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Saturday, August 10th 2019, 9:50pm

Bobby's Geschichte und Winterschlaf im Sommer

Hier möchte ich einmal die Geschichte unserer Bobby, Altigelin, gefunden am letzten März Samstag tagsüber in einer Futterkammer in einem Reitstall erzählen.
Bobby wurde nach Auffinden mit 800 g von der hiesigen Tierärztin an eine Bekannte übergeben, die ebenfalls Igeln in Not hilft.

Sie holte Bobby aus der Praxis ab, dass der Igel eine große Wunde an der rechten Maulseite hatte, war bis dahin gar keinem aufgefallen. Es fehlte ein Teil der rechten Oberlippe, ein alter Hautlappen hing im Maulwinkel, die verletzte Seite war verschorft. Bis zu den Augen fehlte das Fell ( ob sie in irgendetwas festgesteckt hatte ? ), auf dem Nasenrücken nur etwas schuppige Haut. Bobby bekam einmalig Duphamox und sollte 2 Tage später kontrolliert werden. Da war eine andere Tierärztin da, Antibiose sollte sie nicht mehr haben, den Hautlappen könne man abziehen. Das heilt schon....
Ich bekam dann ein Foto und konnte erstmalig die Verletzung sehen. Vor lauter Schorf, Schmutz etc konnte man gar nichts beurteilen. Da wir am Folgetag einen Termin mit einer Jungigelin zur Augenkontrolle in einer größeren Klinik hatten, nahmen wir Bobby mit. Sie bekam 1 x Convenia, auch hier die Aussage: bleibt ein Schönheitsfehler, wird heilen.

Wir haben Bobby dann übernommen. Vorsichtig die Kruste, unter der natürlich Eiter war , gelöst. Sie hatte ein Loch im Nasengang, die Zähne sahen soweit ok aus. Wir setzten das Duphamox fort, reinigten 2x täglich das Wundgebiet und betupften es mit Chlorhexamed Gel. Von Anfang an hat Bobby immer gut gefressen und war unglaublich kooperativ. Bis heute muss man sie nie richtig festhalten, sondern kann sie absetzen , aufpassen dass sie nicht davon läuft und das Maul behandeln.

Zunächst besserte sich der Befund zügig. Dann kam es erneut zur eitrigen Sekretion. Unter Clindamycin und dem Gel wieder Besserung aber nur kurzfristig. Dann habe ich nochmal in Ruhe am Zahn geguckt, dort ließen sich aus der Schleimhaut Zahnsplitter bergen, diese hat man vorher nicht sehen können, waren auch eher zu tasten ( ich möchte nur kurz anmerken, dass mein Mann und ich medizinisch ausgebildet sind, sonst hätten wir da nicht selbsttätig ausgetastet und vorsichtig die Spiltter geborgen).

Das ganze kam doch nicht zur Ruhe. In einer anderen Praxis wurde Bobby dann der Zahn in Narkose entfernt und die Wundhöhle ordentlch gesäubert und mit einem Kollagenvlies versorgt. Jetzt heilte es wirklich. Bobby konnte im Mai in ein größeres Gehege mit Naturstreu auf unseren Balkon ziehen. Das Gehege deckten wir zur Sicherheit mit einem Fliegennetz ab um Insekten von ihrem Maul fernzuhalten. Weiterhin war alles gut. Sie zog dann Anfang Juni in ein Aussengehege in unserem Garten.

Ich war dann 12 tage im Urlaub. Sie fraß weiter gut, auffallend war aber nun eine Kruste auf ihrer Nase vermehrt auf der beschädigten Seite. Eine Futterkruste hat sie nie gehabt und diese war auch schlecht zu entfernen und kam regelmäßig wieder. Letztlich war ein kleines Stück Stroh in ihre ungeschützte Lefze gedrungen. Vermutlich hat sie vermehrt darüber geleckt und gespeichelt. Wenn sie vermehrt speichelt läuft es an der Stelle mit der fehlenden Oberlippe hinaus. In der Zeit begann sie auch weniger zu fressen.

