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Wednesday, November 22nd 2017, 11:18pm

Behandlung hilfsbedürftiger Igel

Hallo Frau Oehl,
in unserem Garten sind schon alle Igel im Winterschlaf - bis auf einen. Diesen Jungigel hab' ich an der Futterstelle erwischt, markiert und dann gewogen am 16.11. (525 g) und am 20.11. (542 g). Tagsüber habe ich ihn bisher nicht gesehen. Momentan hat's bei uns zwischen 0 - 9°C, ab Samstag wird's wesentlich kälter. Ich bin mal wieder total unsicher: kann ich den Igel draußen lassen oder soll ich ihn einsammeln?

Dieses Jahr habe ich außer den sonst üblichen zwei bis drei Igeln schon sechs zum Aufpäppeln (alle zwischen 300 g und 400 g), da läuft alles gut. Aber vor ein paar Tagen bekam ich einen Igel gebracht, der tagsüber auf dem Gehweg lag. Er hatte nur 318 g und war eiskalt. Auch auf der Reptilien-Heizmatte wurde er nicht wärmer und ist innerhalb kürzester Zeit verstorben :-( Kann ich in einem solchen Fall etwas tun außer abzuwarten? In dem Buch "Igel in der Tierarztpraxis" steht dazu auf S. 17: "Jegliche Behandlung eines hilfsbedürftigen Igels darf erst nach Erreichen der normalen Körpertemperatur (ca. 36°C) erfolgen; externe Wärmezufuhr ist dafür fast immer zwingend." Auf S. 19 dagegen steht: "Bei nahezu moribunden Tieren lohnt sich der Versuch, z. B. Serumelektrolytlösung interperitoneal zu verabreichen; der Erfolg ist z. T. frappierend."


Vielen Dank für Ihre Geduld mit mir und liebe Grüße!
Evelyn

2

Thursday, November 23rd 2017, 6:56am

Hallo Evelyn

Den Igel , der über 500 g hat, bitte draußen weiter füttern.
Es ist normal, daß unerfahrene Jungigel bis Frost rumlaufen. Sie haben noch keine Erfahrung mit Nestbau und Winterschlaf. einige sind intelligenter und lernen schneller, ander sind Dummchen, die brauchen mehr Zeit dazu. Da der Igel nur abends aktiv ist, sollte er zugefüttert, aber draußen gelassen werden. Er wird schon merken, wann es Zeit ist und dann schlafen gehen. Wichtig ist jetzt eine zuverlässige Futterquelle.
Noch ist kein Dauerfrost.
Bei dem verstorbenen Igel konnten Sie nichts mehr machen - eine intraperitoneale Injektion kann und sollte nur der Tierarzt machen. (In den Bauch hinein)
Dem Igel war nicht mehr zu helfen. Einen Versuch mit aufwärmen war es wert -solche Fälle hatte ich in diesem Jahr auch mehrfach.
Wir werden nie alle retten können. Damit müssen wir leider lernen umzugehen.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Nov 24th 2017, 7:48am)


3

Thursday, November 23rd 2017, 10:14pm

Hallo Frau Oehl,

vielen Dank für Ihre Antwort! Die vielen unterschiedlichen Auskünfte zum benötigten Winterschlafgewicht verunsichern mich immer wieder, da verlasse ich mich dann am liebsten auf Ihre Erfahrung. Futter gibt's bei uns immer, das spricht sich in der Igelwelt wohl rum :-)

Nochmal zum Thema interperitonal Injektion: Ist diese auch bei eiskalten Igelchen möglich? Wenn die Tierärztin meines Vertrauens Sprechstunde gehabt hätte, hätten wir den Versuch wagen können? Dazu muss ich noch sagen, dass ich mich generell nicht ans Spritzen rantraue, das überlasse ich immer meiner Tierärztin.

Ja, leider können wir nicht alle Igel retten, aber wir geben für jeden unser Bestes!

