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Tuesday, December 14th 2010, 1:45pm

Geschwollene Lymphen bei Igelchen?

Hallo, liebes Forum!

Vor wenigen Tagen entdeckte ich dieses Forum und las aufmerksam viele Fragen und Antworten. Schade, daß ich es nicht früher fand, es hätte uns manche mühsame und zeitaufwändige Recherche erspart - und evtl. auch einigen der Kleinen, die wir dann trotz Hilfe von TA und weiteren telefonischen Ratgebern, nicht retten konnten - doch noch geholfen....

Ich möchte mich für die vielen bisher gegebenen Antworten und Ratschläge einfach bedanken!!

Dies einmal so 'allgemein'...

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Wir haben diesen Herbst (wieder einmal) mehrere untergewichtige und kranke/verletzte Igel aufgenommen. Den meisten geht es gut und sie konnten nach Behandlung bzw. Auffütterung bereits den Winterschlaf beginnen.

Ein Jungtier des vergangenen Sommers haben wir mit leichter Unterkühlung und einer Verletzung am Hals/Seite unter dem linken Ohr aufgenommen und es hat sich gut entwickelt.Behandlung bisher Beta-Isadona, Wunde ist gut verheilt. Im Augenblick wiegt er 620 Gramm und fängt an richtig 'Speck' anzusetzen. So richtig munter ist er nicht mehr, frisst aber noch ganz ordentlich.

Vor 2 Tagen stellte ich fest, daß er leichte Schwellungen hinter beiden Ohren hat. Als wären seine Lymphen geschwollen?? Leider ist 'unsere' Tierärztin gerade auf einem Lehrgang und auch sind / waren wir bisher nicht mit allen Behandlungen immer wirklich glücklich (besonders bei Antibiose, so sie aufgrund von Kot oder Allgemeinbefinden angeraten war) die in der Praxis durchgeführt werden. Sie sind jedoch alle mal besser und eher nach den Vorschlägen von ProIgel oder gelverein, als die anderer Praxen hier in der Gegend. Zumindest werden Vorschläge angenommen und man versucht nicht nur das günstigste und schnellste Medikament zu verabreichen.

Bevor ich aber dem 'ansonsten' gesund wirkenden Tier - klare Äugelchen, feuchtes Näschen, gesunder Hunger und Durst, perfekter Kot - eine ggf. schädliche und unnötige Antibiose angedeihen lasse, WAS kann/könnte das sein und wie kann oder muss es behandelt werden?

Unser Tierarzt verabreicht gerne Chloramphenycol, wenn bakterielle Entzündungen vorliegen, oder Baytril. Nicht immer schlugen die Mittel bisher an und bei einem Tier habe ich den Verdacht (es war sehr geschwächt und kam bereits nach einer Woche Hunger und offensichtlicher Fehlernährung/-Behandlung zu uns), daß die Medikamentengabe eher kontraproduktiv war.

Nun bin ich (noch) vorsichtig(er) geworden.

Über einen Hinweis wäre ich sehr dankbar!

Viele Grüße :)

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Wednesday, December 15th 2010, 12:52pm

Hallo Cakejane

Um Ihre Frage zu beantworten, muß ich etwas weiter ausholen.

In der Regel sind Igel dämmerungs-u. nachtaktive Tiere, die leider durch den Landverbrauch und die Veränderungen in der Natur zu Kulturfolgern werden mußten. Dort sind sie etlichen Gefahren ausgesetzt, vor allem aber finden sie nicht mehr die benötigte Vielfalt der Nahrungstiere, weil wir viele viele eingebürgerte Pflanzen in unseren Gärten haben, die der heimischen Insektenwelt nicht mehr Nahrung und Kindestube bieten. Diese Arten fehlen.

Es bleibt dem Igel nur übrig, auf das zurück zu greifen, was noch reichlich vorhanden ist u. das sind Würmer und Schnecken.

Schon in alter Zeit fraß der Igel auch Würmer und Schnecken - es sind die Zwischenwirte von Innenparasiten - aber damit lernte er friedlich auszukommen und lange genug zu leben.

Das ist heute anders. Um satt zu werden und weil der Igel zu wenig Anderes (z. B. Laufkäfer) findet, frißt er sehr viele Würmer und Schnecken. Damit ist er reich beschenkt mit Innenparasiten und so ein stark verparasitiertes Tier ist geschwächt und wird schnell krank - durch die Würmer und natürlich andere Einflüsse.