Trotz Entfernung des Fremdkörpers blieb der Appetit weniger. Im Maul ließ sich nichts finden. Vor einer Woche hatte sie eitriges Sekret am Zahnrand und roch aus dem Maul nach Eiter. Recht weit hinten im Maul sah es aus, als habe die Schleimhaut eine Tasche oberhalb der Zahnreihe. Wir denken, dass sich hier der Eiter entleert haben könnte. Sie bekam Clindamycin und wieder Chlorhexamed Gel auf das Zahnfleisch. Das Clinda spuckt sie aus, aktuell besteht keine Chance dass sie es nimmt. Am nächsten Tag war kein Eiter mehr zu finden, beide Maulseiten rochen normal. Die Behandlung mit dem Gel bekommt sie weiter.

Der Appetit ist weiter mäßig bis wenig. Wir bieten alle Klassiker an, aber begeistert ist sie nicht. Wir haben nochmal so gut es geht, die Maulhöhle untersucht, aber nichts verdächtiges gefunden.

Nun haben wir für Montag einen Termin in einer Praxis gemacht mit der Option sie zu sedieren um ggf besser gucken zu können.


Nun zum Winterschlaf im Sommer. Bobby hat seit sie bei uns ist 4 x ganze Nächte durchgeschlafen, an diesen Tag war es auch nicht möglich sie auszurollen. Das macht sie sonst sobald man sie auf dem Arm hat. Es waren für Sommermonate recht kühle Nächte, aber unsere anderen beiden Damen im Aussengehege habe sich auch normal verhalten ( wir haben leider noch 2 nicht auswilderungsfähige Igelinnen). Das ist für uns ein Rätsel. Bobby wiegt 1400 g , zu dünn ist sie also trotz geringer Nahrungsaufnahme nicht, ihr Kot war immer vorbildlich, sie hat nie gehustet oder andere Anzeichen eines massiven Wurmbefalls gezeigt. Sie hat ein waches Gesicht und ist abends auch im Gehege zu sehen.

Da sie ja vom Stroh einen Teil in der Lefze hatte, wollte ich das Haus neu einrichten, habe Stroh gegen Moos und Blätter getauscht, mit dem Erfolg, dass sie nicht mehr im Haus geschlafen hat und und tagsüber im offenen Futterhaus in der SOnne. Also haben wir ihr STroh zurück gelegt und nach und nach etwas Laub unter gemischt. Sie reagiert sehr empfindlich auf Veränderungen.
Ich habe immer im Hinterkopf, ob es für sie lebenswert ist und bin mir dem schmalen Grat bewusst. Ich habe immer gesagt, wenn ich das Gefühl habe, sie kann und will nicht mehr oder duldet die regelmäßigen Kontrollen nicht, dass auch ich dann aufgeben würde . Aber zum einen gab es ja auch längere Perioden wo alles stabil war zum anderen scheint es für sie ok zu sein, wenn man ihr Maul untersucht. Sie könnte ja auch unruhig sein, sich wehren oder einrollen.
So denke, ich kann man doch nicht einen ansonsten fitten großen Igel " erlösen". Sie buddelt nicht viel im Gehege, hat keine Laufspuren und sitzt oft ruhig zwischen ihren Buchsbäumchen.

Sie tut mir unglaublich leid und ich hatte zu Beginn des SOmmers wirklich überlegt, ob man sie in einen Igelfreundlichen Garten mit Futterstelle auswildern kann, auch Bekannte mit Igelerfahrung hatten dem zugestimmt, aber das Verletzungrisiko ist einfach viel zu hoch.
Nun hoffe ich, dass wir am Montag in Ruhe nochmal das Maul untersuchen können und sie v.a. bis dahin nicht wieder durchschläft, dann kann man sie nämlcih nicht anschauen, da sie sich nicht ausrollt.
Für Anmerkungen, Hilfestellung oder ggf Kritik bin ich offen.
Herzliche Grüße,
Vanessa

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Saturday, August 10th 2019, 11:25pm

Ich möchte nur noch kurz anmerken, dass die Wunde ansonsten komplett verheilt ist. Selbst das Loch im Nasengang ist zu. Es ist halt ein Defekt verblieben, der durch die fehlende Oberlippe leider unzureichenden Schutz der Maulseite bietet.

