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Mittwoch, 10. Januar 2018, 14:15

Igeldame nimmt 4 Gramm zu und 3 Gramm ab - was tun?

Hallo liebe Igelfreunde!
Seit Wochen kämpfen wir um ein kleines Igelmädchen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist sie nun gesundheitlich stabil.
Sie kam mit knapp 250 gr (logischerweise an einem Wochenende) zu uns verlor dann aber schnell Gewicht bis auf 199 gr. Tierärztliche Untersuchungen ergaben die üblichen Diagnosen Würmer und Lungenwurmhusten. Nachdem das endlich überstanden war, gab es Magen-Darmprobleme. Auch diese haben wir, dank unserer Tierärztin, gut in den Griff bekommen und überstanden. Wir päppelten sie mit Convalescence Support langsam hoch, wie ein Baby mit der Spritze alle paar Stunden. Ging nicht anders, denn l
eider ist die kleine Lucie auch sehr wählerisch mit dem Futter und wollte nicht alleine fressen. Trotzdem: Die kleine Dame nimmt 4 Gramm zu und 3 Gramm ab. Und das geht nun schon eine ganze Weile so. Nach einer Weile nahm sie dann endlich ihre Mahlzeiten aus einem Schälchen.
Endlich hatten wir sie auf 375 Gramm und versuchen nun das Futter langsam auf Convalescence mit Rührei zu mischen. Klappt auch - Gewicht aber wieder runter auf 355 gr obwohl sie gut frißt. Trotzdem weitergemacht - Gewicht auf 375 gr. Innerlich schrien wir HURRA!
Jetzt haben wir angefangen sie mit Igelnassfutter und Rührei zu versorgen. Frißt gut, aber Gewicht wieder runter auf 356 gr. Wir verzweiflen langsam. Hat jemand eine Idee? Laut Untersuchungen ist sie gesund. Und die Futterumstellung machen wir auch langsam. Nur das ewige rauf und runter des Gewichts macht uns sorgen. Der Kot sieht absolut normal aus.
Wir kontrollieren sogar nachts und sie ist auch aktiv. Sie hat verschiedene Versteckmöglichkeiten, Klettermöglichkeiten und eine Heizmatte, unter der sie lieber schläft als in einem Häuschen. Was können/sollen wir nun noch machen damit diese kleine Maus endlich zunimmt. (Um ehrlich zu sein, sie erinnert uns ein wenig an "Oscar" aus "Die Blechtrommel".)
Aber hat jemand einen Rat? Wir sind langsam mit unserem Latein am Ende. Und aufgeben ist für uns keine Option!


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Mittwoch, 10. Januar 2018, 18:00

Hallo Hella
lassen Sie unbedingt den Kot noch mal untersuchen, am besten von einem professionellen Labor.
Behandlungsfähig ist nur der adulte Parasit, dessen Geschlechtsprodukte Eier und Larven im Kot nachweisbar sind. Aus denen kann sich noch mal eine Population nach der Präpatenzzeit von durchschnitztlilch drei Wochen entwickel

Dazu würde ich empfehlen das frei verkäufliche Droncit zu geben (Tabl. gegen den Bandwurm des Hundes aber hochwirksam auch beim Darmsaugwurm und sehr gut auch von schwachen Igeln verträglich)
Der Darmsaugwurm ist schwer nachweisbar, aber er hat sich flächenbrandähnlich ausgebreitet.

Droncit Tabl. werden bei Igeln von unter 500 g 1/4 Tabl in wenigen Tropfen Wasser aufgelöst und mit Spritze ohne Nadel direkt ins Mäulchen gegeben.


Viel Glück
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

3

Mittwoch, 10. Januar 2018, 21:26

Danke
für die schnelle Antwort. Ich werde dann noch einmal Kotproben sammeln und einschicken. Und Droncit werde ich auch vorsorglich besorgen, damit ich, wenn das Ergebnis da ist, schnell reagieren kann. Zum Glück habe ich ein gutes Labor.

Mich wundert nur, das jetzt wieder ein Parasitenbefall vorliegen soll, da wir im Laufe der Zeit mehrfach kontrolliert haben und alles in Ordnung war. Aber sobald ich was weiss, werde ich berichten.
Bis denne...

