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Friday, August 5th 2011, 10:50pm

Hustender Igel im Garten

Hallo liebe Igelfreunde,

in unserem Garten hat es sich ein Igel bequem gemacht!
Das erste mal haben wir ihn gestern ( 04.08 ) in der Nacht gesehen. Heute am Morgen bereits konnten wir ihn dann beobachten und er hat etwas Trockenfutter der hauseigenen Katze gefressen, was draußen für die Katzen steht. Danach verschwand er unter einigen Brettern, hinter denen auch trockene Blätter sein dürften (zwecks des Nestbaus). Da Katzenfutter ja recht trocken ist, haben wir ihm eine flache Schüssel mit Wasser bereitgestellt, aus der er nach einiger Zeit auch getrunken hat. Danach ist er wieder in seinem Versteck verschwunden.
Nun aber das Problem an der Sache: Sobald er hinter den Brettern verschwunden ist, fängt er sehr laut zu husten an. Es war anfangs schwer zu definieren, aber als ich dann im Internet nachgesehen habe, musste ich feststellen, dass dieses Husten wohl auf Lungenwürmer hindeuten würde.
Alles in allem macht der Igel einen guten Eindruck. Er ist weder besonders klein noch verhält er sich auffällig. Er ist scheu, hungrig, trinkt und war, wie eingangs erwähnt, in der Nacht zu uns gekommen. Deswegen stellt sich mir die Frage: Was tun?
Ihn einfangen (wie fängt man einen gesunden, scheuen Igel ohne ihn in Panik zu versetzen?) und zum Tierarzt bringen? Ihn weiter füttern und irgendwelche Medikamente vom Tierarzt in sein Wasser mischen? Ihn nichtmehr Füttern oder Versorgen und die Sache ignorieren? Ich wende mich in dieser Sache zuallererst an euch hier in diesem Forum und hoffe auf Hilfe.
Anbei noch eine Frage: Was tun Igel für gewöhnlich im Sommer? Ich bezweifle, dass sie sich häuslich einrichten, sondern vielmehr auf Futtersuche gehen und nicht am selben Ort bleiben. Würde ich mit dem Füttern sein Verhalten verändern, da er alles bekommt was er brauch? Was wenn ich dann mal nicht da bin?

Danke vorab und viele Grüße,
Tingel

2

Saturday, August 6th 2011, 7:26am

Hallo Tingel

Igel haben seit es sie gibt, auch Innenparasiten und können damit in der Regel auch leben.

Wenn allerdings diese Parasiten in zu großer Zahl auftreten, werden Igel schwach und krank

Wie Sie es beschreiben, ist der Igel dämmerungs-u. nachtaktiv, also noch kräftig und wirkt gesund.

Darum würde ich jetzt im Augenblick davon absehen, ihn einzufangen und behandeln zu lassen.

Möglicherweise ist es auch eine Igelin, die bald ihre Babys bekommt - Vorsicht - die Wurmmittel dürfen schwangeren Igelinnen nicht verabreicht werden, da es zu Fehlgeburten kommen kann, die für die Igelin auch tödlich verlaufen.

Also - freuen Sie sich an Ihrem hustenden Gast, beobachten Sie ihn, wenn er mager wirkt und tagaktiv wird, ist es Zeit, ihn aufzunehmen u. behandeln zu lassen, aber so bitte nicht eingreifen.

Stören Sie das Tier möglichst nicht, wenn Sie beifüttern und Wasser hinstellen, ist nichts dagegen einzuwenden. Das kann ein Tier etwas unterstützen .

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Aug 6th 2011, 8:42am)


3

Saturday, August 6th 2011, 12:11pm

Hallo Karin,

zuerst bedanke ich mich für die schnelle Antwort.
Dass Igel mit dieser Art von Parasiten gut leben können freut mich natürlich zu hören und beruhigt mich auch.
Ich werde also ab und an noch etwas Futter bereitstellen und ein Auge auf den kleinen stacheligen Freund werfen.

Danke und einen lieben Gruß,
Tingel

4

Saturday, August 6th 2011, 2:38pm

Hallo Tingel

Das ist gut so.

Leider steht für den Kulturfolger -IGEL - nicht mehr die optimale Nahrungsvielfalt zur Verfügung.

Wir pflanzen viele eingebürgerte Pflanzen, die der heimischen Insektenwelt weder Nahrung noch Kinderstube bieten. Diese Insekten fehlen also im Nahrungsspektrum des Igels.