Ein schwaches, krankes Tier fällt auf durch Untergewicht - man sieht es seiner Form an - und dadurch, daß es am Tag gefunden wird.

Es ist nicht immer der starke Parasitenbefall , der einen Igel umhaut - es sind die teils dadurch bedingten Infektionen in Lunge oder Darm, die einen Igel krank machen - man hört die rasselnde Atmung - man sieht den Durchfall.

Und da ist schnelle Hilfe durch den Tierarzt - auch in Form von Antibiotika wirklich angezeigt, damit das Tier am Leben bleibt, stabil wird, damit man ihn dann auch entwurmen kann.

Nicht jedes Antibiotikum wirkt gegen jeden Keim. Weil man oft gar nicht abwarten kann, was das Antibiogramm sagt, muß schon ein Breitbandantibiotikum eingesetzt werden, das eine erhebliche Bandbreite an versch. Keimen vernichten kann.

Die Schrift von Pro Igel - Der Igel in der Tierarztpraxis, die wir hier im Forum schon oft erwähnten, ist eine Handreichung von erfahrenen und igelkundigen Tierärzten für Tierärzte. Auf die Dosierungen und Behandlungsvorschläge kann man sich verlassen.

Mehrfach schon erklärte ich - Tierärzte lernen in ihrem Studium außer im Fach Parasitologie nichts über Igel .

Es greift nicht, wenn ein Tierarzt meint, seine Behandlungsstrategien und Dosierungen von Medikamenten für Katzen und Hunde einfach dem Igelgewicht anpassen zu können. Es gibt keine Medikamente, die für Igel zugelassen sind. Eine Umwidmung muß immer stattfinden. Nur muß nicht jeder Tierarzt das Rad neu erfinden. Es stünde auch Tierärzten gut zu Gesicht, wenn sie sich weiterbilden und Erfahrungen Anderer annehmen würden zu Gunsten der Tiere.

Zum Thema Verletzungen bei Igeln - ggf. geschwollene Lymphdrüsen.

Die am Boden lebenden Igel verletzten sich häufig und wenn sie ein gesundes Abwehrsystem haben, werden trotz der Wundverschmutzung diese Wunden meist wieder heilen.

Wenn allerdings ein abwehrgeschwächter Organismus eine ausreichend hohe Keimzahl in die Wunde bekommt, wird der kleine Körper damit nicht fertig - die Wunde entzündet sich und beginnt zu eitern. (Besonders in der warmen Jahreszeit finden die dicken Schmeißfliegen solche Tiere immer schnell, legen ihre Eier in die Wunden , aus denen schlüpfen schnell die Maden und beginnen zuerst das entzündetet Gewebe des Igels zu fressen - aber alles was frißt, scheidet auch aus und so kann ein Igel mit starkem Madenbefall daran sterben.)

Manchmal bilden sich über Wunden Krusten. Man sieht es nicht sofort, aber unter den Krusten können sich auch Eiterungen bilden, die sich auch abkapseln, Es gibt auch dicke Abszesse beim Igel und man wundert sich, wie so ein kleiner Körper das alles verkraftet.

Da ist ganz sicher tierärztliche Sorgfalt bei der Diagnose und vor allem auch sorgfältige Behandlung -innerlich und äußerlich und die Hilfe der Igelpfinder bei der Pflege erforderlich, Aber wenn das wirklich gut gemacht wird, können auch solche Igel wieder gesund in die Freiheit gehen, die zunächst so schwer verletzt schienen, daß man nicht an eine Heilung glauben wollte.

Bei Igelproblemen kommen wir ohne die Hilfe von Tierärzten nicht aus, meist müssen wir schulmedizinische Maßnahmen einfach einsetzen, weil wir die Tiere sonst verlieren.

Unterstützend und aufbauend werden immer wieder sehr gute Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht.

Man sollte mit Fachleuten darüber sprechen und sich beraten lassen

In der Hoffnung, daß Ihre Frage zunächst beantwortet werden konnte,

grüße ich Sie freundlich

Karin Oehl

3

Wednesday, December 15th 2010, 1:57pm

Antibiose

Liebe Karin Oehl,

vielen Dank für Ihre Antwort und den Hinweis auf die Homöopathie. Auch unsere Tierärzte verwenden sie hin und wieder.

