wachsen.
Wenn Sie ihn aufnhemen, dann bitte zunächst mal in einen Raum mit Zimmertemperatur unterbringen, dann fressen die Tiere besser und nehmen besser zu.
In dem Käfig könnte er auskühlen, denn Igel haben irgendwo normal ihre Verstecke , wo sie sich auch gut wärmen können.
Wenn Sie ihn aufnehmen, sammeln Sie bitte sofort von drei Tagen Kotproben in einem einzigen Gefäß und lassen Sie den Kot am besten in einem Labor -nicht beim Tierarzt untersuchen.
'Sollte sich zwischenzeitlich das Verhalten /der Zustand des Igels unter dem Stress der Gefangenschaft verändern, ist sofortige Behandlund nötig.
Das kann sehr schnell passieren, daß eine latente, also versteckte Erkrankung ausbricht, denn Stress schwächt das Immunsystem und daß er noch so winzig ist, könnte ein Hinweis auf eine latente -noch nicht ausgebrochene Erkrankung sein, auch wenn das Tier noch nachtaktiv war.
Es ist von hier aus immer schwierig das zu entscheiden.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

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Tuesday, October 22nd 2019, 12:52pm

Hallo Frau Oehl,

vielen Dank für ihre schnelle Antwort.

Der Igel hat heute Nacht das ganze Ei verputzt und auch eine Kotprobe hinterlassen. Weich, aber kein Durchfall, sehr dunkel. Das Weiche könnte natürlich stressbedingt sein. Was mir bedenklicher vorkommt, ist der starke Flohbefall, ich hatte die Flöhe bereits nach Sekunden auch auf mir sitzen, und heute morgen schwammen sogar welche im Wassernapf.

Unser Umfeld ist an sich nicht schlecht für Igel. Ältere Bebauung mit Gärten, zwar viele nicht gerade naturnah, aber dafür 500m weiter ein kleines Landschaftsschutzgebiet mit Wiese und Gebüsch. Leider hatten wir dieses Jahr extreme Trockenheit, unter die Insektenpopulation merklich gelitten hat. Ich habe keine Ahnung, ob sie sich schon wieder erholt hat.

Ich tendiere also im Moment dazu, den Igel erst einmal aufzunehmen, zu sehen, ob er gesund ist, und dann zu entscheiden. Kotprobe würde ich an die Uni nach München oder Leipzig schicken. Allerding kann ich den Igel mit dieser Menge Flöhe schlecht in's Haus holen, bei unseren Dielenfugen hätten der Hund und wir sicher lange "Spaß"... Ich kann die Art nicht bestimmen, Katzenflöhe wären in unserer Gegend durchaus denkbar.

Ich müsste also etwas gegen die Flöhe unternehmen, und habe als Alternative zu Jacutin vom Tierheim bzw. der Tierarzthelferin drei Empfehlungen bekommen:
- was biologisches aus dem Zoohandel, weil der Igel noch so klein ist
- Permethrin Biomo Lösung, zwei Sprühstöße aus (irgend-)einer Sprühflasche, oder, besser, Auftrag mit einem gut feuchten Wattepad auf den Po
- Capstar Tabletten, wie im Flyer "Igel in der Tierarztpraxis", das wäre dann 1/4 Tablette bei allen Igeln unter 500g (und meiner wiegt ja nichtmal die Hälfte...)

Beim ersten zweifle ich an der Wirksamkeit. Bei den zwei anderen finde ich die Dosierung schwierig. Haben Sie einen Tipp für mich?

Viele Grüße,
Kathrin Vogler

This post has been edited 5 times, last edit by "Froglily" (Oct 22nd 2019, 1:18pm)


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Wednesday, October 23rd 2019, 12:20am

Guten Abend Frau Oehl,

der kleine Igel hat seit gestern 25 g zugenommen, von einem einzigen von 50 - 60 g Rührei. Ich kann mir das nur so erklären, dass sein Bauch davor ziemlich leer war, er draußen also nicht genug findet. Entsprechend hatte ich eigentlich schon entschieden, ihn aufzunehmen.

Leider kommt jetzt auch noch hinzu, dass Sie mit Ihrer Befürchtung recht hatten. In den letzen zwei Stunden hat er plötzlich angefangen, wässrigen Kot mit Schleim und deutlichem Grünanteil abzusondern. Er muss also dringend zum Arzt.
Die Tierärztin hier bei uns in der Gegend, die mir vom Igel-Notnetz (nach pro-Igel Liste?) als fachkundig genannt wurde, ist mir persönlich bisher nicht bekannt. Wenn Sie meine Nachricht zufällig rechtzeitig morgen früh bekommen und mir wichtige Hinweise mit auf den Weg geben wollen, natürlich sehr gerne.

Viele Grüße,
Kathrin Vogler

PS: Falls Sie sich über mein vieles Editieren wundern, wenn ich im Firefox-Browser schreibe, kommen permanent die Formatierungen durcheinander...