Also greift er zurück auf die noch vorhandene Nahrung und die besteht leider aus zu vielen Würmern und Schnecken. Das macht satt, aber diese Nahrung ist auch gleichzeitig Zwischenwirt der Lungenwürmer und ein stark verparasitiertes Tier leidet natürlich, wird leichter krank und erreicht sein biologisch vorgesehenes Lebensalter nicht mehr.

Dennoch - aus zuvor genannten Gründen würde ich derzeit nicht eingreifen.

Trotz des Hustens scheint der Igel noch recht fit zu sein. Es ist richtig, zu beobachten und abzuwarten, ob er tagakriv und krank erscheint. Dann braucht er die richtige Hilfe.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

5

Saturday, August 6th 2011, 5:07pm

Hallo Karin,

ich bin wirklich froh, dass ich hier so schnelle Hilfe gefunden habe. Ich habe schon darüber nachgedacht, einen Tierarzt deswegen anzusprechen. Ich konnte
es nicht über's Herz bringen den kleinen Kerl zu ignorieren und bin jetzt sehr erleichtert. Die Erklärung war auch wirklich informativ und ich kann mir nun ein
Bild von der Lage des Igels machen. Gestern, am Abend, hatte ich übrigens noch ein kleines Stück Apfel nach draußen gelegt, welches jetzt verschwunden ist.
Wohl bekomms ^^

Danke und einen lieben Gruß,
Tingel

6

Saturday, August 6th 2011, 5:20pm

Hallo Tingel

Es ist ja von Ihnen gut gemeint, ein Stück Apfel hinzulegen, aber der Igel kann es gar nicht auswerten

Wenn Igel an überreifes Obst gehen, fressen sie natürlich auch davon, aber verwerten tun sie nur die fetten Maden im Fallobst.

Igel sind auf Eiweiße und Fette, wie sie Insekten aller Entwicklungsstufen bieten, angewiesen

Die Mähr vom Igel, der auch Äpfelchen frißt und braucht, scheint nicht auszurotten zu sein.

Wer weiß, wer das Äpfelchen genommen hat, vielleicht sogar wirklich der Igel, aber es gehört nicht zum Ernährungsspektrum des Igels, aber damit umbringen können Sie ihn nicht, nur wenn sie ihn einsperren und tatsächlich, wie ich es in der Station auch schon erlebt habe, versuchen, den Igel wie ein Meerschweinchen zu ernähren.

Bitte nicht krumm nehmen!

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Aug 8th 2011, 8:00am)


7

Saturday, August 6th 2011, 8:32pm

Hallo Karin,

ich würde mich zuerst einmal freuen, wenn Sie mich duzen würden, denn ich komme mir sonst mit meinen 22 Jahren so unglaublich alt vor.
Dann habe ich auf einer anderen Internetseite gelesen, ein Igel bräuchte abwechslungsreiche Kost. Ich selbst meine davon auch schon
gehört zu haben, aber ich freue mich natürlich dazuzulernen. Wieso sollte ich es denn krumm nehmen, wenn mich jemand verbessert? Ich
verzichte also in Zukunft auf dergleichen Nahrung und belasse es bei frischem Wasser. Ich hätte nie gedacht, wie ungemein viel man bei
einem Igel falsch machen kann. Gut, dass ich nun eines besseren belehrt wurde.

Danke und liebe Grüße,
Tingel

8

Sunday, August 7th 2011, 8:17am

Hallo Tingel

Von mir aus duzen wir uns! Aber mit 22 ist man nicht alt, vielleicht noch nicht sehr erfahren, aber ein durchaus ernst zu nehmender Erwachsener.

Ja, das Wissen um die Igel ist noch sehr lückenhaft und die Medien tragen leider auch nicht viel bei, um dies zu ändern. Zu viele Meinungen geistern auch durchs Netz.

Dazu kann ich nur sagen - Pro Igel initiert und begleitet Forschungsvorhaben, wertet die Ergebnisse mit aus und bringt sie in adressatengerechter Form in die Öffentlichkeit.

Pro Igel finanziert keine Igelstationen, leistet aber hervorragende Weiterbildungsarbeit. Es dauert nur immer länger, bis sich bei der Vielzahl der Informationen das Beste durchsetzt. Und ich denke, ich kann es nach mehr als 30 Igeljahren durchaus beurteilen, weil ich von Anfang an mit Pro Igel gearbeitet habe.