Mit freundlichen Grüßen
Hella

4

Donnerstag, 11. Januar 2018, 07:47

Hallo Hella
Warten Sie mit dem Droncit nicht ab, sondern geben es direkt, Wenn es der Darmsaugwurm ist, ist es ein gefährlicher Parasit.

ich empfehle nach Ablauf der Präpatenzzeit immer eine Kotkontrolle.
Jede Entwurmung wirkt nur auf den adulten Parasiten.
Aus dem im Kot nachweisbaren Geschlechtprodukten (eier, Larven) kann noch mal eine dicke Population nachwachsen.
Das heißt nicht, daß die Entwurmung nicht gewirkt hätte.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

5

Freitag, 12. Januar 2018, 12:52

Hallo Karin!
Sorry, gestern konnte ich nicht mehr antworten. Lucie frißt gut und hat auch wieder etwas zugenommen. Sie wiegt jetzt 365 gr. Droncit habe ich verabreicht. Kotproben werden gesammlt und eingeschickt. Ich habe auch noch einmal mit unserer Tierärztin Rücksprache genommen. Sie hält es zwar für möglich, das eine Reinfektion vorliegt, glaubt es aber nicht wirklich. Lucie wurde ja über einen längeren Zeitraum von ihr behandelt, dabei auch mehrfach entwurmt. Warten wir nun die Ergebnisse ab. Soweit also alles in Ordnung.

Dafür wurde ich gestern zu einem Notfall anderer Art in unserer Nachbarschaft gerufen. Bei Gartenarbeiten hatte man einen großen Igel ausgegraben, also aufgestört. Das Kerlchen schnaufte und fauchte. Leider konnte er dort jetzt nicht mehr beleiben. Ich habe ihn dann vorsichtig in eines unserer Aussengehege in ein Schlafhaus gelegt. Zum Glück haben wir immer vorbereitete Gehege und Häuschen. Futter und Wasser steht ebenfalls bereit. Die Kontrolle heute morgen hat ergeben: Er hat wohl etwas Trockenfutter gefressen und scheint wieder zu schlafen. Ich will ihn nicht weiter stressen und untersuchen. Er machte einen gesunden Eindruck. Werde heute Abend das Gehege beobachten (Wildtierkamera). Sollte er jedoch wieder fest eingeschlafen sein, wird er bis zu seinem Erwachen im Frühjahr hier nicht mehr gestört werden!

Sie sehen, wir geben uns wirklich alle Mühe diesen kleinen Klabautern zu helfen. Ich werde Sie weiter informieren. Bis denne...

Liebe Grüße
Hella

6

Freitag, 12. Januar 2018, 14:04

Hallo Hella

Wenn sich Ihr Pflegling langsam so gut entwickelt, dürfen Sie sich gern auf die Schulter klopfen und solche Nachrichten sind auch für mich immer erfreulich.
weiter so!
Entwurmen ist nicht gleich entwurmen - das vorab.

glauben ist gut, Kontrolle besser.

Sie haben mit dem neuen Igel genau das Richtige gemacht. Hoffen wir mal, daß er wieder einschläft -aber so ein Aufwachprozess ist für die Tiere extrem anstrengend. Wie gut, daß er dann Futter und Wasser findet.

Ohne Not bitte nichts weiter unternehmen!
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

7

Sonntag, 21. Januar 2018, 14:34

Hallo Karin!

Ich habe das Ergebnis der Kotproben. Unsere Tierärztin und ich wir waren etwas erstaunt, da wir ja bereits alles abgedeckt hatten. Dachten wir. Es hat sich herausgestellt:

Parasiten: hoher Gehalt Haarwürmer (Capillaria sp.), mäßiger Gehalt Lungenhaarwürmer (Capillaria aerophila), geringer Gehalt Lungenwürmer (Crenosoma striatum). Wir behandeln jetzt wieder von vorne. Käfighygiene hoch 10.

Lucie entwickelt guten Appetit und hat auch wieder zugenommen. Sobald die 400-Gramm-Hürde geschafft wurde gebe ich wieder bescheid. Danke für den Hinweis noch einmal Kotproben untersuchen zu lassen. Es hat sich gelohnt.