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Wednesday, October 23rd 2019, 7:29am

Hallo Frau Vogler
Der Igel hat Ei gefressen, davon ist der Kot auch weich und grünlich, dennoch -Tierrzt muß sein -
Es gibt das Buch -Igel in der Tierarztpraxis, das von jedem Tierarzt auch im Netz aufgerufen werden kann - von Ihnen auch. Googlen Sie mal
Der Igel braucht erst mal ein Antibiotikum, um die Darmentzündung einzugrenzen, dann Kotuntersuchung -gezielte Wurmbehandlung aber bitte nicht sofort.
Was sofort geschehen kann ist eine Behandlung gegen Darmsaugwurm, auch wenn er im Kot noch nicht nachweisbar ist, Praciquantel (Droncit) ein Bandwurmmittel für Hunde ist auch für schwache Igel verträglich.
Vorsicht mit Flohmitteln, das bekannte und gut verträgliche und sofort wirksame Jacutin Pedicul ist nicht mehr im Handel
Es gibt Nyda ,u. div. andere Mittel, die nicht so schnell und niccht direkt am Tier wirken
Ihren Hund können Sie mit einem Spot one Präparat vom Tierarzt sicher schützen
Bitte den Igel nicht draußen unterbringen -er muß in Zimmerwärme, ggf in einen ruhigen Kellerraum vorläufig.
Es eilt, Igel bauen sehr schnell ab. 8| Igelnotnetz höre ich nicht so gern - aus div. Gründen! Guter Wille und Gutes Tun sind zwei verschiedene Schuhe!
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

6

Wednesday, October 23rd 2019, 9:31am

Guten Morgen Frau Oehl,

das mit dem Kot nach Ei ist sehr gut zu wissen, war bei dem Vorgänger unseres jetzigen Igels nicht so. Aber der kam erst Mitte November, hatte evtl. schon mehr "Verdauungserfahrung"?

Der Igel ist bereits seit gestern Abend im Keller, es war eine kühle Nacht angesagt. Er hat gefressen, und der Kot sieht aktuell wieder besser aus. Er zieht demnächst in's Gästezimmer um.
Kot für die Untersuchung sammle ich bereits, Droncit hätte ich auch schon besorgt, ist ja aber mittlerweile wohl verschreibungspflichtig. Wir gehen also heute zum Arzt.

Das Buch "Igel in der Tierarztpraxis" habe ich schon in der aktuellen Fassung, da steht auch das erwähnte Capstar. Ich meinte eher, Hinweise wie das mit der Reihenfolge der Behandlung, falls die Ärztin doch nicht so igelkundig wirkt - dankeschön. Nach meiner Erfahrung reagieren leider nicht alle Tierärzte gleich gut auf das Buch, bei unserer nächstliegenden (nicht für heute in Betracht gezogenen) Praxis steht es im Regal, mehr nicht.

Der Hund verträgt leider kein Spot-on (Epilepsie), das Mittel, das sie haben darf, habe ich ihr nach dem ersten Floh auf der Nase gestern schon gegeben. Jetzt brauche ich nur noch eines für meinen bei allen Stechinsekten sehr beliebten Mann ;-)

Nochmals Dank und viele Grüße,
Kathrin Vogler

7

Wednesday, October 23rd 2019, 10:51am

Hallo Frau Vogeler

Bitte auf keinen Fall das von überall jetzt angepriesene Flohmittel aus England einsetzen. Das Ganze ist eine illegale Geschichte. Der mit Pro Igel e.v. zusammen arbeitende Tierarzt warnt eindringlich vor illegalen Machenschaften.
Natürlich fehlt uns jetzt das Jacutin pedicul sehr, aber es ist nicht zu ändern, nicht mehr zu bekommen und wird auch nicht mehr hergestellt. Punkt.
Wenn das Buch Igel in der Tierarztpraxis dort nur rumsteht, kann ich nur mit Goethe angworten:
Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen man muß es auch tun.
Natürlich sind Igel nicht die beliebstesten Patienten in der Tier in der Praxis ,denn sie bringen ja mehr Flöhe als Mäuse (Geld) indie Praxis und man läßt sich sehr ungern von Nichtakademischen Praktikern was sagen.
Ja, Droncit ist inzwischen nur noch beim Tierarzt oder auf sein Rezept zu haben.
Die Kotbeschaffenheit hat nichts mit Verdauungserfahrung zu tun.

Viel Glück mit dem Tierarzt. Bitte freundlich aber bestimmt vorgehen und den Tierarzt auch auf das Buch hinweisen
Liebe Grüße Karin Oehl

8

Saturday, October 26th 2019, 11:57am

Hallo Frau Oehl,

kurze Rückmeldung, der Igel hat den Tierarztbesuch gut überstanden, ist flohfrei und in's Gästezimmer umgezogen. Ein Antibiotikum wurde für unnötig befunden, er verträgt anscheinend wirklich nur kein Ei, der Kot sah danach schnell sehr viel besser aus. Kotprobe haben wir trotzdem an die LMU nach München geschickt.