'Es ist richtig, wenn Du bes. im Sommer bei Wärme kein Nassfutter rausstellst, oder es müßte am späten Abend geschehen u. am frühen Morgen weggenommen werden.

Wenn Du trotzdem etwas beifüttern willst, dann Katzentrockenfutter u. ggf etwas Igeltrockenfutter.( Dies ist nicht sehr gehaltvoll und wird oft auch nicht gern gefressen. Leider sprechen die Hersteller immer wieder von Alleinfutter und das ist eine Irreführung.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

9

Sunday, August 7th 2011, 3:04pm

Hallo Karin,

da hätte ich ja keinen besseren Ansprechpartner für meine Sorgen um den Igel finden können. Ich denke auch das Informationen
zum Igel tatsächlich sehr spärlich an die Öffentlichkeit geraten. Der Grund warum ich mich nicht zuerst an einen Tierarzt gewendet habe
war, dass mir zu Ohren gekommen ist, diese wären sehr selten auch auf Igel oder generell auf Wildtiere spezialisiert. Ich hatte Angst vor
der prophylaktischen Aussage: "Bringen Sie ihn mal mit, es gibt keine Ferndiagnose.". Darum bin ich froh, so kompetente Hilfe gefunden zu
haben.
Ganz nebenbei sei noch erwähnt, dass der Kleine am gestrigen Abend aus seinem Versteck kam und das von uns bereitgestellte Katzentrocken-
futter gefressen hat. Getrunken hat er auch.

Also, danke nochmals und einen lieben Gruß,
Tingel

10

Sunday, August 7th 2011, 5:35pm

Hallo Tingel

Danke für die Blumen!

Wenn Du die vielen Beiträge im Forum ein wenig durchschaust, wirst Du zum Thema Tierärzte immer wieder etwas lesen, was ich hier nur wiederholen kann.

Im tierärztlichen Studium nimmt das Thema Igel kaum einen Raum ein. Lediglich im Fach Parasitologie erfahren die Tierärzte in einer Vorlesung, daß Igel Innenparasiten haben. Also liegt ihr Focus zunächst einmal darauf. Da viele Krankheiten des Igels tatsächlich wurmbedingt sind, liegt die zügige Entwurmung eigentlich nahe, aber Wurmmittel sind toxisch , sollen sie doch die Innenparasiten im Igel töten. Solche Mittel belasten auch den Igel. Wenn er sehr krank ist, also schon sehr schwach ist, , dann sollte man zunächst die Infektion bekämpfen und Aufbaumittel geben und den Igel erst dann entwurmen, wenn er stabil ist.

Babys z. B. darf man gar nicht entwurmen, sie können noch keinen behandlungsfähigen Wurm in sich haben, der kann erst behandelt werden, wenn er erwachsen ist. Dazu bedarf es einer sogenannten Präpatenzzeit (Entwicklungszeit) vom Wurmei bis zum erwachsenen Wurm von durchschnittlich 3 Wochen.

Sollte ein Jungigel bereist Symptome zeigen, darf nur sehr vorsichtig entwurmt werden, nachdem zuvor eine Kotuntersuchung gemacht wurde.


Da Igel zudem mehr Flöhe als Mäuse in die Praxis bringen, sind sie nicht unbedingt die Patienten, für die man sich sehr engagiert.

Apropo Flöhe, auch da darf man nicht alle Mittel auf dem Igel auskippen, die in der Praxis gerade angesagt sind und schon garnicht damit an Igelbabys gehen. Das wissen viele Tierärzte nicht und sie beachten es nicht.

Allerdings stelle ich fest, daß bes. jüngere Tierärzte längst erkannt haben, daß der Igel das am meisten in der Tierarztpraxis vorgestellte Wildtier ist und sie kennen inzwischen fast alle auch das Heft von Pro Igel - Der Igel in der Tierarztpraxis - geschrieben von igelerfahrenen Tierärzten in Zusammenarbeit mit langjährigen Praktikern entwickelt und ständig auf dem neuesten Stand gehalten - für Tierärzte.


http://www.pro-igel.de/merkblaetter/publpdfs/tierarzt.pdf



Schau doch mal rein und drucke es für den Igelnotfall aus, um es dem Tierarzt zu übergeben.

Außerdem kann man das feste Heft zu einem geringen Preis bei Pro Igel bestellen.



Interessant wäre auch mal folgende Seite aufzurufen:

www-pro-Igel.de



Viel Spaß beim schlau machen.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

This post has been edited 2 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Aug 7th 2011, 5:51pm)