Ich werde bei meinem nächsten Besuch (morgen) in der Praxis die Datenblätter von ProIgel mitnehmen und nochmals die Problematik ansprechen.
Ich hoffe nun auf noch mehr Offenheit zu stoßen.

Leider habe ich das Gefühl, daß wir bei unserem aktuellen Problem bei einem der aufgenommen Tiere hier etwas aneinander vorbei gingen.

Der Igel hat weiter keine (erkennbaren) Infektionen, auch keinen hörbaren Atem oder Rasselgeräusche und ist ohne Parasitenbefall. Appetit und Kot ist normal und gesund. Das wurde bereits tierärztlich abgeklärt. Die Behandlung der kleinen Wunde unter dem linken Ohr mit Betaisadona wurde von unserem TA angeraten und scheint auch insgesamt positiv zu verlaufen. Wir haben inzwischen noch die Krallen hinten vorsichtig etwas gekürzt, damit er sich nicht aufkratzt.

Das Tier lebt seit ca. 5-6 Wochen in unserem geschützten Bereich und hat daher keine Möglichkeit durch parasitär befallene Nahrung erkrankt zu sein.

Mir machte die beidseitige (ohne Wunde an der anderen Seite) leichte Schwellung Sorge, die sich der TA auch nicht abschließend erklären konnte. Da bei einigen anderen Igeln die von ihm angewandte Antibiose und Behandlung (bei Lungenentzündung oder nicht näher spezifizierter Infektion, Durchfall) mit bereits erwähnten Antibiotika nebst Bisolvon als Schleimlöser gegen den vermehrten Nasenfluß leider gar nicht oder nur anteilig angeschlagen hatte, hatte ich gehofft, daß Sie oder jemand anderes mit ebenso langjähriger und tiefer greifenden Erfahrung mir/uns einen Tipp geben könnte, den ich dann an unsere Tierärzte weitergeben kann.

Mit dem Igel bin ich morgen nochmals zur Kontrolle und hoffe, daß sich bis dahin die Schwellung von alleine noch weiter zurück gebildet hat unddaß ggf. keine Behandlung mehr notwendig ist. Im Augenblick sieht es so aus, aber ich weiß, daß dies sehr täuschen kann...

Wir hatten vor 2 Wochen eine kleine Igelin (ca. 250 gr.) von einer Finderin erhalten, die (von einer anderen Tierarztpraxis allerdings bis dahin betreut) durch wohl falsche Haltung/Unterbringung und Ernährung im November so weit entkräftet war, daß weder injektzierte noch vorsichtig verabreichte Nahrung ihr wieder auf die Beinchen helfen konnte. Ich hatte nach einigen Tagen eher das Gefühl, daß die vorgenommene Behandlung dem Tier mehr schadet als hilft...

Ein Teil der Behandlung/Fütterung ging mit den Empfehlungen aus den Unterlagen von ProIgel und weiteren, die wir uns in den letzten Jahren und Monaten aus dem Internet oder in Fachliteratur zugelegt hatten, konform, einiges wurde von Seiten des TA für den speziellen Fall verändert und ich bin mir nicht sicher - er auch nicht - ob dies ratsam gewesen war. Man wird es leider nicht erfahren und hat ja auch keine Vergleichswerte.

Wahrscheinlich war meine Frage nach einer 'absolut wirkenden' Therapie noch auf diesem Erlebnis basierend, denn das geht ja nicht spurlos an einem vorbei.

Auch hatten wir diesen Herbst mehrere Tiere verloren. Von der nicht mehr heilbaren Hirnhautentzündung eines wohl vergifteten Tieres angefangen bis hin zum plötzlichen Atemstillstand eines vorher in der Auffangstation mit (vermutlich zu) viel Frontline besprühten Tieres, dem noch im unterkühlten Zustand auch reichlich Fressen verabreicht worden war.

Da ich bis dahin in den vergangen knapp 3 Jahren das Glück hatte, die rund 25 Igel mit nur einer Ausnahme bei uns und in Händen von Freunden/Bekannten nach Anleitung und mit Hilfe der beiden TÄe aufzuziehen und gesund zu pflegen (etliche, deren Zustand von Tierärzten als sehr kritisch eingestuft wurde), habe ich gedacht, dies ginge nun für immer und ohne Verluste so weiter...