Eine Frage habe ich noch: Der Kleine hatte wohl einen immensen Nachholbedarf, er frisst gut und nimmt im Moment sogar zu schnell zu, 25g am Tag. Ich habe gelesen, das ist auf Dauer nicht förderlich, ab wann sollte ich die Futtermenge anpassen? Das Gewicht liegt im Moment bei 320 g.

Ein schönes Wochenende!
Kathrin Vogler

9

Saturday, October 26th 2019, 12:38pm

Hallo Frau Vogler
Ab sofort darf der Igel nur noch 10 g pro Tag, also 70 g pro Woche zunehmen, bis er ein Gewicht von ca 600 g erreicht hat.
entsprechend muß die Futtermenge sofort angepaßt werden und ab 600 g darf ein Jungigel dieses Jahres fast nichts mehr vor dem Winterschlaf zunehmen
Igel würden mehr fressen, aber es wäre gesundheitsschädlich -(verfettete Organe, nicht mehr einrollen können etc)
Wichtig ist die Kotuntersuchung und ggf noch eine gezielte Entwurmung
Wenn der Igel sein Gewicht erreicht hat, wenn er seine Medikamente ca 8-1ü0 Tage verstoffwechselt hat, dann kann er in einem kalten Raum untergebracht werden.
Dann braucht er ein größeres Schlafhaus und viel Material Zeitungen STROH - kein Heu
Er wird normal weiter gefüttert, das Schlafhaus rührt man nicht mehr an, denn das richtet sich der Igel dann selbst her.
Solange er noch wach ist, bitte mindestens einmal pro Woche wiegen, damit er nicht zu fett wird.
Kommt der Igel nicht mehr z um fressen raus -nicht mehr aus dem Häuschen zum wiegen holen
Das Winterschlafgehege nuß noch ausreichend Platz zum laufen bieten, denn Igel gehen nicht auf Knopfdruck in den Winterschlaf, sie müssen sich, solange sie aktiv sind, bewegen können.

BITTE UNDBEDIJGT LESEN
Das Merkblatt Winterschlaf in menschlicher Obhut
www.pro-igel.de
Die Merkblätter zu allen Igelthemen findet man auch dort.

Viel Glück
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

10

Saturday, October 26th 2019, 10:00pm

Guten Abend Frau Oehl,


o.k., das Kotprobenergebnis erwarte ich nächste Woche.
Einen ausreichend kühlen Raum haben wir nicht, aber ein großes Gehege im Garten. Die Merkblätter kenne ich, wir haben dem letzten Igel nach einem Vorbild daraus ein gut gedämmtes, strohgefülltes Häuschen gebaut, in dem er dann im Außengehege überwintert hat. Hat bestens geklappt, Selbiges hoffe ich auch für den aktuellen Kandidaten. Mal sehen, wie alles in 4 Wochen aussieht, da sollte er ja dann soweit sein.

Dankeschön!

Kathrin Vogler

11

Sunday, October 27th 2019, 5:58am

Hallo Frau Vogeler
Wenn das Schlafhaus sicher und trocken und isoliert ist, spricht nichts gegen eine Überwinterung im Freigehege.
Wenn die kotproben noch einen behandlungsbedürftigen Befund ergeben, sollte schnell gezielt behandelt werden wie es im Buch Igel in der Tierarztpraxis steht.
danach sollen ca. 10 Tage ide Medikamente verstoffwechselt werden, Wenn dann noch das Gewicht stimmt - ab in den Winterschlaf bzw, ins Freigehege, daß dies mögich wird.
Alles Gute
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

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Wednesday, October 30th 2019, 1:30pm

Guten Tag Frau Oehl,

das Untersuchungsergebnis der Kotprobe ist da, und weil möglicherweise schon wieder ein Grenzfall, frage ich zur Sicherheit lieber erst einmal bei Ihnen, als gleich beim Tierarzt...

Keine Würmer oder Giardien. Allerdings wurden vereinzelt Isospora-Oozysten gefunden, also, Kokzidien. Ich könnte ihm, nach dem pro-Igel-Merkblatt, Cotrim K verschreiben lassen.
Aber ist das bei einem so geringen Befall überhaupt notwendig? Der Kleine frisst aktuell gut, nimmt normal zu, und hat auch keinen Durchfall.

Viele Grüße
Kathrin Vogler

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Wednesday, October 30th 2019, 2:30pm

Hallo Frau Vogler
Bei einem so geringen Befall, vor allem, weil es den Igel gut geht, er futtert und ihr Kot sieht wohl auch normal aus. Da besteht kein Behandlungbedarf, wohl ein Bedarf an guter Beobachtung,
Holen Sie sich vom Kinderarzt oder Hausarzt ein Privatrezept über Cotrim K. Aber setzen Sie es noch nicht ein.
Es ist manchmall wie verhext. Alles ist gut und obwohl sich in der Unterbringung und Ernährung nichts ändert, kann es plötzlich zu einem Erkrankungsausbruch kommen.
Dann sollte schnell gehandelt werden können.
Jetzt ist Ihr Befund noch frisch und berechtigt Sie zu einem begründeten Wunsch nach dem Medikament
hoffentlich brauchen Sie es nie.
Mit freundlcihem Gruß
Karin Oehl