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Donnerstag, 21. Dezember 2017, 15:30

Igel vor 2 1/2 Wochen gefunden - Wie weiter vorgehen?

Guten Tag,

vorletzten Montag (also vor 2 1/2 Wochen) fand ich einen Igel, der draußen nahe der Dorf-Hauptstraße durch die Landschafft "irrte". Ich zögerte nicht lange, verfrachtete ihn in eine Box und fuhr mit ihm in die Tierklinik. Dort wurden ihm zahlreiche Zecken entfernt, eine Antibiotika- und eine Wurmkur verabreicht. Die Antibiotikabehandlung setzte ich nach Anraten des Tierarztes noch gut eine Woche fort und auch die Wurmkur wurde am letzten Montag noch einmal wiederholt. Nun ist es so, dass der Igel, welcher derzeit in einer Box im Wohnzimmer weilt, trotzdem noch ab und an "niest", sonst aber in einem guten Gesundheitszustand ist, wenigstens meines Erachtens. Nachts lasse ich ihn, freilich nicht ohne diverse Vorsichtsmaßnahmen getroffen zu haben, frei, wodurch er das Zimmer für sich allein beanspruchen kann. Sein Fressverhalten (Katzenfutter) ist derweil sehr gut.

Meine Frage ist nun die, wie ich am besten weiter mit ihm verfahren soll... Ist er trotz des gelegentlichen Niesens bereit, in den Winterschlaf zu gehen? Und wäre ein Kellerraum (mit zwei Fenstern, die Durchzug gewährleisten könnten) angemessen? Oder doch lieber nach draußen, gleichwohl die Temperaturen derzeit sehr mild sind?

Für eine Rückmeldung bedanke ich mich bereits im Voraus!

Viele Grüße,
Igelwolf

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Freitag, 22. Dezember 2017, 18:49

Hallo Igelwolf

Entschuldigung, mein Stil mag Ihnen unfreundlich und hart erscheinen, Igelleute sind halt stachelig. Aber da ist so Einiges in guter Absicht nicht rund gelaufen und ich bin kein Freund von
Schmusekurs, sondern rede mal ganz direkt.

1. Wurmkur ist ncht gleich Wurmkur, Da ist wieder völlig ohne Diagnose irgendwie therapiert worden, aber man ist als Laie ja weißkittelgläubig, der Doktor muß es ja wissen.
Mir stellen sich bei solchen Berichten die Stacheln auf.

2. Die Sache mit dem Antibiotikum war nicht schlecht.

3. der Igel sollte zwar zunächst bei Raumtemperatur gehalten werden, aber nicht frei Inder Wohnung laufen dürfen. Da sollte man sich schon mal ein Gehege besorgen. igel koten überall hin.

4. Es sollte ein Pflegeprotokoll mit Gewichtsverlauf geführt werden Regelmäßiges Wiegen ist zunächst mal angesagt.

5. wäre es interessant, was Sie füttern und wie der Kot des Igels optisch aussieht. Futterplan finden Sie auch hier im Forum und natürlich auch in den Merkblättern s. u.

.6 ist an Winterschlaf erst dann zu denken, wenn der Igel sein Gewicht erreicht hat (ca 600 g als Jungigel und maximal 800g . Gewünschte Gewichtszunahmen 10 g täglich, 70 g. pro Woche.
und wenn der Igle ganz gesund ist und die Medikamente mehr als 8 Tage verstoffwechselt sind.

In die Freiheit darf der Igel erst im nächssten Frühjahr, wenn die Nachttemperaturen +8° ein paar Tage nicht mehr unterschreiten und die Futtertiere wieder aus dem Boden hochkommen und erreichbar für Igel sind.

7. sollte noch mal eine Kotkontrolle durchgeführt werden, denn wenn möglicherweise unsachgemäß entwurmt wurde, dann war das ein Schuss in den Ofen.

8. Sollten Sie sich einlesen unter www.pro-igel.de bes. empfehle ich Ihnen die Merkblätter http://www.pro-igel.de/merkblaetter/merkblaetter.html#merk

Vielleicht lesesn Sie mal zum Thema Tierärzte hier im Forum div. Beiträge und unter Information den Beitrag aus dem deutschen Tierärzteblatt zum Thema Igel entwurmen.

Tierärzte sind zum Igel fast nie ausgebildet, häufig aber eingebildet und sie wurschteln rum, Der Igel ist finanziell nicht interessant und darum bildet man sich nicht fort, der Laie schluckt vom Tierarzt doch alles.
Aber es gibt sachkundige und fortbildungswillige Tieräzrte und die brauchen wir auch dringend, weil der Igel das am häufigsten in der Tierarztpraxis vorgestellte Wildtier ist.
Von Tierärzten für Tierärzte wurde das Buch geschrieben

Igel in der Tierarztpraxis, das gerade neu aufgelegt wird, Es ist jedem Tierarzt ans Herz zu legen, bevor er eigenwillig rumwurschtelt und ohne Diagnose therapiert mit irgendwas.