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Sunday, August 11th 2019, 8:36am

Hallo Vanessa
Sie haben Ihr Bestes gegeben und eigentlich eine gute Einstellung zu den Dingen, die ich absolut teile.
Ja. lassen Sie noch mal nachschaun und ggf. wenn alles so weit o:K. ist kann man den Versuch mit einem Gehege im Grünen durchaus wagen, aber nicht unkontrolliert frei im Garten.

Ihr Bericht zeigt klassisch, daß 1. Erfahrung bei Tierärzten fehlen und Engagement häufig ebenso.. Direkt anfangs hätte man eine Narkose machen und die Wunde korrekt reinigen sollen.
Aber dann hat Bobby ja noch mal die Kurve bekommen.
Es ist eine Gratwanderung
Wir bekommen verletzte Igel, die aber übelebensfähig sind und leben wollen. Wir wollen Leben erhalten und müssen im Laufe der Zeit erkennen, daß unser Ziel, das in Freiheit überlebensfähige Wildtier nicht mehr zu erreichen ist. Oft aber überleben Igel und sind für die Freiheit wieder fit, wo man es nicht angenommen hätte -also versuchen wir immer wieder, Leben zu erhalten.

Dann zu euthanasieren ist auch für mich eine Entscheidung , die ich vermeide, wenn es möglich ist.
Dennoch -ein Leben hinter Gittern in Gefangenschaft ist nicht nur gesetzwidrid sondern für die Tiere mit Sicherheit nicht die absolute Freude, den Sinn ihres Lebens ist ja auch , sich fortzupflanzen. Genau das können und dürfen wir ihnen ja nicht bieten.
Also bleibt nur ein Leben, so artgerecht wie möglich in Gefangenschaft.
Dazu erzähle ich Ihnen auch eine Geschichte.
Zu mir kam ein frisch durch Rasentrimmer verletzter adulter Igel, dem der Nasenschwamm fehlte.
Er fraß, alles schien zu heilen, wir haben überlegt, ihn nacht dem Winterschlaf kontrolliert auszuwildern. Dazu kam es nicht, Im Winterschlaf hat sich wohl Stroh an die Stelle angelegt, vielleicht auch gepiekst. Es kam zu einer Absonderung von entszündlichem Sekret. Das Antibiogramm zeigte, daß der Igel so gut wie gegen alle AB Wirkstoffe resistent war.
Eine Untersuchung in Narkose ergab eine massive aufsteigende Entzündung in die Kieferhöhlen, Nekrotisches Gewebe. Inzwischen fraß der Igel immer weniger, wir haben ihn dann erlösen lassen.
Uns wurde dann die Entscheigung über ein Leben in Gefangenschaft durch den Verlauf abgenommen. Dabei ist der Igel wohlgenährt und guter Dinge in den Winterschlaf gegangen, hat ganz normal wintergeschlafen und ist normal erwacht.
Übrigens, Sommerschlaf ist bekannt bei großer Hitze und Trockenheit. Igel in südlichen Ländern halten Sommerschlaf wie unsere Igel Winterschlaf.
Es würde mich interessieren, wie es mit Bobby weiter geht.
Liebe Grüße
Karin Oehl

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Sunday, August 11th 2019, 5:55pm

Hallo Frau Oehl,
Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Bobby lebt ja schon seit 2 Monaten im Freigehege. Wir haben Buchsbäumchrn gepflanzt und Holzunterschlupfe gebaut um es einigermaßen schön zu machen aber es ist natürlich nicht die Freiheit.
Ist es denn auch bekannt, dass Igel durchschlafen wenn die Temperaturen kurzfristig im Sommer fallen ? Trotz der reduzierten Futteraufnahme sieht sie gut. Vielleicht kommt das Alter auch hinzu, was sie mehr schlafen lässt und den Energieverbrauch senkt? Einer ihrer Zähne ist stark abgeschliffen.
Ich berichte morgen erneut.
Der kleine Nemo macht sich weiter besser. 900g :-). Levamisol hat er in 2 Dosen gut vertragen. Er niest weniger, tuckert nicht mehr ganz so schlimm.
Herzliche Grüße.

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Sunday, August 11th 2019, 6:14pm

Das wollte ich noch ergänzen, ich teile Ihre Ansicht bezüglich des Lebens in Gefangenschaft total. Und dass wir 3 Igel in Freigehegen wohnen lassen beschäftigt mich immer wieder und macht mich auch traurig.
Unsere Hope kam als Baby mit riesiger Wunde an der Flanke, das bekamen wir gut in den Griff. Er als sie zum Winterschlaf bereit war, fiel auf, dass der Ringmuskel nicht mehr intakt ist. Sie kann sich nicht einrollen, ein Hinterbein steht dann ab. Sie ist insgesamt ein bisschen schief aber das stört sie nicht. Im letzten Winter war sie in ihrem Gehege plötzlich immer wieder wach und draussen, es war ihr 2. Schlaf. Grund war ein bereits perforierter Abszess an der nicht einrollbaren Bauchseite. Sie auszuwildern mit der Einschränkung ist sicher nicht fair, wenn ihr was passiert stirbt sie vermutlich qualvoll an den Konsequenzen. Sie ist aber abends immer im Gehege unterwegs, scheint auch interessiert, denn sie läuft erst weg wenn wir draussen sind und linst dann hinter den Verstecken hervor anstatt in ihr Haus zu flüchten. Der Appetit ist eher zu gut.
Angel ist ein Findling vom letzten Herbst. Sie zeigte nie Schutzverhalten, kann scheinba nicht hören und bekommt in den meisten Fällen nicht mal mit wenn man sie beobachtet. Sie läuft 2x an meinen Schuhen vorbei bis sie beim dritten mal dran schnuppert. Das gleiche macht sie mit den Pfoten unserer Hündin. Ihr Geruchssinn ist auch nicht besonders ausgeprägt. Sie riecht Dinge scheinbar wirklich nur bei Nähe.
Wir mussten ein Auge entfernen lassen, da sie ein zystisches Gebilde direkt vor dem Augapfel hatte. Sie hatte als Baby ein trübes blindes Auge, welches immer mehr aufquoll. Nach dem Winterschlaf schien dieses einzubluten. Wenn Hindernisse im Weg waren, hat sie es zum Schutz nicht geschlossen. Auch ihr Appetit ist gut, sie ist jede Nacht im Gehege unterwegs. Ob sie als Jungtier evtl einen Unfall hatte ist nicht klar. Wir haben sie mit 200g übernommen.
Dieses nur als kurze Erklärung, nicht dass es den Anschein erweckt, dass wir die Igel absichtlich nicht wieder auswildern. Aber bei den beiden scheint das Leben ,das sie leider führen müssen, soweit ok. Sie wirken nicht unglücklich. Waren aber bei Auffinden ja noch ganz klein.

6

Sunday, August 11th 2019, 7:14pm

hasllo Vanessa
I

Nach dem , wie Sie die Igel beschreiben, sind sie wirklich nicht auswilderungsfähig und so ein an sich gesundes Tier zu töten, kann auch nicht die Lösung sein.
Hätte man von Anfang an gewußt, daß es so ausgeht, hätten Sie wahrscheinlich genau wie ich die Notbremse gezogen
Sie haben sehr genau beobachtt und dann die Konsequenz gezogen, die Igel im Freigehege zu halten. Wenigstens ein wenig Freiheit schnuppern sie und ob sie alt werden, wird sich zeigen.
Ich hatte einen Igel, dessen Augäpfel gar nicht angelegt waren, er ist relativ groß geworden, ehe er so tagaktiv gefunden wurde und von Rabenkrähen angegriffen und verletzt wurde.
Er wurde hier gesund und befindet sich bei einer guten Bekannten auch in einem mit Netz überspannten Freigehege. Er ist bald 7 Jahre alt und in diesem Sommer mußten seine Zähne saniert werden. Auch das steckte das Kerlchen noch gut weg.
Als alles heil war, wurde beobachtet, daß er in seinem Gehege einen Käfer knackte- ohne Zähne.

Nur lege ich Ihnen ans Herz -beim nächsten so schwer verletzten Igel genau überlegen -Sie wie ich können nicht unbegrenzt eine Rentnergang halten.
Klar, töten kann man nur einmal - und ein an sich gsundes Tier, was nur behindert ist ???????? Ich glaube, wir sind mit einer Brühe begossen -solange sie nicht offensichtlich leiden und lebenswillig sind - - - - -
Nein, von einem durchgehenden Sommerschlaf der Igel in unseren Breiten habe ich noch nie gehört

Ihnen herzliche Grüße
Karin Oehl


L.GKarin Oehl

This post has been edited 2 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Aug 11th 2019, 7:21pm)


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Sunday, August 11th 2019, 7:44pm

Hallo nochmal,
teils finde ich die Beurteilung zur Zufriedenheit, so weit man davon bei einem Wildtier in Gefangenschaft überhaupt sprechen kann, sehr schwierig. Deshalb möchte ich Bobby untersuchen lassen, denn ich hatte eigentlich dass Gefühl es macht ihr nicht so viel aus. Es kann natürlich auch Resignation gewesen. Eine Entscheidung hier fällt mir unglaublich schwer sollte medizinisch kein Grund gefunden werden. Natürlich könnte man sie freilassen mit dem Gedanken man hat ihr einen besseren Start als mit der eitrigen Infektion gegeben, aber fast wissend, dass sie ein extrem hohes Risiko für Folgeverletzungen hat finde ich das bedenklich. Ebenso die Entscheidung zur Euthanasie. Für uns war es immer wichtig keines unserer Tiere aus Egoismus am Leben zu erhalten, aber wie handelt man in diesem Fall. Einen Igel zu beurteilen ist natürlich eine ganz andere Herausforderung, die man in diesem Fall beinahe täglich überdenken sollte.
Es kann definitiv nicht dass Ziel sein, sie ständig behandeln zu müssen, so kooperativ sie ist, möchte ich ihr das nicht zumuten, aber den Zeitpunkt zu finden ist auch alles andere als leicht.... Wir warten erstmal morgen ab.
Viele Grüße.

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Sunday, August 11th 2019, 7:50pm

Darf ich nochmal fragen, wie groß das Gehege ihrer Bekannten ist und wie der Igel sich verhält ( Laufspuren, Buddeln,). Es ist ja nicht einfach sich über Aussengehege auszutauschen.

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Monday, August 12th 2019, 6:59am

Hallo Vanessa
Die Entscheidung ist nie leicht. Natürlich ist es so, daß irgendwann eine Behandlung bei aller Kooperation nicht mehr vom Körper toleriert wird und die Erfolglosigkeit immer deutlicher wird. Dann ist es Zeit, sich zu verabschieden.
Leben hat einen Wert an sich, wenn es aber ein dran Ziehen, ein wie weit kann ich gehen ist ohne die Interessen des Tieres in den Vordergrung zu stellen, dann ist das Ziel unserer Maßnahmen verfehlt un dich traue Ihnen zu, daß Sie nicht aus persönlicher Eitelkeit, sondern sehr verantwortungsbewußt mit der Frage umgehen.

Mein Auswilderungsgehege ist nur ca.2,5 qm groß, mit einer Abdeckung aus dem gleichen Material, Was wichtig ist, ist der nach innen noch gebotene untere Rand, so daß ein Igel sich nicht so leicht durchbuddeln kann.
Auch in der Natur geht der Igel gern an Rändern entlang, weil er sich da sicherer fühlt und er folgt immer wieder gleichen Wegen zu seinen Futterplätzen und Schlafplätzen, so daß es aussieht, als hätte er sich eine Straße gemacht..
Das hat nichts mit Unzufriedenheit und Ausbruchsversuchen zu tun.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

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Monday, August 12th 2019, 1:07pm

Hallo Frau Oehl,
Wir sind von der Tierärztin zurück. Sie hat Bobby sehr gründlich untersucht,Maulhöhle, im Laufen auf dem Boden, Augen .... Sie konnte nichts pathologisches feststellen. Genau wie ich hat sie auch den Gedanken, ob Bobby in der Gefangenschaft zunehmend unglücklich ist. Sie empfiehlt sie auszuwildern mit inkaufnahme , dass sie ein potentiell höheres Verletzungsrisiko hat. Auch nicht jetzt, damit sie sich nicht evtl doch noch paart, auch wenn es schon spät dafür ist, aber letztes Jahr gab es ja auch so viele Spätgeborene.entweder im Herbst oder aber meine Überlegung ist, wenn es so bleibt , im Frühjahr. Ich werde das in Ruhe entscheiden. Heute hänge ich die Kamera auf, um Bobby genauer zu beobachten. Da Bobby trotz geringerer Futteraufnahme gut genährt ist, meint sie, dass es aktuell evtl einen niedrigeren Energieverbrauch hat.
Ich fand sie sehr sorgfältig und bemüht. Auch ganz klar die Bedürfnisse eines Wildtieres im Vordergrund sehend.

Bezüglich der Aussengehege, unsere Hope hat leider tatsächlich eine Laufbahn angelegt. Sie läuft aber nicht ohne Unterlass. Das Verhalten ist sicher ebenfalls der Gefangenschaft geschuldet. Hope s aktuelles Gehege ist 3x 4m. Die anderen 3x3 m hat Bobby. Anders ging es leider nicht. In allen Gehegen haben wir Buchsbäumchrn, kleine Fichten und Hortensien gepflanzt sowie mehrere Unterschlupfmöglichkeiten aus Baumrinde und hölzernen Brücken. Ein Buddelschutz besteht ebenfalls. Die Umzäunung ist aus Bretter geschlossen um Klettern am Draht zu verhindern
Um die Pflanzen ist Mulch ausgestreut,um es ein bisschen natürlicher zu machen.
Wenn Bobby irgendwann doch raus geht, werden wir ihr Gehege für die anderen beiden aufteilen, damit sie jeweils mehr Platz haben.

Herzliche Grüße,
Vanessa

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Monday, August 12th 2019, 1:22pm

Hallo Vanessa
Die Wahrscheinlichkeit, sich noch zu paaren ist nicht sehr groß, aber möglich ist es noch. Darum - ja abwarten.
Ggf Winterschlaf noch in menschl. Obhut, absolut o:K.
Dann kann man weiter sehen.
Sie haben im Gegensatz zu mir ja Riesengehege. Nun, ich halte in meinem kleinen Gehege auch nur Handaufzuchen ca zwei Wochen lang bis zur Auswilderung.
Es ist gut daß sie die Gehege etwas ausgestaltet haben, denn sie sind ja für eine Dauerbelegung ausgelegt. Unser Gehege wird rund um einen Busch gestellt und dann können sie
da rumlaufen, mal graben usw.


Die Laufspur ist absolut normal und hat nichts mit Gefangenschaftskoller zu tun.
Ich schrieb ja bereist- auch in Freiheit lebende Igel gehen ihre Wege ab, wenn sie wissen, wo sie Futter und Unterschlüpfe finden.

Ich hoffe, daß es gut geht bei Ihrem Igel. Die Tierärztin scheint wirklich sehr kompetent und sorgfältig mit dem igel gewesen zu sein, Kann es daran liegen, daß Sie Ärztin im Humanbereich sind?
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

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Monday, August 12th 2019, 4:25pm

Hallo Frau Oehl,
die Tierärztin hat einige Zeit das Igelzentrum hier in der Gegend betreut und eine Bekannte , die eine private Igel Station hat, stellt dort die Tiere vor,die weitere Hilfe benötigen.
Die Praxis hat direkt bei Anmeldung mehr Zeit für eine evtl Sedierungsuntersuchung eingeplant und am Telefon bereits nach Vormedikationen gefragt.
Ich hatte Nemo auch mit ,da ich gerne nochmal einen zweiten Blick haben wollte, da er ja nach wie vor noch dtl tuckert. Auch hier hat sie sich viel Zeit genommen, ihn beobachtet und abgehört. Mit beiden Igeln war ich ca 40 Minuten im Behandlungszimmer.
Das hat mir sehr gut gefallen.
Viele Grüße.