Nun, hoffe ich, das 'unser' Bübchen auf dem Weg der Besserung ist und die weitere Behandlung, sofern eine notwendig wird, bei ihm ohne Nebenwirkungen anschlägt. Zwei seiner Geschwister schlafen bereits in unserer Obhut.

Ich habe noch eine weitere Frage, die aber ein anderes Gesundheitsthema betrifft. Wenn ich keine bereits gegebenen Antworten hierüber finde, werde ich ein neues Thema starten.

Nochmals herzlichen Dank und liebe Grüße

Cakejane

4

Wednesday, December 15th 2010, 4:36pm

liebe Cakejane

Mit Wildtieren erlebt man immer wieder Überraschungen u. bzgl der Schwellung, die Sie an vergrößerte Lymphdrüsen denken läßt, kann ich hier natürlich nichts sagen.

In allen Igelstationen muß man auch damit leben, Igel zu verlieren - entweder kommen sie schon in einem ganz schlimmen Zustand, oder sie sind manchmal auch durch eine ungute Behandlung gegangen seitens der unkundigen Pfleger, aber auch Tierärzte machen Fehler.

In jedem Jahr stellen sich auch wieder andere Probleme ein.

Niemals werden wir es schaffen, alle Igel gut durch den Winter zu bringen - so sehr wir uns bemühen und es möchten.Wenn Sie bisher so viel Glück hatten, wünsche ich Ihnen, daß es so bleibt. Auch regional stellt sich die Problematik immer ein wenig anders.

Woher kommen die Igel ? Ist es eine ländliche noch weitestgehend intakte Umgebung oder kommen sie aus einem Bereich, der Städtisch ist oder landwirtschaftlich intensiv genutzt?

Bitte verstehen Sie, daß ich in diesem Forum keine detaillierten Behandlungsvorschläge machen kann, sondern wirklich auf Tierärzte und die Schriften von Pro Igel verweisen muß. Auch Sie als menschlicher Patient wünschen sich nicht, daß man für Sie eine Ferndiagnose stellt, die nicht korrekt sein kann.

Weiterhin alles Gute für Sie und Ihre stacheligen Gäste

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Dec 15th 2010, 4:56pm)


5

Wednesday, December 15th 2010, 6:02pm

Ferndiagnose

Woher kommen die Igel ? Ist es eine ländliche noch weitestgehend intakte Umgebung oder kommen sie aus einem Bereich, der Städtisch ist oder landwirtschaftlich intensiv genutzt?


Wir leben im Remstal, eine zwar durchaus ländliche Gegend, die aber sehr durch gewerbliche und teilweise auch industrielle Nutzung in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch viel Strassenbau und großflächige Neubauerschließungen in unserem Ort, sowie die landwirtschaftliche Intensiv-Nutzung machen es allen Wildtieren sicherlich schwer.

Den Igeln speziell schaden die typisch schwäbischen, von Frühjahr bis Herbst mit der Pinzette bearbeiteten Garten noch zusätzlich.... Wir fangen uns alljährlich gemischte Blicke und Kommentare aus der Nachbarschaft ein, wenn wir nicht mit Harke und Laubsauger durch den Garten wüten und auch noch Schnittgut (welch Frevel) liegen lassen.

Nun, seit Freigehege und Futterplätze in einem Teil des Gartens eingerichtet wurden hat die Kritik abgenommen, da dann doch der Sinn hinter unserer etwas 'anderen' Gartenpflege erkannt wurde und wir auch einen Nachbarn bereits angesteckt haben. Er mähte nur noch 1 x im Sommer und gestaltete seinen Holzplatz ganz bewußt Igelfreundlich um. Auch der Kompost erfuhr eine Erweiterung und bietet seit Sommer eine Herberge für einen ausgewachsenen Igel.

Es gibt um uns herum einige naturbelassene und geschützte Waldgebiete, aber die Feldflächen, die der NABU in den letzten Jahren wieder Natur-Reaktiviert sind eher Feuchtgebiete und für Igel nicht so ideal. Unsere Gemeinde hat am Siedlungsrand mehrere Grüngut-Lagerplätze neu angelegt, die nun für gesunde(re) und hoffentlich ausreichende Nahrung vieler Igel, Vögel und anderer Mitbewohner sorgen.
Bitte verstehen Sie, daß ich in diesem Forum keine detaillierten Behandlungsvorschläge machen kann, sondern wirklich auf Tierärzte und die Schriften von Pro Igel verweisen muß. Auch Sie als menschlicher Patient wünschen sich nicht, daß man für Sie eine Ferndiagnose stellt, die nicht korrekt sein kann.



Das habe ich bei meiner Frage nicht bedacht. Mir ging es auch eher um einen allgemeinen Rat, ob ich auf Ihre/ProIgel Erfahrungen zurück greifen kann in so einem Fall und ggf. bei TA ein anderes (besseres?) Antibiotikum erbitten kann oder sollte.

Das Tier ist nach wie vor munter, die kleine Wunde gänzlich verheilt und die Schwellung zurück gegangen. Dafür 'schnupft' er jetzt doch leicht, wie ich vorhin feststellte. Morgen abend sieht ihn sich der TA nochmals an und dann haben wir hoffentlich einen guten Plan.

Weiterhin alles Gute für Sie und Ihre stacheligen Gäste


Vielen Dank!

Gestern haben wir ein weiteres Büblein erhalten. 350 gr. Frisch aus einem Graben am Strassenrand. Dieses Jahr hört es wohl nicht so bald auf......


6

Thursday, December 16th 2010, 7:26am

Hallo Cakejane

ja ja, die Schwaben - alles muß g´schwind ordentlich gemacht sein. Es ist wunderbar, wenn Sie Sich da ein wenig mit ihrem Bemühen um wirkliche Naturnähe durchsetzen können.

Das kann übrigens wunderschön sein und so ein naturnaher Garten braucht viel mehr Pflege als ein steriler. Das erleben wir hier auch.

Meine Ausführungen zur Behandlung mit z. B. Antibiotika haben Sie dann wohl richtig verstanden und auch dazu, daß das in Tierarzthände gehört, Auf die Ausführungen von Pro Igel können Sie bedenkenlos zurückgreifen , Es ist gut, wenn Sie Ihren Tierarzt drauf hinweisen und so mehr Wissen über die Behandlung von Igeln verbreitet wird, denn auch wenn Sie hier im Forum lesen, merken Sie, daß da noch erhebliche Defizite sind. Die Veröffentlichungen von Pro Igel sind absolut abgesichtert und zutreffend.

Für Ihren neuen stacheligen Gast wünsche ich , daß er eine gute Überwinterung haben wird.

Bitte beobachten Sie ihn genau - wie sieht er aus? Wie verhält er sich? Wie sieht sein Kot aus u. wie ist sein Freßverhalten.

Pro Igel rät immer, ein sogenanntes Pflegeprotokoll zu führen mit Gewichts-u. anderen Angaben, so daß der Tierarzt und auch Sie selbst immer Veränderungen sofort dokumentieren und festhalten können. Das ist auch für einen Tierarzt, der Igel behandelt eine Hilfe. Das Pflegeprotokoll kann man sich auch aus dem Heft - der Igel in der Tierarztpraxis rauskopieren und ausdrucken.
Aber auch eine eigene Aufzeichnung ist genau so gut.


Alle guten Wünsche für Sie und Ihre Wintergäste

Karin Oehl

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Dec 16th 2010, 8:27am)


7

Thursday, December 16th 2010, 9:25pm

Naturnaher (Igel- /Vogel- & Mausgerechter) Garten...

Guten Abend Karin Oehl,

ich merke, Sie konnten meine Anmerkung nachvollziehen ... ;)) Ob wir uns durchsetzen werden... das wird sich zeigen! Zumindest toleriert man uns samt den Besonderheiten inzwischen ohne all zu lautes Murren!

Wie sagen die Schwaben? Ned gmault isch globt gnua (Nicht kritisiert/geschimpft ist Lob genug)!

Das Igelchen hat Antibiotikum bekommen. Die ganze Sache gefiel unserem TA heute eher nicht, auch, weil es wieder etwas dicker war... und die erst als äusserliche Verletzung angesehene eher ein Abszess....

In weiteren 5 Tagen sind wir hoffentlich schlauer und über den Berg. Jetzt muss der arme Kerl noch eine Woche im kleineren Freilauf (im Haus) bleiben, da wir für die evtl. 'richtig' (und ansteckend) Kranken nicht so viel Platz haben wie für die, die 'nur' an Gewicht zu legen müssen oder von Verletzungen genesen müssen.

Der andere kleine Kerl ist bis auf einen leichten Husten (der bereits behandelt wird) munter.

Ja, das mit den Protokollen. Ich gebe zu, wir haben es seither nicht konsequent geführt, da mir die Wichtigkeit noch nicht so bewußt war.

Bei den handaufgezogenen gab es Gewichts- und Behandlungsprotokolle, die anderen wurden mit Namen versehen und dann gab es noch eine Notiz für eine Medikation und die Daten von Aufnahme und Weitergabe (samt Ort und Markierung).

Aber, ich denke, das werde ich verbessern und erweitern müssen. Darüber haben wir heute auch schon mit dem TA gesprochen.

Danke für den Hinweis! - und die guten Wünsche :)

Liebe Grüße,

Christiane

8

Friday, December 17th 2010, 7:04am

Hallo Cakejane

Ja, es ist besser, regelmäßig Protokoll zu führen.

Da bin ich mal gespannt, ob es ein Abszeß ist der die Schwellung am Igel ausmacht. vermutet habe ich es schon.

oft schließt sich eine kleine Verletzung oberflächlich und darunter entwickelt sich sowas. Ihr Tierarzt wird wissen, wann es Zeit ist, die Wunde zu eröffnen und den Eiter zu entfernen.

Bitte halten Sie uns auf dem Laufenden
.
Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

This post has been edited 1 times, last edit by "Karin Oehl - Pro Igel e.V." (Dec 17th 2010, 8:26am)


9

Tuesday, December 28th 2010, 6:24pm

Winterschlaf trotz Lymphschwellung?

Liebe Karin Oehl,

jetzt melde ich mich nach einer kleinen Pause noch einmal wegen unserem nicht ganz gesunden Hausgast.

Die Antibiose hatte bisher nicht zur gänzlichen Abschwellung der Lymphknoten geführt und auch die Öffnung der schorfigen Seite hat keine wirklich Veränderung gebracht.

'Ansonsten' geht es dem Tier nach wie vor gut, er war munter, lief herum und kruschtelte in seinem abgesperrten Bereich und hat sich inzwischen auf über 700 Gramm angefuttert. Bis gestern. Morgens (muss ihm 2 x kleine Futterportionen verabreichen, wegen der Medikamentverteilung) war er schon ein wenig langsam und hat nur getrocknete Mehlwürmer + Müsli-Trockenfuttermischung und ein klein Wenig Wasser zu sich genommen, am Abend kam er nicht mehr aus seiner Schlafhöhle heraus.

Das hatte ich aufgrund des Verhaltens von den Morgenstunden schon vermutet. Als ich jetzt vorsichtig nachsah (wir haben die Schlafhäuserfür die Junioren und kranken Tiere so gemacht, daß ich relativ problemlos und ohne Störung kontrollieren kann), ist deutlich: Das Tier ist im Winterschlaf.

Verlangsamte Atmung und typische Haltung & Stachelstellung.

Am Donnerstag wäre eigentlich noch eine Kontrolle beim TA gewesen, der meinte zu mir am Telefon jedoch soeben, ich solle ihn schlafen lassen, wirklich machen könnte man ohnehin nichts und der heruntergefahrene Stoffwechsel bremst in einer gewissen Weise auch das Lymphsystem aus, bzw. die wohl chronische Entzündung, insofern ist nicht mit einer Verschlechterung zu rechnen. Ich hoffe es und sehe es ja auch so....

Die Diagnose des Tierarztes nachden Untersuchung war der Verdacht auf Leukose, eine Biopsie wollte er nur im äussersten Fall vornehmen (wenn es dem Tier schlechter ginge). Der Verdacht liegt auch daher nahe (soweit ich es im Internet nachgelesen habe), da auch eines der Geschwisterchen ähnliche Schwellungen hat, jedoch weniger auffällig. Sie ist ebenfalls in einem abgegrenzten Bereich und bisher noch wach. Die Schwellungen bei ihr gehen im Augenblick stark zurück, sind nur noch sehr klein und daher hat der TA geraten, die Antibiose auch hier einzustellen und nur weiter zu beobachten. Sie bekam 5 Tage das gleiche Antibiotikum.

Alle halbwüchsigen Tiere sind in einem Raum untergebracht, der relativ regelmäßige Temperaturen zwischen 15 + 18 Grad hat, damit sie nicht einschlafen, aber wir erlebten es auch letztes Jahr, wenn sich ein Tier auf Winterschlaf einstellt, ist die Raumtemperatur nicht unbedingt hinderlich, zumindest nicht bei den Jüngeren....

Ich habe ihn jetzt mit seinem Schlafhaus und allem was zu ihm gehört in eine unsere kleineren Ruheboxen verfrachtet und in den Winterschlafkeller gebracht. Dort ist die Temperatur bis ca. 8/12 Grad - je nach Aussentemperatur - und dort haben wir immer wieder auch größere, nicht so stabile Tiere im Winterschlaf zu Beobachtung.

Wir haben noch weitere Schlafplätze im Garten - überdacht, wind- und regengeschützt in ausgepolsterten großen Hasenställen mit zugfreier Belüftung - wo genesene Tiere (ab 750 Gramm) dann weiter schlafen können, was sich in den beiden letzten beiden Wintern ganz gut bewährt hat.

Haben Sie noch einen Tipp für mich? Evtl. auch etwas aus dem Naturheilkundebereich? Unser TA meinte es gäbe sicherlich etwas, er fand es jedoch auf die schnelle nicht.

Im Moment geht es ja nicht, da schlafend, aber wer weiß, wie lange.... und das Schwesterchen könnte ich ja ggf. damit behandeln. Sie ist fit, nimmt aber nur sehr langsam zu.

Danke schon jetzt für die weitere Antwort und herzliche Grüße aus dem Remstal

Christiane

10

Wednesday, December 29th 2010, 7:42am

Hallo Christiane

Sie bestätigen das, was wir von Pro Igel längst wissen - nicht allein Kälte ist für die Winterschlafbereitschaft der Igel das ausschlaggebende Kriterium. Was mir nur Sorgen macht - der Igel hatte vor dem Winterschlaf keine Gelegenheit, die Medikamente zu verstoffwechseln, er war also nicht mindestens eine Woche ohne Behandlung.

Es ist trotzdem gut, daß Sie es nicht erzwingen wollen, ihn wach zu halten und ihn in einen wesentlich kälteren Raum gebracht haben. Dennoch sind auch dort die Temperaturen noch zu hoch für einen echten Winterschlaf. Es kommt mehr zu einem Dämmerschlaf, der eigentlich zu kräftezehrend ist. Ich denke mal, daß die Phase nicht normal lange anhalten wird. Aber Sie werden die Tiere ja unter Beobachtung halten.

Ich weiß eine von einer sehr engagierten und erfahrenen Homöopathin, deren Link ich hier einfüge:

http://www.mobile-tierheilpraxis-astrid-koppenhagen.de

Sie hilft mir bedeutend immer wieder und ich denke, wenn Sie sie kontaktieren u. auf mich verweisen, wird sie Ihnen gut helfen.

Immer wieder erlebe ich, daß es zwar erforderlich ist, Igel zunächst schulmedizinisch zu behandeln, daß die Homöopathie aber dann sehr gut geeignet ist, zu stabilisieren. Die Tiere reagieren meist sehr gut auf die Behandlung.

Bitte halten Sie uns auf den Laufenden, wie es mit den Tieren weiter geht, vor allem mit dem Tierchen, das diese merkwürdigen Schwellungen aufweist Ich habe das Gefühl, daß Ihr Tierarzt sich große Mühe gibt.

Bevor Sie auswildern können, wäre es vielleicht doch sinnvoll, so einen Knoten mal zu eröffnen und den Inhalt genau zu untersuchen. Das wäre auch für Pro Igel sehr interessant, wenn Sie uns dann die schriftlichen Ergebnisse und den Verlauf der Behandlung und Entwicklung als Dokumentation zur Verfügung stellen könnten.

Danke im voraus schon mal.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

11

Wednesday, December 29th 2010, 1:33pm

Liebe Karin,

vielen Dank für die schnelle Antwort und den Link.

Ich werde mich schnellstmöglich an Frau Koppenhagen wenden. Unserem Tierarzt (es ist leider nicht derjenige, den die Tierauffangstation gewählt hatte...) war es schon sehr arg, daß keine deutlichere Besserung erkaennbar war und er wollte nicht mit noch stärkeren Mitteln auf den kleinen Kerl schießen...

Er möchte das Tier sowie die Geschwisterchen ALLE im Frühling noch einmal zur Kontrolle sehen, bzw. bat mich ein besonderes Augenmerk auf die Tiere zu haben, bevor wir sie auswildern. Nicht, daß etwas weitergeschleppt wird.... Wenn es bei einem zu Problemen kommen sollte, so wird er auch eingreifen, das haben wir schon vereinbart.

Wir haben heute noch einmal kurz gesprochen und er meinte auch, es wäre nicht ideal, aber vielleicht wacht das Tier nach einigen Tagen nochmals auf und dann solle ich abschätzen, ob er noch einmal ins Warme kommt und ihm nur normale Winternahrung bereitstellen und viel Wasser aber ohne weitere Antibiose. Das ist auch der Grund, warum ich diesen Igel - neben dem nicht gerade prickelnden Schlafgewicht - NICHT in einen von unseren geschützten Winterschlafplätze im Garten geben wollte. Wir haben noch 4 gut ausgepolsterte Schlafboxen in umfunktionierten Hasenställen, die weiträumig überdacht sind, aber dafür ist mir das Tierchen noch zu instabil.

Der Raum ist ruhig und ohne Heizung. Es ist ein großes Lichtschachtfenster vorhanden, das wir jeden Tag eine Weile offen lassen, damit sowohl die 'natürliche' Luft und der Sauerstoffgehalt mit dem von draussen nicht zu unterschiedlich ist. Sobald die Temperaturen wieder über dem Gefrierpunkt sind, bleibt das Fenster meist morgens und abends 2-3 Stunden offen. Sonne kommt an die Seite des Hauses keine, somit ist eine höhere Erwärmung nicht wahrscheinlich.

Das Klima entspricht sozusagen einem milden Winter... Mehr möchte ich diesem Tier jetzt noch nicht zumuten.

Letztes Jahr hatten wir auch vier nicht sehr kräftige Tiere, die dort überwiegend ihren Winterschlaf zubrachten. Ich habe sie in Ruhe gelassen, das Kontrollgewicht nach einigen Wochen (als sie aufwachten) war kaum verändert und sie sind während des Schlafes alle größer geworden. Und stabiler. Ich denke daher nicht, daß es sich um einen kräftezehrenden Dämmerschlaf handelte.

Die Option 'nach draussen' oder auch weiter füttern haben wir bei unserem momentanen Sorgenkind ja immer noch. Im Augenblick denke ich einfach, er ist erschöpft. Vielleicht ist es kein echter Winterschlaf - das werde ich sehen, wenn ich seine Nesttemperatur kontrolliere. Und dann sehen wir weiter. Behandlung und Pflege heißt für uns auch, daß wir versuchen uns nicht gegen den Willen/Instinkt der Tiere zu stellen. Ich habe damit eher schlechte Erfahrung gemacht....

Sobald es hierrüber - oder auch sonst von unsererer Stachelkugelbande - etwas Neues zu berichten gibt, melde ich mich wieder!

Für den Fall, daß es in den nächsten Tagen keine berichtenswerten Dinge gibt, schon heute für Sie und die Ihren - wie allen hier - einen gesunden Rutsch in das Neue Jahr und alles alles Gute!!

Herzliche Grüße
Christiane

This post has been edited 3 times, last edit by "cakejane" (Dec 29th 2010, 3:34pm)


12

Wednesday, December 29th 2010, 2:45pm

Liebe Christiane

Auch Ihnen und Ihren stacheligen Gästen gute Wünsche zum Jahreswechsel. Es ist richtig, wenn ein Tier entschieden hat, zu schlafen, kann und sollte man es nicht aufhalten.

Genau so mache ich es hier in der Station auch.

Ich bin gespannt auf Ihre weiteren Berichte.

Mit freundlichem Gruß

Karin Oehl

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