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Donnerstag, 15. Mai 2014, 09:16

Entscheidungshilfe_ Vrenen

Mein männlicher Igel hustet noch manchmal (wurde im Dezember gegen Lungenwürmer zweimal gespritzt (Ende Januar hat er zwei Wochen lang seinen Winterschlaf abgehalten)). Er frisst aber fleißig und ist – bis auf die weiße Haut- fit und munter. Soll dies auch noch behandelt werden oder soll man seinen kleinen Körper diese Chemieration ersparen? Wenn ich ihm
demnächst aussetze wird er ja früher oder später eh wieder Würmer haben... Was meinen Sie?



Servus Vrenen,
dass besonders Kleintierärzte meist keine ausreichende Erfahrung mit Wildtieren wie dem Igel haben musste auch ich frustriert feststellen.
Trotzdem hat die zuletzt von Dir beauftragte TÄ in Punkto Milben u. Hautpilz wohl richtig geurteilt. Übrigens: Eine Hautprobe sollte unter Betäubung erfolgen. -Siehe Links genannter Pro-Igel Bullitin-. Der vermeidlich helle Belag , so zeigen meine aufwendigen Recherchen, entsprechen der natürlichen Haut. Ob nun meine Behandlung mit "Jojobaöl" unbedingt erforderlich war sei dahingestellt. Auf jeden Fall zeigte sich u.a. eine Besserung der rau und brüchig erscheinenden Haut nach wenigen Behandlungen.

Was den Verdacht auf Lungenwürmer von "Igi" betrifft folgendes aus meiner Erfahrung: Sicherheitshalber vor Auswilderung erstellter Kotprobe, Befund: mäßiger Befall. Der erfahrene Untersucher teilte mir mit, dass zumal "Biggi" topfit und ungehemmt beim fressen war, einer Auswilderung nichts im Wege stehe. Ein Befall mit Lungenwürmern ist bei jedem Igel nach der ersten Schneckenmalzeit sicher! Viele Igel können und müssen in der Natur damit leben und es bedeutet nicht unbedingt gleich Siechtum und Tod. In vielen Tierdokumentationen kannst Du sehen, dass Tierfreunde der Natur ihren Lauf lassen. Schwer anzusehen! Ich habe mir meine Gedanken gemacht als ich wiederholt den stundenlangen Kampf meiner Igelin mit der "Chemokeule" erlebte. Wir können für uns selbst entscheiden ob und welche Behandlung wir um jeden Preis billigen würden. Weiter garantiert eine Behandlung z.B. durch "Levamitol" nicht, dass der Igel vollkommen von Lungenwürmern befreit und zukünftig gefeit ist! Die Dauer der Behandlung und die Karenzzeit vor der Auswilderung verschiebt zum derzeitigen Zeitpunkt den natürlichen Ablauf des Igellebens mit nicht kalkulierbaren Folgen!
Übrigens, auf Grund der genannten Tatsachen habe ich "Biggi", wenn auch schweren Herzens, in die Freiheit entlassen! Gesehen habe ich sie seitdem nicht mehr. Vielleicht wurde sie von den drei als Futtergäste erscheinenden "Männern" verdrängt oder bedrängt. Ich stehe nach wie vor zu meiner Entscheidung auch der Natur eine Chance zu geben und hoffe sie mal wieder zu sehen.
Nun musst auch Du Abwägen und Entscheiden. Vielleicht hilft Dir die Empfehlung Deiner Igel erfahrenen Bekannten und/oder meine Erläuterungen. Schade finde ich, dass der Austausch unserer Erfahrungen hier im Forum quasi nicht öffentlich wird.

Zum Schluss noch ein Tipp: Herrliche Amateuraufnahmen von Igeln zum genießen für Igelfreunde: http://www.fotocommunity.de/fotos-bilder/igel.html

Vrenen Dir "Pauline" und Igi" alles Gute.

Yeti (Igellobbyist)

2

Donnerstag, 15. Mai 2014, 13:13

Hallo Vrenen u. Yeti

Zum Thema Igelparasiten sollte ich vielleicht noch etwas zur Klärung beitragen.

Ja, alle Wildtiere sind von Innenparasiten besiedelt und leben mit ihnen in der Regel in friedlicher Eintracht.
Nur beim Igel ist da etwas, was nie beachtet wird:

Igel sind dämmerungs-u. nachtaktive Insektenfresser u. damit auch keine Beutegreifer sondern Nahrungs-Sucher u. Finder.
Normalerweise fressen sie überwiegend Laufkäfer u. die sind nicht Überträger oder Zwischenwirte ihrer Innenparasiten.

Nun nehmen Igel, wenn sie Hunger haben, schnell mal Würmer u. Schnecken mit auf, wenn sie denn gerade zu erhaschen sind.
Und damit haben sie die Zwischenwirte ihrer Innenparasiten u. der Kreislauf kann seinen Lauf nehmen.

Wäre die Natur noch in Ordnung, wäre das alles kein Grund einen Igel zu entwurmen oder auch nur in menschliche Obhut zu nehmen.

Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?
Wie zersiedeln immer mehr die Landschaft. In der maschinenfreundlich ausgeräumten Landwirtschaftsfläche gibt es keine Nahrungstiere der Igel mehr, keine Lebensräume.
Was bleibt dem Igel übrig? Er wird Kulturfolger mit allen Gefahren u. Konsequenzen.
Es ist uns ja gar nicht bewußt, was wir dem Igel zumuten. Wildpflanzen, die ihren Nahrungstieren Kinderstube u. Nahrung böten, werden als Unkräuter sorgfältig eliminiert.
wir gestalten unbewußt unsere Gärten mit Zuchtpflanzen, die wir Natur nennen, die hier meist gar nicht beheimatet sind, Darüber sind wir uns nicht klar - z. B: kommt die Forsythie aus China u. so geht es unendlich weiter.
Diese eingebürgerten Pflanzen , an denen wir Freude haben, haben die Insekten nichts, es fehlen diese Arten.
Was bleibt dem Igel zum Überleben?
Würmer und Schnecken u. damit nehmen sie viele Zwischenwirte der Innenparasiten auf und verparasitieren stark u. werden schwach und krank. Sie erreichen ihr biologisch vorgesehenes Lebensalter nie mehr. Früher wurden Igel bis zu 10 Jahre alt, durchschnittlich 6-7 Jahre Und heute? Wenn sie es schaffen, sich im 2. Lebensjahr zu paaren u. einmal Junge hochzubringen, bei denen auch noch die Verlustrate sehr hoch ist, dann ist das toll, Ganz toll ist es, wenn ein Igle mal 3-4 Jahre alt wird.
Das ist das Problem u. darum plädiere ich dafür, die Igel , wenn wir sie schon schwach und krank finden, gut u. wirkungsvoll zu behandeln, ihnen eine Erholungszeit zu gewähren und sie dann wirklich stark u. gesund in ihre feindliche Umwelt zu entlassen.
Dazu gehört nicht unbedingt, daß jedes winzige Parasitchen weg ist, aber doch die meisten.

so rum wird ein Schuh draus.
Mit freundlichem Gruß
Karin Oehl

3

Donnerstag, 15. Mai 2014, 15:47

Entscheidungshilfe (2)_ Vrenen

Hallo Vrenen,

zu Deiner Nachfrage bezüglich einer erneuten Kotuntersuchung von "Biggi: Ja, natürlich wollte ich nach fast 5 Monaten "Pflege" sicher sein. Dazu hatte ich wie folgt geschrieben: ...... Was den Verdacht auf Lungenwürmer von "Igi" betrifft folgendes aus meiner Erfahrung: Sicherheitshalber vor Auswilderung erstellte Kotprobe, [u]Befund: mäßiger Befall. [/u]Der erfahrene Untersucher teilte mir mit, dass zumal "Biggi" topfit und ungehemmt beim fressen war, einer Auswilderung nichts im Wege stehe.

Etwas weiter unten findest Du die biologisch begründete Erklärung warum ich keine weitere Behandlung mit "Levamisol" mehr vornehmen ließ. Zitat: Ein Befall mit Lungenwürmern ist bei jedem Igel nach der ersten Schneckenmalzeit sicher! Viele Igel können und müssen in der Natur damit leben und es bedeutet nicht unbedingt gleich Siechtum und Tod. Das deckt sich mit dem Kommentar von Frau Oehl welche zusätzlich die Ursachen des "Schneckenfrasses" aufzeigt.

Ich will Frau Oehl nicht vorgreifen. Zum Prozedere der Kot-Untersuchung wird sie Dir sicherlich die notwendigen Fakten nennen.


Liebe Grüße

Yeti (Igellobbyist)

4

Donnerstag, 15. Mai 2014, 18:19

Schon geschehen
Karin Oehl