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Monday, August 12th 2019, 4:34pm

Für unsere Gehege habe ich unseren Pfauen, die den ganzen Tag im Garten frei sind, 3/4 ihrer Voliere gemopst. Das hat den grossen Vorteil ,dass es nochmal mit Draht gesichert ist und es steht ein großer Walnussbaum drin, von dem Hope fleißig Blätter gesammelt hat für den Winterschlaf, somit ist ein Grossteil sehr schattig und etwas regengeschützt.
Aber die Freiheit ersetzt es leider nicht. Im Frühjahr hatten wir das Bobby Gehege für die Uungigel abgetrennt, so dass jeder ein bisschen Frischluft schnuppern konnte bevor es in die Freiheit geht.
Ich hätte Ihnen gerne einmal Bobbys Maul gezeigt, aber ich kann hier keine Bilder hochladen.

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Wednesday, August 14th 2019, 11:31am

Hallo Frau Oehl,
Wir haben nun die Kamera im Gehege aufgestellt. Vorletzte Nacht war Bobby 2x im Gehege unterwegs, man sieht sie schnuppernd mit erhobener Nase und beim Laufen in normaler Haltung. Gefressen hat sie weiter nur kleine Portionen. Letzte Nacht bei ca 11 Grad war sie überhaupt nicht aus ihrem Haus gekommen. Ich bin absolut ratlos.
Viele Grüße,
Vanessa

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Wednesday, August 14th 2019, 12:19pm

Hallo Vanessa
Die Nacht war wohl auch nicht sehr einladend
Lassen Sie Bobby ein wenig Zeit, sich zu aklimatisieren und beobachten Sie das Tierchen.
Wenn es so kühl ist, fressen Igel in der Regel auch weniger. Aber das normalisiert sich auch wieder -wenn nicht - -- - - - - - - -
Kleine Nachhilfe mit Catosal oder Vitamin B Komplex????? Wie liegt Bobby in seinem/ihrem Schlafhaus? Normal im Schlaf entspannt in Seitenlage und offen. Aber auch fest eingerollt ist normal.

Bitte noch nicht aufgeben
Liebe Grüße Karin Oehl

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Wednesday, August 14th 2019, 12:28pm

Wenn sie durchschläft bei kühlen Temperaturen ist sie fest eingerollt.
Sie lebt jetzt 2 Monate in ihrem Gehege,eigentlich kennt sie es ja.
Ich lasse sie auch ganz in Ruhe. Über die Kamera können wir sie ja gut sehen.
Herzliche Grüße.

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Wednesday, August 14th 2019, 12:30pm

Aufgeben kommt nicht in Frage, das Auswildern bei dem Verhalten aber aktuell auch nicht. Da stimmt mein Bauchgefühl nicht.
Catosal behalte ich im Hinterkopf. Wenn sie wach ist ,werde ich sie nochmal wiegen ,ob sie abnimmt.

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Wednesday, August 14th 2019, 1:18pm

Hallo Vanessa
Sollte das wirklich wieder ihr Sommerschlaf sein, den Sie schon beschrieben haben?
Dann lassen sie es einfach zu und wenn sie erwacht, bekommt sie etwas Schützenhilfe und ggf kann sie verlorenes Gewicht wieder aufbauen.
Nein, so würde ich sie auf keinen Fall in die Freiheit geben, das wäre mir viel zu heikel
Viel Glück
L.G.Karin Oehl

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Thursday, August 15th 2019, 1:27pm

Kurzes Update. Bobby hat auch diese Nacht ihr Haus nicht verlassen. Ich werde bis zum Wochenende warten und dann vorsichtig nachsehen. Ich möchte sie nicht ständig stören und ggf wecken ginge nur durchs ins Haus ins Warme holen.
Ob es dieses Verhalten bei freilebenden Igeln gibt, ist ja sicher schwer nachzuweisen.

Beste Grüße,
Vanessa