Ach ja, unser Gartenbauopfer schläft wieder seelig und süß. Bisher haben schon wieder 7 Igel den Weg zu mir gefunden. Auf dem Foto, das ist unser heutiger Fundigel, 355 gr. Nicht einmal so groß wie ein 20-€-Schein. Er wurde (vergeblich) nach Futter suchend heute Mittag gefunden. Jetzt ist er erst einmal gut versorgt, darf sich aufwärmen und dann etwas fressen. Morgen wird er dann durchgecheckt. Unsere Tierärzte und ich, wir sind ein gutes Team.
Alle Igel sind auf gutem Weg - und der kleine Kerl wird´s auch schaffen!

Liebe Igel-Grüße

Hella
»Hella« hat folgendes Bild angehängt:
  • 20 € Igel.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Hella« (21. Januar 2018, 14:43)


8

Montag, 22. Januar 2018, 06:56

Hallo Hella
Dieser Befund kann einmal daher rühren, daß nicht gezielt wie Pro Igel e. V. es im Buch Igel in der Tierarztpraxis schreibt, entwurmt wurde, denn nicht jedes Mittelchen wirkt gegen jeden Wurm und Igel vertragen auch nicht alles.
Ein anderer Grund kann sein: Behandlungsfähig ist niur der adulte Parasit, desssen Gschlechtsprodukte (Eier- Larven) im Kot nachweisbar sind. Aus diesen kann nach Ablauf der Präpatenzzeit, also der Entwicklungszeit vom Ei zum behandlungsfähigen erwachsenen Parasiten noch mal eine Population heranwachsen, die erneut behandelt werden muß.
Dann mal noch mal ran, aber richtig. Wie es richtig geht, kann im Buch
Igel in der Tierztpraxis
nachgelesen werden, Es ist zur Not auch im Internet aufrufbar.
Schade, daß so viel Zeit vergehen muß und die Zeit für das Tier, wo es winterschlafen könnte, immer knapper wird.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

9

Montag, 22. Januar 2018, 11:37

Liebe Karin,
wir tun was wir können! Wir haben das Buch in allen mitarbeitenden Praxen verteilt und arbeiten auch danach. Aber manchmal braucht es doch noch jemanden, der einem den Schups in die richtige Richtung gibt. Danke dafür! Sie macht fortschritte, und zwar große. Bis demnächst...
Liebe Grüße
Hella

10

Montag, 22. Januar 2018, 12:15

Viel Glück liebe Hella und bitte berichten Sie, wie es weiter geht
L.G:.karin Oehl

11

Montag, 29. Januar 2018, 16:13

Hallo Karin!

Lucie hat die 400-Gramm-Hürde geschafft!!! Sie entwickelt sich gut. Ich bin froh, nicht aufgegeben zu haben. Aber das mit dem Winterschlaf wird wohl nicht mehr klappen. Vielleicht noch etwas Winterruhe.

Aber in den letzten Jahren hatte ich auch immer wieder Igel(Freigänger), die nicht in Winterschlaf gegangen sind. Ihre Spuren konnten wir im Schnee sehen. Kann es sein, das der Igel sich mehr und mehr anpasst und einen Winterschlaf, wie wir ihn kennen, gar nicht mehr so dringend benötigt? Wir haben auch jetzt immer wieder Besuch von Freigängern. Sie scheinen keinen Winterschlaf zu halten.

Jetzt habe ich aber noch ein paar andere Fragen: Wir haben immer wieder Igel mit Atemproblemen, bei denen wir Inhalationen machen (müssen). Wir überlegen nun, ob es Sinn macht eine Art Inhalationskammer für Igel zu bauen. Handelsübliche Inhalatoren gibt es ja schon für kleines Geld. Hat jemand Erfahrung mit Inhalatoren beim Igel? Was gäbe es zu beachten? Über Infos würde ich mich sehr freuen. Wir sind für jede Anregung dankbar.

Liebe Grüße
Hella

12

Montag, 29. Januar 2018, 16:38

Hallo Hella
Erst mal Glückwunsch, daß der kleine Kerl die Kurve bekommt
Auch wir hier haben zunehmend mit anhaltenden Atemproblemen bei Igeln zu tun.
Wir machen in dem Sinne keine Inhaltationen, sondern legen Lappen mit z. B. Einreibematerial ohne Menthol in die Schlafbox.
Das ist weniger aufwendig und doch wirkungsvoll.
Ich denke, auch die Igel bekommen die Verschiebung des Klimas mit, aber winterschlafen sollten und wollen sie doch.
Wenn da was im Schnee rumläuft, kann es nicht gesund sein.
Dennoch spreche ich das Phänomen mal mit der sehr erfahrenen Frau Neumeier an. die Antowrt lasse ich Sie wissen.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

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Mittwoch, 14. Februar 2018, 10:18

Geschafft!!!

Hallo karin!
Ich wollte nur noch einmal von Lucie und ihren Freunden berichten. Lucie geht auf die 600 gr zu. Sie hat es endlich geschafft. Danke für den Tip noch einmal den Kot zu überprüfen.
Der zweite kleine Kerl hat es auch geschafft. Jetzt hab ich noch Bennie mit der Lungenentzündung. Aber auch er ist auf dem Weg der Besserung. In den letzten Tagen kam noch eine ältere Igelin dazu. Sie war über und über mit Zecken behaftet. Aber auch sie ist nach allen notwendigen Untersuchungen jetzt auf dem Weg der

14

Mittwoch, 14. Februar 2018, 10:45

--Fortsetzung--

Besserung.
Vielen Dank noch einmal für die Hilfe.
LG
Hella


Liebes Team!
Ich habe versucht meinen Beitrag noch einmal zu überarbeiten. Leider brach das Programm dies ab. Ich persönlich halte diese 15-Minuten-Frist für etwas ungünstig. Leider ist dadurch mein gesammter Anhang ins Internet-Nirwana entschwunden. Schade!
Bis denne...

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Mittwoch, 14. Februar 2018, 10:53

hallo Hella
Wie schön, daß Sie berichten können, daß Ihre Pfleglinge auf so gutem Wege sind.
Was mit der zeit im Forum ist, weiß ich nicht, das ist Sache unseres Moderators und Betreibers dieser Seite.
Gern werde ich ihm von Ihren Problemen damit berichten, wenn er nicht schon selbst mitliest.
Hier ist es noch mal sehr kalt geworden mit dem Ergebnis, daß meine Fußballmannschaft schläft
Allerdings beherberge ich noch Igel, deren Behandlung noch nicht abgeschlossen ist und die im frühen Jahr hier völlig verelendet ankamen
Aber auch die sind auf einem guten Wege -
Ist ist schon was mit der stacheligenBande -einfach ist es selten.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

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Sonntag, 13. Mai 2018, 09:33

Nachtrag zu Lucie

Hallo Karin!
Ich wollte nur kurz noch einmal von unserer Lucie berichten.
Nachdem wir noch einmal alles Behandelt hatten erholte sich Lucie erstaunlich schnell. Sie ging dann auch noch einige Zeit in Winterschlaf. Als sie wieder munter wurde haben wir sie in eines unserer Aussengehege umquartiert. Hier fand sie sich auch bald wieder so gut zu recht, dass wir sie mit knapp 1100 Gramm dann endlich in einem guten neuen Zuhause unterbringen konnten. Ein toller, naturnaher Garten mit vielen Versteckmöglichkeiten. Die neuen Igelfreunde wurden gut instruiert und haben sich entsprechend auf den Igel vorbereitet. Igelhütte und Futterstelle wurden eingerichtet. Seitdem erfreuen sich an einem regelmäßigen Gartenbesucher.

Vor kurzem konnten wir einen weiteren Igel in dieses großes Areal vermitteln. Wie Lucie brauchte auch dieser leider ein neues Zuhause. Jetzt durchstreifen beide Igel den Garten und die Umgebung. Wir wünschen ihnen noch ein langes Igelleben und unseren Igelfreunden noch viel Freude an ihren nächtlichen Besuchern.

Vielen Dank noch einmal für Ihre Hilfe. Das hat uns weitergeholfen. Wir haben daraus wieder etwas gelernt. Das wird zukünftigen Igel helfen. Alles Liebe und Gute weiterhin.

Viele Grüße
Hella

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Dienstag, 15. Mai 2018, 08:05

Hallo Hella
Gäbe es doch noch viel mehr solch positiver Berichte.
Herzlichen Dank dafür.
Ihr Bericht zeigt mir, daß meine Arbeit doch Früchte tragen kann, das ist der Sinn, sie zu tun - über den Tellerrand der eigenen Station hinweg Hilfen geben z u können
Es motiviert mich sehr, nach Kräften weiter zu machen.
Auch meine besten Wünsche gehen an diese Stachler und natürlich an Sie.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

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