Viele Grüße
Evelyn

4

Friday, November 24th 2017, 7:54am

Hallo Evelyn

diese Injektion mit angewärmter Infusionsflüssigkeit kann, ja soll beim kalten Igel gemacht werden , um ihn auch von innen aufzuwärmen, Aber das macht so gut wie kein Tierarzt und ein Erfolg ist niemals garantiert. Häufig bedeutet es auch nur Stress und Schmerzen beim sterbenden Tier.
So schwer es auch zu akzeptieren ist, manchmal ist es würdevoller, nicht mehr mit so einem Tier rumzurennen ,sondern es in Geborgenheit und Ruhe gehen zu lassen. Tiere, bes. Wildtiere nehmen ihr Ende ganz anders hin, der Tod hat für sie nicht den Schrecken, den wir empfinden.
Ich würde es nicht machen lassen. und glauben Sie mir - noch nach mehr als 40 Jahren Igelarbeit bin ich nicht gleichgültig geworden und ein sterbendes Tier geht mir nicht am verlängerten Rücken runter wie nix. Es tut mir immer noch weh, wenn ich nicht helfen kann. Aber ich habe gelernt zu erkennen, daß ich ein Leben nicht erzwingen kann.

Evelyn, lassen Sie sich das Spritzen von Ihrer Tierärztin zeigen und üben sie bei ihr. Sie ersparen dann den Wildtieren unnötigen Stress. Wildtiere sind anders als Haustiere und es wäre gut, wenn Ihnen die Tierärztin etwas beim ersten Besuch mitgeben könnte und sie gewissenhaft die verordnete Behandlung weiter führen dürften ohne das Tier immer wieder einem neuen Transport usw. auszusetzen.

Damit meine ich auf keinen Fall, daß Sie unkontrolliert Tierarzt spielen sollten.

Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

5

Friday, November 24th 2017, 11:52am

Hallo Frau Oehl,
ich weiß, dass Sie immer noch mit vollem Herzen dabei sind, genau deshalb ist mir Ihre Meinung so wichtig. Es hat sich nur so schön gelesen: "der Erfolge ist z. T. frappierend" und beim nächsten Igel wollte ich keine reelle Chance auslassen. Aber ich möchte den Igeln natürlich auch unnötigen Stress und Schmerzen ersparen!

Dieses Jahr hatte ich bisher elf Igel und nur mit einem musste ich einmal zum Spritzen zur Tierärztin. Da kann ich nicht die nötige Routine entwickeln und ich denke meine Unsicherheit wäre in dem Fall mehr Stress für den Igel als die 3-minütige Autofahrt. Die meisten Mittel kann man ja zum Glück peroral/oral geben!

Heute waren laut Wildkamera ein großer und ein kleiner Igel in der Futterstelle und zum ersten mal hellgrüner Kot. Weiterhin abwarten?

Viele Grüße
Evelyn

6

Friday, November 24th 2017, 2:40pm

Hallo Evelyn
Also sofort eingreifen, wenn die Igel wieder da sind, grüner Kot ist immer Zeichen einer Darmentzündung , meist durch Parasiten und einer Sekundärinfektion
Bes. der Kleine, -den habe ich in Verdacht.
zuwarten kann das Ende bedeuten, da sollte man sich Klarheit verschaffen.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

7

Friday, November 24th 2017, 6:31pm

Hallo Frau Oehl,

leider war in beiden Futterhäusern hellgrüner Kot. Bisher habe ich immer nur den großen Igel in beiden Futterhäusern erwischt. Der kleine Igel war immer nur in einem der Häuser. Ich werde aber versuchen, beide zu erwischen. Langsam wird's hier eng, vor allem mit den Überwinterungsplätzen...

Viele Grüße
Evelyn

8

Friday, November 24th 2017, 7:05pm

Dennoch, liebe Evelyn
bleibt es unbehandelt ist es im Winter tödlich
L.g. Karin Oehl

9

Friday, November 24th 2017, 7:49pm

Hallo Frau Oehl,

natürlich lasse ich keinen kranken Igel da draußen. Auch wenn "langsam wird's eng" schon stark untertrieben war.

Die Kotprobe ist schon ausgewertet. Zur Darmentzündung kommt noch extrem starker Befall mit Lungenhaar- und Darmhaarwürmern. Die Behandlung geht gleich los, wenn ich den "Übeltäter" erwische.

Den kleineren der beiden Igel konnte ich eben mit 581 g einsammeln (+ 39 g in 4 Tagen). Mal sehen, was er für einen Output hat.

Ich hoffe, dass ich den anderen auch möglichst schnell erwische!

Viele Grüße
Evelyn

10

Friday, November 24th 2017, 7:52pm

ch Evelyn, wie bei mir - eng aber gemütlich und einer geht immer noch.
Ja wenn Sie den Übeltäter identifizieren können und den richtigen festgenommen haben, kann es losgehen
Eben bekam ich auch noch so einen
L.g:Karin Oehl

11

Friday, November 24th 2017, 8:17pm

Hallo Frau Oehl,

ich schon wieder! Falls einer der Igel normal aussehenden Kot hat, soll ich ihn dann wieder rauslassen oder auch kontrolliert überwintern? Morgen gibt's Dauerregen/Schneeregen und es wird wesentlich kälter.