Wenn weitere spezielle Fragen auftauchen, bin ich gern für Sie da.

Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Karin Oehl - Pro Igel e.V.« (22. Dezember 2017, 19:03)


3

Freitag, 29. Dezember 2017, 15:12

Hallo Frau Oehl,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Der Igel wurde mit Advocate für Katzen (0.4) entwurmt (14 Tage später erneut). War dieses Mittel eine gute oder eher eine bescheidene Wahl? Und ist es fernerhin ein weiteres Mal vor dem Winterschlaf nötig (etwaige mit einem anderen Mittel)?

Zum Fressen bekam er bisher folgendes Katzenfutter: Animonda-Pute (nass) und sehr vereinzelt Sanabelle-Pute (trocken). Sein Kot war lediglich anfangs grün und weich, veränderte sich aber schon nach wenigen Tagen in ein dunkles braun/schwarz, gleichwohl in weicher (nicht flüssiger) Konsistenz.
Nach einer oberflächlichen Betrachtung würde ich seinen Allgemeinzustand, abgesehen von dem partiell aufretenen Niesen/Husten, als gut bezeichnen, da er einen sehr vitalen, wohlgenährten Eindruck macht.

Unser Plan war nun der, dass er nach Silvester in den Winterschlaf gehen soll. Könnte man das so verantworten? (Zuvor werde ich mir freilich noch einmal die Merkblätter zum Thema Winterschlaf zu Gemüte führen).

Abermals besten Dank im Voraus.

Viele Grüße,
Igelwolf

4

Freitag, 29. Dezember 2017, 15:32

Hallo Igelwolf
Zweimal mit Advocate entwurmt, da habe ich Bauchschmerzen.
Und wahrscheinlich aus der Tube auf den Igel??????
Das muß ganz genau nach Gewicht dosiert werden, sonst kommt es zu einer Übedosierung.
Und das Futter - der weiche und wahrscheinlich übel stinkende Stuhl kommt daher, weil 1. das Futter zu mager ist, man sollte ein wenig guten Pflanzenöls beimischen und dieses Futter passiert den Darm zu schnell
Es ist zwar schön eiweißreich, aber es kann alles gar nicht ausreichend ausgewertet werden. Wenn Sie ein klein wenig Weizenkleie dazu mischen würden, wäre es fast perfekt. Und immer mal die Sorten wechseln.
Achten Sie bitte auf einen hohen Fleischgehalt des Futters und daß kein Zucker und kein Getreide zugesetzt ist. Weizenkleie ist nicht nährend , sondern ein reiner Ballaststoff.
Schaun Sie doch mal auf den Futterplan hier im Forum oder auf die Schriften von Pro Igel e.V.
Winterschlaf bitte erst dann, wenn
1. der Igel völlig gesund ist und das nötige Gewicht hat
2. mindestens 8 Tage keinerlei Medikamente mehr gegeben wurden.
Da Ihr Igel nicht so ganz toll behandelt wurde, wäre es sinnvoll noch mal 3 Tage Kotproben in ein Röhrchen zu geben und diesen Kot untersuchen zu lassen.
Was wiegt Ihr stacheliger Gast denn?
Zum Winterschlaf sollte er ca. 600 g auf die Waage bringen, wenn es ein Jungtier dieses Jahres ist.
Ein Altigel darf locker mal das Doppelte auf die Waage bringen.
Mit freundlichem Gruß und guten Wünschen zum neuen Jahr
Karin Oehl

5

Mittwoch, 3. Januar 2018, 18:53

Guten Abend, Frau Oehl!

Ja, Ihre Vermutung ist leider richtig. Die Dosierung belief sich jeweils auf 0,4 ml. Ist hier von einer Überdosierung zu sprechen (bei Auffindung brachte er etwas über 800 g auf die Waage)?

Das Katzenfutter ist frei von Zucker und Getreide, d.h. der stachelige Kamerad bekommt das gleiche Futter wie meine Katzen. In jedem Fall werde ich alsbald Weizenkleie besorgen und ihm ins Futter mischen.

Derzeit wiegt er zwischen 900 und 1000 g, so dass ich davon ausgehen, dass er kein Jungtier ist. Abgesehen von dem bereits vermerkten gelegentlichen Niesen oder Husten scheint er mir auch gesund zu sein. Wäre eine Kotuntersuchung per se ratsam? Oder kann man ihn in den nächsten Tagen ohne schlechten Gewissens (rekurrierend auf sein Gewicht und Allgemeinenzustand) dem Winterschlaf überantworten?

Vielen Dank abermals und auch Ihnen für das neue Jahr alles Gute!

6

Donnerstag, 4. Januar 2018, 07:43

Hallo Igelwolf
Ob eine Überdosierung vorliegt, können sie leicht selbst erfahren, wenn Sie mal das Buch
Igel in der Tierarztpraxis im Netz aufrufen
Dann können Sie bei möglichen neuen Fällen Ihren Tierarzt auch damit konfrontieren.

Alle Wildtiere haben Parasiten, also auch Igel. Seit der Kreidezeit haben sie würmer und Schnecken, die Zwischenwirte ihrer meisten Innenparasirten gefressen und mit ihren Parasiten gelebt.gelebt. Durch den Rückgang der Insekten, also der nahrungsvielfalt greifen die Igel auf die noch verfügbare Nahrung, vorwiegend Würmer und Schnecken zurück und sind stärker verwurmt. Das schwächt sie und sie erkranken auch auf Grund der Belastung der Bodentiere.

Ihr Pflegling scheint ein Alttier zu sein und es hätte längst eine Kotuntersuchung gemacht werden sollen und ggf eine gezielte Behandlung.
Advocate, was er ja zweimal bekommen hat, ist auch wirksam gegen den Lungenwurm im Igel

Er hat ein vertretbares Gewicht als Alttier, aber schaun Sie noch mal auf die Figur -ist sie tropfenförmig, vorne spitz, hinten rund oder eher walzenförmig und sieht man einen Halsansatz?
JUNGTIERE des Jahres sollten nie mehr als 800 g vor dem Winterschlaf auf die Waage bringen, ein fetter Igel ist kein gesunder Igel
Aber ein Alttier - und um ein solches scheint es sich bei Ihrem Findling zu handeln - darf locker ^1300 bis 1400 g wiegen.

Also ich würde auf jeden Fall noch mal eine Kotuntersuchung machen lassen und ihn weiter füttern.
Wenn der Befall an Innenparasiten nicht so hoch ist, kann der Igel diese behalten und in den Winterschlaf gehen, so er denn dazu bereit ist.
Sollte der Befall sehr hoch sein, muß entwurmt werden und zwar gezielt nach Befund und den Vorgaben von Pro Igel e.V.
Danach sollte das Tier mindestens 8 Tage noch drin gehalten werden, damit die Medikamente verstoffwechselt werden können.
Übrigens gehen die Parasiten mit dem Igel in den Winterschlaf und erwachen etwas später als der Igel wieder. Aber ein stark verwurmtes Tier kann nicht genügend Reserven aufbauen und viele versterben im Winterschlaf oder sie erwachen zu früh und verelenden dann.
Erst dann kann man den Versuch machen , ihn zum Winterschlaf zu bewegen.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

7

Freitag, 13. April 2018, 10:06

Hallo Frau Oehl,

der Igel ist vor knapp zwei Wochen aus dem Winterschlaf (im kühlen Keller [ehe er aufwachte wurden nur bei ohnehin wärmeren Außentemperaturen die 6° überschritten] mit offenen, Durchzug gewährleistenden Fenstern; er hatte den kompletten Raum für sich und freilich sein gut isoliertes Haus) erwacht. Die ersten fünf Tage nach dem Erwachen hatte er sehr ordentlich gefressen und war grundsätzlich sehr aktiv, ehe er ca. fünf Tage später wieder für dieselbe Zeit "einschlief", bis er vorvorgestern (also Dienstag Nacht) abermals erwachte und sein Futter wie gewöhnlich fraß. Seit vorgestern (Mittwoch) aber rührte er sein Futter nicht mehr an, wiewohl er des Nächtens wach war und mit den Wassernäpfen spielte bzw. wahrscheinlich aus diesen trank.

Liegt es etwaige am (neuen) Katzenfutter, obgleich zwei verschiedene Sorten (nass und trocken) zur Verfügung standen? Oder könnte es ein Hinweis sein, dass etwas nicht stimmt?

Sein Kot ist übrigens sehr dunkel und fest, macht also einen normalen Eindruck.

Eigentlich wollte ich ihn in den nächsten Tagen in den Garten übersiedeln, bevor ich ihn gänzlich in die Freiheit entlassen werde. Oder ist dieser Schritt, sofern alles in Ordnung sein sollte, gar nicht notwendig und ich kann ihn ohne diesen Zwischenschritt "entlassen"?

Vielen Dank abermals für Ihre Hilfe im Voraus!

8

Freitag, 13. April 2018, 10:41

Hallo igelwolf

Sowas kommt häufiger vor, aber ich bitte Sie dringend - heute abend, wenn Futterzeit ist, schaun Sie nach dem Igel, holen ihn aus dem Nest und setzen ihn ans Futter. Bitte beobachten Sie sein Verhalten!
Daß es am neuen Futter liegt, kann ich mir nicht gut vorstellen. Was füttern Sie?
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

9

Freitag, 13. April 2018, 10:52

Ferdinand bekommt "Sanabelle Adult mit frischem Geflügel" (Trockenfutter). Das Nassfutter "Schmusy Nature: Kalb, Geflügel, Pasta & Flohsamen" rührte er nicht an. Da er bereits vor seinem Winterschlaf kein Nassfutter mehr anrührte (zuvor aß er gerne solches mit Huhn/Geflügel), bekam er ca. eine Woche vor "Überführung" und die Woche nach dem Erwachen nur noch das genannte Trockenfutter, das er stets bis auf das letzte Stück verzehrte.

Vielen Dank jedenfalls; ich werde es heute Abend/Nacht beobachten und mich nochmals melden.

Mit freundlichen Grüßen
Igelwolf

10

Freitag, 13. April 2018, 11:35

Hallo Igelwolf
Es ist erstaunlich, wie doch Igel Nahrungsspezialisten sein können.
Häufig stellen sie ihre Vorlieben nach dem Winterschlaf um.
Trockenfutter allgemein ist nicht so gut zu bewerten, wie Naßfutter.
Was halten Sie davon, mal Rührei-Rinderhack in der Pfanne zu stocken oder mal einen in Wasser ohne Salz gekochten Hähnchenflügel anzubieten?
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

11

Samstag, 14. April 2018, 09:40

Hallo Frau Oehl,

heute Nacht holte ich Ferdinand aus seinem Haus und setzte ihn direkt neben das Futter ab. Da er allerdings vorher schlief, war er offensichtlich erschreckt und lief in die nächste Ecke, um dort auszuharren. Nachdem ich es noch ein-, zweimal probiert hatte (gleicher Effekt), ließ ich ihn in Ruhe. Auch die restliche Nacht über fraß er nichts, wie ich eben feststellte.

Wie soll ich nun am besten vorgehen? Es mit dem von ihnen empfohlenen Futter versuchen? Was wäre, wenn er darauf ebenfalls nicht reagiert?

Ein weiteres Mal vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Viele Grüße,
Igelwolf

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Samstag, 14. April 2018, 12:57

Hallo Igelwolf

Der Igel frißt nicht auf Kommando .stellen Sie es ihm hin und schaun Sie morgens nach, ob gefressen wurde.
Ja. versuchen Sie es einfach mal mit dem empfohlenen Futter.
ggf. gehen Sie am Montag mit ihm zum Tierarzt und bitten den, dem Igel mal Vitamin B Komplex zu spritzen, nicht nur einmal
Das schmeißt den Stoffwechel meist gut an
L.G>Karin Oehl

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Sonntag, 15. April 2018, 12:39

Hallo Frau Oehl,

ist es denn normal, dass sich Igel - auch im Zuge der derzeitigen Temperaturen (im Keller sind es gerade 10-14°) - nochmals in eine Art "Dämmerschlaf" zurückziehen? In den letzten beiden Tagen deutete wieder einmal nichts auf eine Aktivität seinerseits hin, d.h. genauso wie bei dem bereits oben beschriebenen ca. fünftätigen Rückzug nach seiner knapp einwöchigen Wachphase unmittelbar nach dem Winterschlaf.

Jedenfalls werde ich werde ihm heute Abend das neue Futter hinstellen und abwarten, ob er fressen wird. Würden Sie ihn dazu wieder "aufwecken", also direkt aus seinem Haus herausholen und davor setzen oder darauf vertrauen, dass er von allein herauskommt?
Ggf. werde ich dann morgen mit ihm zum Tierarzt fahren.

Entschuldigen Sie bitte das inflationäre Fragen meinerseits.

Vielen Dank und beste Grüße,
Igelwolf

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Sonntag, 15. April 2018, 12:52

Hallo Igelwolf

Den Igel würde ich in den Keller bei etwa Zimmertemperatur bringen und dann vor sein Tellerchen setzen und abwarten.
Ggf sollte er vom Tierarzt Vitamin B Komplex als Starthilfe gespritzt bekommen
Ein paar Tage Wärme im Keller werden ihn hoffentlich munter machen
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

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