Ich drücke Ihnen die Daumen für den Neuzugang und für alle anderen!

Viele Grüße
Evelyn

12

Saturday, November 25th 2017, 2:45am

Hallo Frau Oehl,

soeben habe ich meine letzte Igel-Runde gedreht, drinnen und draußen. Der kleine Igel hatte endlich Output und zwar hellgrün. Es sieht doch so aus als hätte ich den richtigen Kandidaten erwischt. Sein neues Zuhause gefällt ihm überhaupt nicht. Er war mehr am Randalieren als am Fressen. Deshalb habe ich ihm das Wurmmittel peroral gegeben. Heute früh geht's dann mit dem AB weiter. Ich hoffe, das war jetzt nicht die falsche Reihenfolge?

Den große Igel habe ich auf meinen halbstündlichen Kontrollgängen nicht gesehen. Es sieht auch nicht so aus, als ob noch ein Futtergast da war. Genaueres wird dann die Wildkamera zeigen.

Viele Grüße
Evelyn

13

Saturday, November 25th 2017, 6:08am

Hallo Evelyn
Das AB können Sie ruhig mit dem Droncit zusammen geben.
Es ist so wichtig, denn wenn grün gemacht wird, ist eine dicke Darmentzündung da und die schreitet mit Riesenschritten fort. Also immer sofort das AB und nicht zuwarten.
Hoffentlich ist es noch nicht zu spät, denn der Kleine ist ja schön länger auffällig und die Unruhe ist krankheitsbedingt. Wenn man Pech hat, liegt er am anderen Morgen schlaff im Käfig und dann ist es zu spät


bitte jetzt keinen Igel mehr wieder rauslassen -kotrollen Behandlung und wenn das Tier gesund ist, ein gutes Gewicht hat und mindestens 8 Tage keinerlei Medikamente mehr bekam, darf es in ein wetter-und ausbruchssicheres winterschlafgehege, bekommt weiter Wasser, Futter und die Lauffläche wird gereinigt, Das Schlafhaus wird nicht mehr angerührt, es sei denn, daß erkennbar Kot darin ist.
Irgendwann verabschiedet sich das Tier dann in den Winterschlaf, aber nicht auf Knopfdruck.
Viel Glück
L.G.Karin Oehl

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Nov 25th 2017, 6:51am)


14

Saturday, November 25th 2017, 7:23am

Hallo Frau Oehl,

wegen dem starken Befall mit Lungenhaar- und Darmhaarwürmern habe ich Flubenol verabreicht, kein Droncit.Das war goldrichtig. wenn ich Droncit empfehle, dann darum, weil der Darmsaugwurm nicht immer sofort nachweisbar, aber vorhanden ist und Droncit wirklich gut verträglich ist. Das AB hat Igelchen inzwischen auch intus. Es ist zum Glück noch agil. Hoffen wir, dass es so bleibt! Wenn Sie schreiben, in kann AB und Entwurmungsmittel zusammengeben, heißt das hintereinander weg oder sogar in einer Spritze (peroral/ohne Nadel)?natürlich hintereinander und nicht als Gemisch zusammen.

Die bisherigen Igel hatten z. T. Bandwürmer, Kratzer, teilweise auch Saugwürmer. Im Kot diese Igels war davon nichts zu sehen, das ist ja aber häufiger so, soll ich Droncit sicherheitshalber auch noch geben?Dann sind bei Ihnen völlig andere Parasiten unterwegs als hier, einen Kratzer hatte ich erst einmal gefunden und einen Bndwurm noch nie, Bitte beobachten Sie den Igel gut und ggf auch wenn Sie z. B. mikroskopieren können, ob sich der Darmsaugwurm oder seine Eier zeigen, dann ist es meist für Droncit noch früh genug.


Ich hab' mich vermutlich etwas undeutlich ausgedrückt: Ein behandeltes Tier kann natürlich auf keinen Fall mehr raus, das weiß ich. Wenn ich gestern aber den großen Igel erwischt hätte und er hätte keinerlei Krankheitszeichen gezeigt (normaler Kot, kein Husten etc.), hätte ich ihn dann heute gleich wieder rauslassen können?

Wenn er dick genug ist, ja, nach einer ausgiebigen Mahlzeit. Ein großer Igel kennt seinen Lebensraum, seinen Unteschlupf und seine Futterquelle. Wenn er erst mal länger in Menschenhand ist, sollte man ihn nicht mehr rauslassen, das Jahr ist zu weit fortgeschritten.Viele Grüße
Evelyn

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Nov 25th 2017, 8:10am)


15

Saturday, November 25th 2017, 8:05am

Hallo Evlyn
Ich antworte mal in Ihrem Text
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

16

Saturday, November 25th 2017, 11:26am

Hallo Frau Oehl,

dann ist erst mal alles klar! Mal sehen, wie lange das anhält...

Lungenhaar- und Darmhaarwürmer stehen bei uns auf Platz 1. Die hatte bisher noch jeder Igel, den ich hier in der Umgebung aufgesammelt habe. Und hier im Süden breitet sich der Saugwurm wohl flächenbrandmäßig aus. Deshalb sind wir schon dazu übergegangen Droncit prophylaktisch zu geben, wenn eine Kotprobe unter Umständen zu lange dauert. Die Auswertung der Proben übernimmt übrigens eine Bekannte von mir, die selber jede Menge Igel pflegt.


Viele Grüße
Evelyn

17

Saturday, November 25th 2017, 1:55pm

Liebe Evelyn
Ohne Kotuntersuchung gebe ich normal kein Wurmmittel, aus gutem Grund aber Droncit, auch wenn ich noch kein Kotergebnis habe.
Allein ein leichter werden , obwohl gefressen wir, ggf kleine Blutbeimengungen, Schwäche sind für mich Anlass, sofort gegen diesen gefährlichen Parasiten vorzugehen.
Schön, wenn Sie jemanden haben, der auch mikroskopieren kann.
Eigenartig ist, in früheren Jahren hatten wir mehr mit dem Lungenwurm zu tun.
Auch hier ist der Darmhaarwurm häute häufig der am meisten vorkommende Parasit,
Der Lungenhaarwurm kommt vor, aber nicht so häufig.

Viel Glück
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

18

Saturday, November 25th 2017, 6:22pm

Hallo Frau Oehl,

unser Igelchen hat von gestern auf heute leider 14 g abgenommen. Ich hoffe, das war nur der Stress und das, was hinten rausgekommen ist. Der Kot sieht jedenfalls schon wesentlich besser aus. Wenn das Gewicht morgen noch weiter runtergeht, werde ich wohl Droncit geben müssen. Ich möchte dem Igel allerdings nicht zu viel zumuten. Geht es, wenn ich ihm morgens Droncit und Cotrim K gebe (welche Reihenfolge ist da am besten) und abends Flubenol oder ist das zuviel und ich setze besser einen Tag mit dem Flubenol aus?

Viele Grüße
Evelyn

19

Sunday, November 26th 2017, 7:58am

Hallo Frau Oehl,

Entwarnung! Igelchen ist schon viel entspannter und hat heute Nacht so gut gefressen und zugenommen, dass ich zukünftig das Futter reduzieren muss.

Viele Grüße
Evelyn

20

Sunday, November 26th 2017, 8:20am

Hallo Evelyn
Häufig höre ich, daß man dem Igel nicht so viel zumuten möchte. Im Grunde ist es richtig, aber leider unterscheiden die Leute nicht zwischen Entwurmung und Antibiose gegen die Entzündung. Diese Mittel behindern sich nicht, vertragen sich auch und es ist keine Belastung mehr für den Igel, sondern eine Entlastung.
Vielleicht brauchen Sie gar kein Droncit, wenn der Igel jetzt doch zunimmt.
Droncit ist z. b. ein Mittel , welches nur gegen den häufig vorkommenden DARM SAUG WURM wirkt und auch von schwachen Igeln gut vertragen wird.
Der Darmsaugwurm ist ein gefährlicher Parasit, der sich häufig nicht so leicht nachweisen läßt und sein Unwesen schnell im Igel treibt. Leicht könnte es mal zu spät sein.

Meist werden die Igel gefunden, wenn entweder in den Atemwegen oder auch im Darm eine dicke Entzündung vorhanden ist, dann ist es wichtig, mit Antibiotika schnell zu helfen. Wildtiere zeigen ihre Erkrankung meist sehr spät und lassen sich sehr spät finden, sodaß man da nicht zuwarten darf.
Und mit Stress, den zweifellos das Wildtier in Gefangenschaft und durch Transport und Handling hat, geht nur das schon schwache Immunsystem in die Knie und eine Infektion kann sich massiv ausbreiten.

Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl